Ausländer entlasten Sozialstaat

ZEW-Studie zeigt: Deutschland profitiert von Zuwanderung

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Viele Deutsche glauben, dass Zuwanderer Deutschland mehr kosten als nützen. Jetzt belegt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung das Gegenteil:

Ausländer tragen mehr zu unseren öffentlichen Etats bei, als sie in Form von Transferleistungen empfangen. Wir stellen die Studie vor – und auf der dritten Seite Flüchtlinge, die in Deutschland angekommen sind.

Deutschland profitiert finanziell in beachtlichem Umfang von den hier lebenden Ausländern. Das ist das Ergebnis einer Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Rechnet man demnach für das Jahr 2012 alle Sozialtransfers an Ausländer gegen die von Ausländern geleisteten Steuern und Abgaben, dann bleibt dem Staat unter dem Strich ein Nettogewinn von 3300 Euro pro Kopf (Deutsche: rund 4000 Euro).

Diese Rechnung würde noch positiver ausfallen, wenn man jene ursprünglich ausländischen Bürger in die Rechnung einbezöge, welche die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben. Sie sind im Schnitt ökonomisch noch erfolgreicher.

Der Autor der Studie, Prof. Dr. Holger Bonin, zeigt, dass letztlich Bildung der entscheidende Faktor für einen positiven Saldo in den Sozialsystemen ist. Hier lägen noch große Potenziale. Wenn in der jungen Ausländergeneration noch mehr positive Bildungsaufstiege gelängen, dann könnte sich der Beitrag von Ausländern zu den deutschen sozialen Sicherungssystemen noch positiver entwickeln.

Gute Bildungspolitik rechne sich nachhaltig. Wenn man dies vernachlässige, wie in den sechziger und siebziger Jahren bei der Anwerbung von zumeist niedrig qualifizierten Gastarbeitern für die deutsche Schwerindustrie, dann müssten künftige Generationen die Kosten dieser unterlassenen Investitionen tragen.

Im gegebenen Fall heißt dies: Hohe Potenziale wurden nicht genutzt. Heute verfügen laut einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge von 2010 mehr als 40 Prozent der Ausländer der zweiten Generation über höhere Bildungsabschlüsse als ihre Eltern.

Die ZEW-Studie weist auch darauf hin, dass die öffentlichen Haushalte in Deutschland schon heute nicht nachhaltig finanziert seien. Dieses Problem werde sich mit einer alternden und schrumpfenden Gesellschaft verschärfen. Eventuell müsse der Staat Steuern erhöhen, Sozialtransfers senken oder auch Ausgaben generell mindern. Auch deswegen sollte der positive Beitrag der Ausländer noch deutlich gesteigert werden.

Sinnvoll, ja geboten sei es, mehr qualifizierte Ausländer ins Land zu holen und dafür zu sorgen, dass hier lebende Ausländer bessere Bildungschancen erhielten. So könnten ausländischen Studierenden, aber auch Flüchtlingen bessere Brücken in den deutschen Arbeitsmarkt gebaut werden.

Fakten und Argumente aus der ZEW-Studie

• Die rund 6,6 Millionen Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft zahlten im Jahr 2012 über 22 Milliarden Euro mehr an den Staat, als sie in Form von Transfers zurückerhalten haben. Das entspricht einem Überschuss von 3300 Euro je Ausländer. Der positive Trend hält an und scheint sich zu verstärken. • Hier lebende Ausländer sind im Schnitt jünger als Deutsche, sie haben eine niedrigere Beschäftigungsquote und geringere Löhne. Durch die beitragsbezogene Rente ziehen die niedrigeren Beitragszahlungen der Ausländer aber ein niedrigeres individuelles Rentenniveau nach sich. Auch das verbessert ihre Bilanz im Vergleich mit der zunehmend alternden und zunehmend auf Leistungen angewiesenen deutschen Bevölkerung. • Die Überschüsse der hier lebenden Ausländer könnten bei besserer Integration noch viel höher sein. Aber auch zusammen mit den deutlich höheren Überschüssen der Deutschen reichen sie nicht aus, um unsere zu hohen öffentlichen Ausgaben nachhaltig zu garantieren. Umso wünschenswerter ist es, jedes Potenzial zu nutzen. • 40 Prozent aller Ausländer der zweiten Einwanderungsgeneration seit den 50er-Jahren verfügen über höhere Bildungsabschlüsse als ihre Eltern. Schon bei Personen mit mittlerer Schulbildung übersteigt die durchschnittliche Summe der Steuer- und Beitragszahlungen über den gesamten Lebensverlauf die vom Staat erhaltenen Sozialleistungen deutlich. • Laut ZEW-Studie könnte jeder Bürger um mehr als 400 Euro jährlich entlastet werden, wenn künftig pro Jahr mindestens 200 000 Zuwanderer nach Deutschland kämen und 30 Prozent von ihnen hoch und weitere 50 Prozent mittel qualifiziert wären. • Zuwanderung an sich rechnet sich nicht. Sie kann auch teuer werden. Entscheidend sind Bildung und Integration der Zuwanderer.

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