Kabinett behandelt heute Gesetzentwurf – Kritiker sehen Intensivhaltung als Kernproblem

Ziel: Weniger Antibiotika für Tiere

Will bessere Kontrolle: Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). Foto: dpa

Berlin. Umweltschützer, Ernährungswissenschaftler und Tierrechtler schlagen Alarm: In der Massentierhaltung sind mit über 1700 Tonnen im Jahr 2011 deutlich mehr Antibiotika eingesetzt worden als bisher angenommen. In der Branche war man bisher von 1000 Tonnen ausgegangen, das waren allerdings nur Schätzwerte. Nun wurden die Zahlen erstmals konkret erhoben (siehe Hintergrund).

Damit bekommen die Tiere in der Intensivhaltung 40mal mehr Antibiotika, als Menschen in allen deutschen Krankenhäusern und siebenmal mehr als in der Humanmedizin insgesamt. Das Erschreckende: Wenn Menschen häufig Fleisch von mit Antibiotika behandeltem Geflügel oder Schweinen essen, besteht die Gefahr, dass sie gegen die Mittel resistent werden. So kann es passieren, dass verschriebene Antiobiotikum nicht mehr wirkt, erklärte Reinhild Benning, Agrarexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will nun handeln. Sie legt heute dem Bundeskabinett einen Gesetzentwurf vor, der den Einsatz von Antibiotika verringern und transparenter machen soll. Antibiotika sollen „auf das zur Behandlung von Tierkrankheiten absolut notwendige Maß beschränkt werden.“

Bundesweite Datenbank

Das Gesetz, für das die Länder noch Änderungsvorschläge einbringen können, soll die Landwirte verpflichten, den Einsatz der Antibiotika zu dokumentieren. In einer bundesweiten Datenbank soll auch die Zahl der behandelten Tiere erfasst werden. Liegt nun ein Betrieb über dem Mittelwert, soll er verpflichtet werden, die Menge der Arzneimittel zu reduzieren. Die Datenerfassung kostet nach Einschätzung des Landwirtschsaftsministeriums 40 Millionen Euro. Nicht auszuschließen ist, dass die Kosten in Teilen über höhere Fleischpreise auf den Verbraucher umgelegt werden.

Außerdem sollen Antibiotika, die zur Heilung von Menschen besonders wertvoll sind, in der Tierhaltung verboten und die Kontrollen verschärft werden.

Umwelt- und Tierschützern geht das nicht weit genug. Für sie ist die Massentierhaltung als solche das Problem. Oft würden Antibiotika in großem Stil an Tiere verfüttert, die gesund seien. Dabei reiche der Verdacht, dass ein Huhn krank sei, aus, alle anderen Tiere auch prophylaktisch zu behandeln. Das gelte auch für Ställe mit 40 000 Tieren. In diesen leben 15 ausgewachsene Masthühnchen auf einer Fläche von der Größe eines Badetuches.

„Im eigenen Dreck“

Nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, bekommen Hühner in großen Mastanlagen Antibiotika, damit sie bis zur Schlachtreife überlebten. „Lungenleiden und andere Krankheiten entstehen, weil zu viele Tiere auf engstem Raum im eigenen Dreck sitzen“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Billigfleischindustrie wird nach BUND-Angaben von der Politik unterstützt. Noch immer gingen jährlich gingen mehr als 80 Millionen Euro in die Förderung von Massentierhaltung.

Von Peter Klebe

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