Neue Hoffnung auf Waffenruhe

Zivilisten und Verletzte sollen Aleppo verlassen können

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Regierungstruppen haben den größten Teil der von oppositionellen Milizen kontrollierten Gebiete eingenommen. Foto: Stringer

Zehntausende Menschen halten sich noch in den verbliebenen Vierteln der Rebellen in Aleppo auf. Nun kündigen die Regimegegner eine Feuerpause an - damit soll der Abzug von Zivilisten und Verletzten bereits am Donnerstagmorgen beginnen.

Aleppo/Damaskus (dpa) - Neue Hoffnung für die Menschen in den Rebellengebieten der umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo: Der Abzug von Zivilisten und Verletzten soll Rebellen zufolge demnächst beginnen.

Der Sprecher der radikal-islamischen Miliz Ahrar al-Scham, Ahmed Kara Ali, kündigte am Mittwochabend an, bereits in den nächsten Stunden solle eine neue Waffenruhe in Kraft treten. Ein Sprecher der Rebellengruppe Nur al-Din al-Sinki bestätigte dies.

Aktivisten berichteten zugleich von neuen Luftangriffen. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete heftigen Beschuss der verbliebenen Rebellengebiete Aleppos. Aus regierungsnahen Kreisen hieß es, die Armee und verbündete Milizen hätten den bislang heftigsten Angriff auf die oppositionellen Milizen begonnen.

In der Nacht schien sich die Lage zu beruhigen: Einwohner aus dem von Rebellen kontrollierten kleinen Gebiet im Osten Aleppos berichteten, die Intensität der Luftangriffe und des Beschusses habe abgenommen. Auch in den von der Regierung kontrollierten Teilen sei es ruhig, hieß es aus Regierungskreisen.

Ein am Dienstag ausgehandeltes Abkommen über den Abzug von Kämpfern und Zivilisten aus Aleppos Rebellengebieten war am Mittwoch zunächst nicht umgesetzt worden. Russland als Unterstützer der Regierung von Präsident Baschar al-Assad beschuldigte die Regimegegner, sich nicht an die Einigung gehalten und die Waffenruhe gebrochen zu haben.

Die mit Assad verbündete schiitische Hisbollah warnte jedoch, es könne bei der Umsetzung des Evakuierungsabkommens zu ernsthaften Komplikationen kommen. Die Miliz verwies darauf, dass in dem Abkommen nicht zwei schiitische Dörfer aufgenommen worden seien, die von der bewaffneten Opposition belagert würden. Das habe aber die Regierung gefordert.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Mittwoch gesagt, er hoffe, dass sich die Lage in Ost-Aleppo in zwei bis drei Tagen endgültig entspannen werde. In einem Telefonat mit seinem US-Kollegen John Kerry bekräftigte er, dass die syrische Regierung zum freien Abzug der Rebellen aus Ost-Aleppo bereit sei, wie das Außenamt in Moskau am Mittwochabend mitteilte.

Regierungstruppen haben seit Beginn einer Offensive den größten Teil der von oppositionellen Milizen kontrollierten Gebiete Aleppos eingenommen. In den verbliebenen Vierteln der Rebellen halten sich noch Zehntausende Zivilisten auf. Wegen der monatelangen Blockade herrscht dort akuter Mangel an Trinkwasser, Nahrung und medizinischer Versorgung.

Assad will auch nach einer Eroberung Aleppos weiter kämpfen lassen. Er sagte dem russischen Staatsfernsehen: "Von einer Feuerpause kann keine Rede sein." Mit Milde könnten nur "Terroristen" rechnen, die sich ergeben oder den Kampfort verlassen. Die Kämpfe gingen weiter, bis "das ganze Land von Terroristen gesäubert" sei.

Die syrische Armee hatte zusammen mit ihren Verbündeten vor einem Monat eine Offensive auf die Rebellengebiete in Ost-Aleppo begonnen. Die frühere Handelsmetropole war jahrelang zwischen Regime und Rebellen geteilt und gilt mit ihrer Verwüstung heute als Symbol für den Krieg.

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