Landwirte, Landvolk und Landesforsten verweigern sich dem Groß-Naturschutzgebiet

Zoff um das Grüne Band

Grünes Band: An den ehemaligen Kolonnenweg grenzen Ackerflächen. Foto: Mühlhausen

Göttingen. Streit um den ehemaligen Grenzstreifen: Nach den Landwirten, dem Landvolk und den Forstgenossenschaften (wir berichteten) wehren sich nun auch die niedersächsischen Landesforsten gegen das Groß-Naturschutzgebiet Grünes Band zwischen Eichsfeld und Werratal. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Stefan Wenzel sucht den Dialog mit dem Landvolk. Für den Politiker ist das Projekt notwendig, um die einzigartige Flora und Fauna zu erhalten.

9000 Hektar sollen unter Naturschutz gestellt werden, darunter große Acker- und Waldflächen. Die Landesforsten machten in einem Schreiben an die das Projekt betreuende Heinz-Sielmann-Stiftung in Herbigshagen bei Duderstadt ihre Bedenken dagegen deutlich. Als Beispiel wird der Einbeziehung von Buchenwäldern genannt, was die nachhaltige Bewirtschaftung einschränke.

Allein im Landeswald des Niedersächsischen Forstamtes Reinhausen seien 380 Hektar mit einem Holzvorrat von 116 000 Festmetern als Naturwälder und Altholzinseln vollständig aus der Nutzung genommen. Man wolle keine weiteren ungenutzten Waldflächen ausweisen, heißt es.

Das Löwe-Programm für eine langfristige ökologische Waldentwicklung weise bereits genügend Schutzflächen dafür aus. Eine pauschale Forderung – wie nun für das Grüne Band – nach großflächigem Schutz widerspreche dieser sorgfältigen Auswahl im Landeswald, argumentiert die Landesbehörde, die auch Forstgenossenschaften im Leine- und Werratal vertritt.

Im Landvolk formiert sich ein noch kräftigerer Widerstand gegen das Groß-Naturschutzgebiet: Betroffene Grundstückseigentümer signalisieren der Sielmann-Stiftung in einem Schreiben die „Totalverweigerung auf 2500 Hektar Fläche“. Wie der Landvolk-Sprecher Achim Hübner andeutet, könnten zwar Flächen im Einvernehmen mit den Eigentümern in Absprache bereit gestellt werden. Aber: „Wir können eine breite Basis für das Projekt aktuell nicht erkennen.“

Das Landvolk sieht die Sielmann-Stiftung in der Pflicht. Man müsse besser informieren und Überzeugungsarbeit leisten. Stefan Wenzel von den Grünen ruft die Landwirte hingegen auf, ihr Interesse am Schutz bedrohter Lebensräume und Tiere zu zeigen.

Der Streit um das Gebiet des ehemaligen Todesstreifens geht weiter. (phl/tko)

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