Komplizierte Bergung nach Kabinen-Crash 

Zugspitz-Seilbahn: Totalschaden am Himmel

Grainau. Die neue Seilbahn an Deutschlands höchstem Berg ist ein Zuschauermagnet. Doch nach einem Unfall ist sie nun wochenlang außer Betrieb. 

Nachdem ein unbemannter Bergekorb, der vom Gipfel abwärts  rauschte, vergangene Woche eine ebenfalls leere 120-Personen-Kabine der Zugspitz-Seilbahn gerammt und zu einem Schrotthaufen verwandelt hat, wird weiter die Bergung vorbereitet. Für Helikopter ist der Schrott am Seil vor der Zugspitz-Nordflanke zu schwer. Alles nach oben zur Bergstation hochziehen? Am Mittwoch haben sich Experten in einem Montagekorb zur Unglücksstelle abseilen lassen. Sie sollen  das weitere Vorgehen klären.  

Die neue Zugspitz-Seilbahn, erst im Dezember 2017 eröffnet, bleibt nach dem spektakulären Unfall Mitte vergangener Woche möglicherweise auf Monate außer Betrieb. Eine der beiden bodentief verglasten Kabinen hängt schrottreif zwischen Gipfel und Abgrund – knapp 300 Höhenmeter sind es nach oben, 1600 nach unten.

Die 120-Personen-Gondel an der Zugspitze, mit 2962 Metern Deutschlands höchster Berg, wurde abends nach Betriebsschluss zum Totalschaden: Ein unbemannter Bergekorb rauschte von oben ungebremst in die ebenfalls leere Glaskabine. Geht alles nach Plan, soll der Bergekorb am Seil zur festsitzenden Kabine abgelassen werden – ganz langsam natürlich. Pro Fahrt kann er dort 30 Passagiere wegholen. Was als Rettungsübung fürs Zugspitzpersonal angesetzt war, geriet außer Kontrolle, als an der Bergstation eine Haltekette riss.

Die Bergung des Schrotthaufens am Himmel über Grainau wird derzeit vorbereitet: Helikopter scheiden aus. Das ineinander verkeilte 20-Tonnen-Paket aus Gondel und Bergekorb ist laut Betreibergesellschaft zu schwer.

Man wolle alles nach oben zur Bergstation ziehen und dort demontieren, hieß es von der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn AG. Eine neue Kabine sei bereits bestellt. Immerhin: Die Tragseile hätten den Unfall unbeschadet überstanden, zitierte der Bayerische Rundfunk die Aufsichtsbehörde. Dies hätten Videos einer Drohne gezeigt.

Die neue Zugspitz-Seilbahn hat 50 Millionen Euro gekostet. Mit zwei Großkabinen verkehrt sie im Pendelbetrieb über nur noch eine Stütze. Sie gilt als Vorzeigeprojekt alpiner Technik: Zwischen Tal- und Gipfelstation liegen 4,5 Kilometer und 1945 Höhenmeter – beides Weltrekorde.

Zehn Minuten hoch, zehn Minuten runter: Die Premierenfahrt wurde nach sechsjähriger Planungs- und Bauphase drei Tage vor Heiligabend 2017 gefeiert. Für die Region ist der Neubau Segen und Fluch zugleich: Wartezeiten im Vergleich zur Vorgängerin, der alten Eibsee-Seilbahn, haben sich verkürzt. Der Ansturm im ersten Betriebsjahr der neuen Bahn war aber so heftig, dass Grainau und Umgegend unter Park-Chaos und kilometerlangen Staus ächzten. Axel Doering, Chef des Bund Naturschutz in Garmisch-Partenkirchen, forderte bereits eine Obergrenze für Zugspitz-Besucher.

Bis die Seilbahn wieder anläuft, bringen Zahnrad- und Gletscherbahn (ab Garmisch-Partenkirchen) Touristen zum Gipfel. Es geht auch zu Fuß: Von der Kletterroute Eisenzeit übers Schneekar wird aber dringend abgeraten – zu nahe an der Unglücksstelle vor der steilen Zugspitz-Nordwand. www.zugspitze.de

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