Zulassung fehlt: Hessen wartet auf neue Züge

Hell und geräumig: Verkehrsminister Peter Ramsauer im Talent 2.

Wiesbaden. Die schlechten Nachrichten der Bahn reißen nicht ab: Siemens liefert ICE verspätet aus und Bombardier kann der DBRegio 22 Regionalzüge der Baureihe Talent 2 zum Start des Winterfahrplans am 9. Dezember in Mittelhessen auch nicht zur Verfügung stellen.

Wieder nicht, muss man sagen, denn eigentlich sollten die modernen Elektrozüge, die der kanadische Hersteller im brandenburgischen Hennigsdorf je nach Wagenzahl und Ausstattung mit 120 bis 350 Sitzplätzen baut, schon vor einem Jahr ausgeliefert werden. Sie gehören zu insgesamt 321 Zügen dieses Typs, die die Bahn 2007 für 1,2 Milliarden Euro geordert hat.

Doch bei Talent 2, 2009 mit dem Innovationspreis Berlin Brandenburg ausgezeichnet, gibt es immer wieder Probleme bei der Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt. Dessen Sprecher Moritz Huckebrink verweist in diesem Fall auf Widersprüche in den dokumentierten Daten, die Bombardier noch aufklären müsse. Dass schon etliche Talent 2 in Deutschland unterwegs sind, ändere daran nichts. Aber auch dort, wo der Zug schon fährt, etwa in Berlin, an Sieg und Mosel und auch in Franken, herrscht nicht nur eitel Freude über die roten Wagen. Erst Anfang November etwa monierte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft Regenwasser im Führerstand, Pfeifgeräusche und anderes.

Kein neuer Termin

Ein Sprecher der Bahn sagte gestern, für die Fahrgäste in Mittelhessen hätten die Verzögerungen keine Folgen. „Zum Fahrplanwechsel wird das Angebot vollumfänglich gefahren.“ Probleme mit dem Winterwetter werde es auch nicht geben, denn anders als im Falle der ICE-Flotte, der es an Reservezügen mangelt, gebe es diese Problem im Nahverkehr nicht. Natürlich sei man bestrebt, den Fahrgästen moderne, umweltfreundliche und wirtschaftliche Züge zur Verfügung zu stellen - wann es nun soweit sein wird, konnte der Sprecher aber nicht sagen.

Im Frühjahr war Bundesverkehrminister Peter Ramsauer (CSU) bereits fast der Geduldsfaden gerissen, drohten doch auch in Berlin die Züge zu fehlen, die den neuen Hauptstadtflughafen anbinden sollten. Da der bislang nicht in Betrieb gegangen ist, hat sich zumindest dieses Problem vorerst erledigt.

Und Bombardier? „Wir wollen das Problem schnellstmöglich lösen“, sagt Unternehmenssprecher Sebastian Heindrichs unserer Zeitung. „Bisher haben wir noch gar keine offizielle Mitteilung des Eisenbahn-Bundesamtes bekommen.“ Die Prozesse seien eben „extrem kompliziert“.

Dass es allein an der Behörde liegt, will deren Sprecher Huckebrink so nicht unterschreiben: „Wir arbeiten nach gesetzlichen Vorgaben und setzen uns frühzeitig mit den Herstellern zusammen. Die Viermonatsfrist für die Prüfung schöpfen wir in der Regel bei Weitem nicht aus.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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