Hessens Hochschulen können nicht an Online-Bewerbungsverfahren teilnehmen

Zulassungs-Chaos: Andrang um Studienplatz geht weiter

Wiesbaden/Kassel. Die Probleme bei der Einführung des bundesweiten Studienzulassungssystems via Internet sind erheblich größer als bislang eingeräumt. Allenfalls 40 statt der angestrebten 300 Hochschulen, darunter nur eine aus Hessen, werden in diesem Jahr an dem Online-Bewerbungsverfahren für die begehrten Numerus-clausus-Studiengänge (NC) teilnehmen können.

Dies geht aus einem internen Sitzungsprotokoll der Stiftung Hochschulstart hervor.

Das seit Langem beklagte Einschreibchaos führt dazu, dass infolge von Mehrfachbewerbungen und Doppelzulassungen regelmäßig rund 20 000 NC-Studienplätze nicht besetzt werden können. Abiturienten schicken ihre Bewerbungen häufig an mehrere Universitäten, um am Ende wie beim Roulette wenigstens irgendwo Erfolg zu haben. Manche Bewerber erhalten allerdings mehrere Zusagen – sagen sie den Hochschulen dann nicht persönlich ab, bleiben die Plätze frei. Experten halten Doppeleinschreibungen nur dann für vermeidbar, wenn möglichst alle deutschen Hochschulen mit zulassungsbeschränkten Fächern an dem neuen System teilnehmen. „Individuelle Einschreibsysteme machen weder volkswirtschaftlich noch politisch Sinn“, beklagte sich jüngst die SPD-Politikerin Ulla Burchhardt.

Dr. Guido Rijkhoek, Pressesprecher der Universität Kassel, bestätigt: „Das Problem besteht auch bei uns, wir können uns nicht an dem Online-Bewerbungssystem beteiligen.“ Für die Mitarbeiter bedeutet das Bewerbungsaufkommen eine hohe Arbeitsbelastung. „Im aktuellen Wintersemester gab es 3573 Studienplätze mit NC – ein Zuwachs von 6,4 Prozent“, erklärt Rijkhoek. Allerdings sind dafür fast 30 000 Anträge eingegangen – ein Plus von 27 Prozent. „Diese Zunahme müssen wir mit dem gleichen Mitarbeiterstamm bearbeiten“, sagt er. Das geplante bundeseinheitliche Programm würde die Mitarbeiter erheblich entlasten. Auch die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Philipps-Universität Marburg nehmen nicht an dem neuen Verfahren teil.

In Hessen beteiligt sich lediglich die Goethe-Universität in Frankfurt an dem sogenannten Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV). Bewerbungen werden jedoch nicht für alle 142 Studiengänge angenommen, sondern nur für den Studiengang Psychologie. „Und auch nur persönlich, nicht wie geplant online“, sagt Dr. Olaf Kaltenborn, Pressesprecher der Universität.

Fehler in Software

Es gäbe noch zu viele Fragezeichen in puncto Zuverlässigkeit, erklärt Kaltenborn. „Als die drittgrößte deutsche Universität können wir es uns nicht leisten, den Bewerbungsprozess durch Softwarefehler ins Schlingern zu bringen.“ Verantwortlich gemacht wird für die Panne die IT-Sparte der von Bund und Ländern getragenen Service-Agentur, die die Verwaltungssoftware entwickelt. (mit dpa-Material)

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