HNA-Kommentar

Zur Lage in Syrien: Niemand stoppt Assad

Israel wird ein schwerer Raketenangriff auf einen syrischen Militärflugplatz vorgeworfen. Doch dieses Luftschläge werden die Verhältnisse in Syrien nicht beeinflussen, schreibt Kommentator Jörg-Stephan Carl.

Das Massenmorden in Syrien dauert an, und fast alles weist darauf hin, dass der Haupttäter noch eine Weile an der Macht bleiben wird. Denn Russland, Iran und die Türkei scheinen sich die Einflusssphären im finsteren Reich von Baschar al-Assad aufgeteilt zu haben. Auf ihrem jüngsten Gipfel forderten die drei Garantiemächte des Assad-Regimes ein Ende der Gewalt – für die sie seit Jahren mitverantwortlich sind. Zynischer geht es nicht.

Hat Assads Armee jetzt wieder Giftgas gegen islamistische Kämpfer sowie gegen Zivilisten eingesetzt? Das Regime in Damaskus und der Kreml bestreiten einen Gas-Angriff. Videobilder zeigen die grauenhaften Folgen. Zu beweisen, wer die Verantwortung dafür hat, wird in den Kriegswirren kaum möglich sein. Vielleicht ringen sich die USA und Frankreich zu einem Vergeltungsschlag durch, um ein Zeichen des Westens zu setzen. Viel mehr an Reaktion dürfte es auch diesmal nicht geben. Erinnert sich noch jemand an rote Linien? Schon beim ehemaligen US-Präsidenten Obama durfte Assad sie einigermaßen folgenlos überschreiten.

Wer nun auf Israel mit dem Gedanken schaut, dessen Luftschläge könnten den Krieg und die Verhältnisse in Syrien merklich beeinflussen, der irrt. Israel handelt im eigenen Interesse. Seine Einsätze gelten der Hisbollah-Miliz und der Kriegspartei Iran. Die Achse Hisbollah-Teheran darf aus Jerusalemer Sicht nicht stärker und bedrohlicher werden, als sie ohnehin schon ist. Es geht um gezielte Nadelstiche gegen Militäranlagen und Waffenlager; der syrischen Zivilbevölkerung hilft das israelische Eingreifen nicht.

Wer stoppt dann also Assad? Naive Frage. Es ist zu spät. Er wird bis zum bitteren Ende weitermorden dürfen. Die Nachkriegszeit werden dann Moskau, Teheran und Ankara bestimmen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Syrian Presidency/XinHua/dpa

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