Nicht nur die Versicherten werden stärker belastet - Verwaltungskosten steigen, Steuereinnahmen sinken

Zusatzbeiträge kosten viel Geld

Bittere Pillen für die Versicherten: Die ersten Krankenkassen haben angekündigt, Zusatzbeiträge von bis zu acht Euro monatlich zu erheben. Weitere Kassen werden folgen. Fotos: dpa

Kassel. Die Zusatzbeiträge bringen nicht nur finanzielle Belastungen für die Versicherten, sie erhöhen auch die Verwaltungskosten der Krankenkassen und kosten den Staat Steuereinnahmen.

?Wie viel Zusatzbeitrag darf meine Krankenkasse von mir erheben?

!Wichtig ist: Beitragsfrei versicherte Familienangehörige zahlen keine Zusatzbeiträge. Von ihren Mitgliedern darf eine Kasse pauschal 8 Euro im Monat nehmen - egal wie viel sie verdienen. Will die Kasse mehr, darf der Zusatzbeitrag ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens nicht übersteigen. Damit können maximal 37,50 Euro verlangt werden. Denn auch wer sehr viel verdient, muss nur auf 3750 Euro seines Bruttoeinkommens Kassenbeiträge zahlen.

?Sollte ich meine Kasse wechseln, wenn sie einen Zusatzbeitrag erhebt?

!Das hängt davon ab, wie zufrieden Sie bisher mit ihrer Kasse sind und wie sehr Sie der Zusatzbeitrag drückt. Ein Sonderkündigungsrecht haben Sie jedenfalls - es sei denn, Sie haben sich mit einem Wahltarif an die Kasse gebunden.

?Wie lange gilt das Sonderkündigungsrecht?

!Nach Auskunft der Stiftung Warentest gilt das Sonderkündigungsrecht, bis der Zusatzbeitrag erstmals fällig wird. Die Kasse muss mindestens einen Monat vorher auf dieses Recht hinweisen. Ein Wechsel tritt erst zwei volle Kalendermonate nach Kündigung in Kraft.

?Was ist, wenn meine neue Kasse auf einmal auch Zusatzbeiträge beschließt?

!Auch dann gilt wieder ein Sonderkündigungsrecht, sagt die Stiftung Warentest.

?Gibt es überhaupt Kassen, die nicht bald Zusatzbeiträge nehmen?

!Nach Auskunft der Stiftung haben 40 Kassen angekündigt, dass sie 2010 keinen Zusatzbeitrag erheben werden. Deutschlands größte Krankenkasse, Barmer GEK, sagt, Zusatzbeiträge seien aktuell kein Thema. Eine Prognose für das Gesamtjahr gibt sie nicht.

?Sollte ich nicht abwarten, wie sich alles entwickelt?

!Das Sonderkündigungsrecht ist vor allem für Menschen interessant, die kürzer als 18 Monaten bei ihrer Kasse versichert sind. Wer länger Mitglied war, darf ohnehin kündigen. Wenn Sie nicht jeden Pfennig umdrehen müssen und schon lange mit ihrer Kasse zufrieden sind, können Sie also entspannt zuwarten.

?Gibt es Chaos, wenn jetzt andauernd Kassen gewechselt werden?

!Darüber kann man derzeit nur spekulieren. Viel Arbeitskraft dürfte es jedenfalls binden.

?Wie viel Geld bringt den Krankenkassen der Zusatzbeitrag?

!Rechnen wir am Beispiel der DAK. Sie hat rund 4,8 Millionen Mitglieder, und ihr Vorstandschef plant Zusatzbeiträge von 8 Euro im Monat. Würden alle jetzigen Mitglieder die zahlen, macht das rund 460,8 Mio Euro in zwölf Monaten.

?Und was kostet der bürokratische Aufwand?

!Dazu sind verschiedene Zahlen im Umlauf. Der Ersatzkassenverband rechnet grob überschlagen mit 8 Euro pro Jahr und Mitglied, wenn die Kassen Zusatzbeiträge mit Einkommensprüfungen nehmen. Bei Zusatzbeiträgen bis acht Euro rechnet er mit rund fünf Euro pro Jahr und Mitglied. In unserem DAK-Beispiel kämen also jährliche Kosten von 24 Mio. Euro zustande.

?Wie viel Geld geht dem Staat verloren, wenn die Zusatzbeiträge von der Steuer abgesetzt werden?

!Schwer zu sagen. Dem Gesundheitsfonds fehlen 2010 nach offizieller Schätzung vier Milliarden Euro. Wir haben herumgefragt, welche Steuereinbußen sich ergäben, wenn Zusatzbeiträge in dieser Höhe erhoben und steuerlich geltend gemacht würden. Ein Gesundheitsökonom rechnet mit einer guten Milliarde Euro, ein Wirtschaftsverband mit einem dreistelligen Millionenbetrag.

?Was sagt das Bundesfinanzministerium?

!Das Ministerium erklärte vorige Woche, es stehe ja noch nicht fest, ob und in welcher Höhe Zusatzbeiträge anfallen. Es gebe deshalb keine Grundlage für eine Berechnung.

Von Katja Schmidt

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