Syrien: Anschlag auf Geheimdienst - 70 Tote

Damaskus - Die Explosion eines großen Sprengsatzes vor einem Gebäude des syrischen Geheimdienstes hat in Damaskus mindestens 70 Menschen das Leben gekostet.

Die Wucht der Explosion war gewaltig.

Bei einem Bombenanschlag vor einem berüchtigten Gefängnis in der syrischen Hauptstadt Damaskus sind am Donnerstag 70 Menschen ums Leben gekommen. Das Innenministerium teilte mit, nach dem Anschlag seien 55 Leichen und “die sterblichen Überreste von 15 weiteren Menschen“ geborgen worden. Die Zahl der Verletzten bezifferte das Ministerium auf 375. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand.
Das sogenannte Palästina-Verhörzentrum ist eine der am meisten gefürchteten Einrichtungen des Sicherheitsapparates des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Viele politische Gefangene wurden dort gefoltert.

Die Opposition behauptete, das Regime habe den Anschlag verüben lassen, um die Revolution im Land als Werk islamistischer Terroristen darzustellen. Beweise für diese Version legten die Regimegegner allerdings nicht vor. Die Vorgehensweise und die Zerstörung erinnerten an Terroranschläge im Irak. Das staatliche Fernsehen zeigte Aufnahmen verkohlter Leichen. Ein dpa-Mitarbeiter vor Ort sagte, etwa 30 Autos seien durch die Explosion im Al-Kazzaz-Viertel zerstört worden. Mehrere Gebäude wurden stark beschädigt.

Der großen Explosion ging nach Angaben von Anwohnern eine kleinere Explosion am gleichen Ort voraus. Noch in weit entfernten Stadtvierteln klirrten die Fenster der Gebäude. Regimegegner veröffentlichten ein Video, das verängstigte Zivilisten zeigt, die nach dem Anschlag in Panik durch die Gassen des Viertels laufen.

Leiter der UN-Beobachter vor Ort

Der norwegische Leiter der UN-Beobachter in Syrien, Generalmajor Robert Mood, besuchte den Anschlagsort. Das syrische Volk habe diese “schreckliche Gewalt“ nicht verdient, erklärte er. “Das löst keine Probleme.“ Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachtete, wie Rettungskräfte Leichenteile einsammelten. Die Fassade des Geheimdienstgebäudes war eingestürzt.

Die Innenstadt von Damaskus steht unter Kontrolle der Truppen von Präsident Baschar Assad, dennoch wurden dort bereits mehrere Bombenanschläge verübt. Ihr Ziel waren häufig Einrichtungen oder Konvois der Sicherheitskräfte. Zuletzt riss ein Selbstmordattentäter am 27. April in Damaskus mindestens neun Menschen mit in den Tod, 26 wurden verletzt. Zu mehreren derartigen Angriffen hat sich in der Vergangenheit eine Al-Kaida-nahe Gruppierung mit Namen Al-Nusra-Front bekannt. Über sie ist wenig bekannt, westliche Geheimdienstkreise vermuten, dass es eine Gruppe der Al-Kaida im Irak sein könnte.

Seit 12. April soll in Syrien eigentlich eine vom UN-Sondergesandten Kofi Annan vermittelte Waffenruhe gelten. Die Gewalt ist in den vergangenen Tagen zurückgegangen, Annan hat die Zahl der Toten und Verletzten aber als inakzeptabel bezeichnet. Zur Zeit sind 70 UN-Beobachter in Syrien. Ihre Zahl soll in den nächsten Tagen auf 100 steigen, insgesamt sollen schließlich 300 UN-Beobachter in Syrien stationiert sein.

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dpa/dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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