CSU: Kuschelkommando und Abteilung Attacke

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CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am Freitag beim Parteitag in München.

München - „Wir lieben euch“: Beim CSU-Parteitag willParteichef  Seehofer Personalstreit vermeiden. Auf seinen Herausforderer Ude lässt er seinen General Dobrindt los.

Die Getränkeauswahl auf den Tischen in Reihe eins verrät alle Optionen. Bio-Gemüsesaft steht vor Horst Seehofer, süß und magenschonend. Oder eine Dose Red Bull, macht wach und enthält Stierhormone. Die CSU des großen Vorsitzenden erweckt zum Start ihres Parteikonvents den Eindruck, als habe Seehofer jede Dosis sehr genau zugeteilt. Ein Teil der CSU-Promis versprüht nach innen größte Wärme und Harmonie, ein anderer stürmt mit gesenkten Hörnern auf die SPD los.

Mit hoher Schauspielkunst sind insbesondere Seehofers Kronprinzen darum bemüht, keine Personaldebatten zu befeuern. Dem Kuschelkommando folgen Christine Haderthauer und Markus Söder, sie frotzeln nur ein bisschen. „Alte Sticheltante“, murmelt Söder und legt dann seinen Arm um sie, bis alle Kameras das Bild eingefangen haben. Haderthauer erzählt über die nach München wechselnde Ilse Aigner, sie gehöre zur „absoluten Spitzengruppe“. Aigner selbst schleicht dezent und verspätet in die Halle, ohne Beifall zu heischen. Und draußen empfängt Seehofer den Generalsekretär der Schwesterpartei CDU mit einem euphorischen: „Wir lieben euch!“ Statt knalliger Märsche läuft zum Einlauf der beiden kitschige Musik wie aus einer Vorabendserie.

Zufall ist all das nicht. Die CSU-Spitze hat festgelegt, dass sie vorerst keine Unruhe intern will. Die Umfragen sind glänzend. Pünktlich zum Parteitag legt Sat1 neue Zahlen vor: CSU 48 Prozent, SPD 20, Grüne 10, Freie 8, FDP 5. Seehofer könnte also alleine regieren und auch noch die FDP in die Opposition schicken. Das Duell Seehofer gegen Christian Ude (SPD) ginge 53:37 aus. Diese Botschaft will die CSU tunlichst nicht durch eigene Querelen überschatten.

Kanzlerin Merkel beim CSU-Parteitag

Kanzlerin Merkel beim CSU-Parteitag

Seehofer selbst schließt sich der Gemüsesaft-Fraktion an. Absprache ist, dass er den Namen Ude nicht in den Mund nimmt, um gar nicht erst Augenhöhe zu suggerieren. Den Wahlkampf-Start schiebt er auf 1. August 2013, als Wahltermin nennt er „September oder Oktober“. Spekulationen über seine Nachfolge verschiebt er auf 2017, dann solle man bitte noch mal fragen. Den Rest verrät seine hellblaue Krawatte: Das Muster ist aus unzähligen kleinen „H“ zusammengesetzt, ein Geschenk seiner Beamten für ihren Horst.

Die Abteilung Red Bull führt Generalsekretär Alexander Dobrindt an. Er attackiert Ude namentlich, macht sich lustig über dessen „Crescendo“, das den Wahlkampf anschwellen lassen sollte. „Die Musiker sind nach Hause gegangen, Ude sitzt vorm leeren Orchestergraben, der SPD dämmert: Sie hat auf den falschen Dirigenten gesetzt“, spottet Dobrindt. Und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück betreibe in der Euro-Politik „Verrat an deutschen Interessen“. Das ist schon eine Extraportion Stier.

Ein Unsicherheitsfaktor aber bleibt: Welchen Drink leeren die niederbayerischen Delegierten? Die Parteispitze will eine Debatte über den Donau-Ausbau vermeiden, dessen Infragestellung die Ostbayern erbost. Etliche Delegierte blieben sogar aus Protest daheim. Seehofer bemüht sich am Rande des Münchner Messe-Saales um Deeskalation: Er habe „Verständnis für die Leute, die seit Jahren für bestimmte Varianten eingetreten sind“. Vor dem Ausbau-Beschluss will er nach Niederbayern reisen. Ob der Gemüsesaft wirkt, wird sich wohl erst heute bei der Antragsdebatte beweisen.

cd

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