Indien: Eine Kreuzfahrt auf dem heiligen Fluss in Assam

Abenteuer Brahmaputra

Auf dem majestätischsten Strom: Die „RV Charaidew“ fährt auf dem Brahmaputra. Vom Sonnendeck (Mitte) aus entdeckt man Indien abseits der bekannten Reiserouten. Bei Landausflügen kann man frisch gepressten Zuckerrohrsaft kosten (oben) und das Leben der Menschen auf dem Land kennenlernen, das vom Reisanbau und von der Natur bestimmt wird. Fotos: Krappe

Ankunft in Guwahati, der größten Stadt des indischen Bundesstaates Assam. Ganz im Nordosten Indiens. Von hier stammt also der Tee, den man in Europa im English Breakfast Tea oder in der Ostfriesen-Mischung wieder findet. Aber bevor es in die Plantage geht, dauert es noch ein paar Tage. Erst mal geht es aufs Schiff, runter zum Brahmaputra. Dort ankert die „RV Charaidew“.

Es ist die erste Fahrt in dieser Saison. Die Monsunzeit ist gerade erst vorüber. Die Charaidew lichtet den Anker. Von Guwahati gleitet sie mit gemütlichen zehn Stundenkilometern stromaufwärts. Einige Fischer werfen von kleinen Flößen aus Netze ins Wasser. Mit dem knallblauen Beiboot tuckert die kleine Touristengruppe ans Ufer, um ein winziges Dorf zu besichtigen. Dort ist das Leben ruhig und beschaulich. Über einen schmalen Pfad stapft man durch grüne, meterhohe Reisfelder. Reis bildet die Lebensgrundlage der meisten Bewohner. Strom für einige Stunden am Tag gibt es bisher nur für die Häuser einer Straßenseite. Wasser holt man immer noch aus dem Ziehbrunnen in der Dorfmitte. Mal im traditionellen Sari, mal in engen Jeans und T-Shirt.

Tezpur ist das nächste Ziel. Die Charaidew ankert am Rande der Stadt. Diesmal kann man zu Fuß an Land gehen. Im Brahmaputra nehmen an diesem frühen Morgen einige Inder ein religiöses Bad. In farbenfrohen Saris steigen die Frauen in das schlammhaltige Wasser des Flusses. Andächtig tauchen sie ein paar Mal unter, schäumen ihre Haare mit Seife ein. „Durch die Reinheit möchte man dem Kreislauf der Wiedergeburten entgehen und direkt zur Erlösung gelangen“, erklärt Reiseleiter Udit, bevor er zur Besichtigung der Tempelruine Dah Parbatia und des Shiva-Tempels Maha Bhairab drängt.

„Durch die Reinheit möchte man dem Kreislauf der Wiedergeburten entgehen und direkt zur Erlösung gelangen.“

Reiseleiter Udit

Auf den Straßen lärmen Tuktuks und Mopeds, auf denen vierköpfige Familien sitzen, und heilige Kühe wühlen im Abfall. Viele Häuser sind notdürftig geflickt. Ein Gewirr von Kabeln durchzieht die Gassen. Dort sitzt ein Schuhputzer, hier ein Schneider. An der nächsten Ecke wird Zuckerrohr zu Saft verarbeitet. Mit einer schaukelnden Fahrradrikscha geht es schließlich zurück zum Schiff.

Am nächsten Tag startet ein Kleinbus Richtung Kaziranga Nationalpark. Links und rechts des Weges Teegärten, soweit das Auge reicht. Am Horizont ist eine Hand voll Pflückerinnen mit großen, runden Sonnenhüten und Körben auszumachen. Ansonsten wiegen sich nur grüne Teesträucher, Akazien und Schwarzpfefferbäume im Wind. Naturführer Polash gibt eine kleine Teekunde: „Die Sträucher in den Plantagen sind auf Hüfthöhe heruntergestutzt, damit leichter geerntet werden kann. Gepflückt werden nur die jüngsten hellgrünen Blätter und Blattknospen der neuen Triebe.“

Im offenen Jeep fährt die Gruppe weiter in den Kaziranga Nationalpark. Er gehört zum Weltnaturerbe der Unesco und umfasst 430 Quadratkilometer. Gleich am Eingang grast – wie bestellt – das Wahrzeichen der Anlage, das einhornige, weiße Nashorn. 1800 von ihnen soll es im gesamten Areal geben.

180 Kilometer hat die Charaidew in sieben Tagen zurück gelegt. Am letzten Abend ankert das Schiff noch einmal mitten in der Natur. Früh am Morgen bringt das Beiboot die Passagiere zum Anleger Silghat. Es ist fast noch dunkel, doch erste Sonnenstrahlen zeigen sich schon in weiter Ferne über dem heiligen Fluss Brahmaputra.

Von Dagmar Krappe

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