Albanien bietet spektakuläre Landschaften und kulturelle Schätze – Land zwischen Aufbruch und Verfall

Abseits der Massen am Mittelmeer

Steilküste und Strand bei Dhermi: Hier ist die albanische Küste noch vom Massentourismus verschont geblieben. Der Hauptstrand des Badeortes an der albanischen Riviera ist im Sommer allerdings so belebt wie andere Strände am Mittelmeer auch. Foto: Willenberg

Über Jahrzehnte hinweg war das kommunistische Albanien von der Welt so isoliert wie Nordkorea. Auch lange nach dem Ende der Diktatur gilt der Mittelmeerstaat immer noch als rückständiges und gefährliches Reiseland. Doch diese Ängste sind inzwischen unbegründet.

„Albanien ist seit einigen Jahren sicher“, zerstreut Klajd Kruja die Bedenken. „In Tirana kann man sein Auto offen stehen lassen“, sagt der Reiseführer, der seit Jahren deutsche Touristen begleitet.

Neben zahlreichen historischen Schätzen bietet seine Heimat eine spektakuläre Natur mit langen Sandstränden, einsamen Buchten, fischreichen Seen und dichten Nadelwäldern, durch die Bären, Wölfe und Luchse streifen. Tiefe Täler mit abgeschiedenen Dörfern durchschneiden schroffe Gebirge mit bis zu 2800 Meter hohen Gipfeln.

Groß ist der Kontrast dieser einsamen Bergregion zur quirligen Hauptstadt Tirana mit ihren vielen Baustellen und dem chaotischen Verkehr. „Tirana boomt zur Zeit“, sagt Klajd. Das neue, futuristische Flughafengebäude trägt der steigenden Zahl von Besuchern Rechnung.

Gastfreundliche Albaner

Gastfreundschaft gehört zu den großen Tugenden der Albaner. „Wir sind herzlich und freundlich“, sagt der junge Mann, der in Heidelberg Pädagogik studiert hat.

Im Badeort Dhermi an der wunderschönen „albanischen Riviera“ klatscht eine alte Frau freudig in die Hände als deutsche Touristen an ihrem Haus vorbeiwandern und reicht einen eilig gepflückten Blumenstrauß über den Zaun.

Die Zahl der Urlauber ist noch überschaubar. Doch es gibt bereits einige Bausünden wie man sie von Spanien und der Türkei kennt. In den Mittelmeerstädten Durres, Vlora und Saranda reihen sich viele neue Hotels und Apartmenthäuser aneinander.

Noch ist die rund 400 Kilometer lange Küste aber weitgehend unverbaut. Abgesehen von den Bunkern aus der Zeit des 1985 verstorbenen Diktators Enver Hoxha. Rund 700 000 dieser halbkugelförmigen Betonpilze ließ er bauen, um sein Land gegen Invasoren verteidigen zu können.

In der sehr prüden kommunistischen Zeit nutzten junge Paare die Unterstände als Liebesnester. „Make love not war“ auf albanisch.

Für ausländische Touristen gehören die Bunker neben den antiken Monumenten zu den meistfotografierten Motiven in Albanien. Bisher ist nur ein kleiner Teil der Altertümer entdeckt worden. „Ganze Städte liegen noch unter der Erde begraben,“, erzählt Klajd.

Vieles liegt noch unter der Erde

Zu den wichtigsten Ausgrabungsstätten gehören Apollonia, wo einst bedeutende Philosophen lehrten und der spätere römische Kaiser Augustus studierte, sowie die paradiesisch in einem Nationalpark gelegene Ruinenstadt Butrint, die zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Wieder einmal ist in dem auf 1200 Meter gelegenen Hotel der Strom ausgefallen. Das kommt selbst in der Hauptstadt Tirana noch vor. Auch die Heizung funktioniert an diesem kühlen Spätsommerabend nicht. Die Touristen nehmen es gelassen. Dick eingemummelt versammeln sie sich um den knisternden Kamin des Restaurants. Auch Reiseführer Klajd kann der Situation etwas Positives abgewinnen: „Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl.“

Von Ulrich Willenberg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.