Entdeckungen rund um die Insel Potsdam

Von absoluter Schönheit

Arkadengänge: Die Heilandskirche auf der Sacrower Halbinsel mutet mit ihrem Baustil italienisch an.

Es muss nicht immer Sanssouci sein, könnte das Motto einer Fahrt in die Umgebung Potsdams lauten. Der rote Faden der Tour ist eigentlich ein blauer, denn die preußische Residenzstadt ist eine von der Havel, Seen und Kanälen eingeschlossene Insel. Aber er ist erst recht ein grüner. Seit dem sogenannten Verschönerungsplan des königlichen Gartenbaumeisters Peter Joseph Lenné, der ab dem Jahr 1840 realisiert wurde, endet die Kulturlandschaft nicht mehr an den Stadtgrenzen. Rund um Potsdam wurden Grundstücke gekauft, um alte und neue Schlösser sowie Kirchen mit einem grünen Gürtel an den Ufern der Havel zu verbinden.

Mit einem besonderen Kapitel deutscher Teilungsgeschichte startet die Rundfahrt im Norden. Am Zipfel der Sacrower Halbinsel liegt die von Arkaden umschlossene und mit ihrem frei stehenden Glockenturm italienisch anmutende Heilandskirche. Das Gotteshaus ruht direkt am Ufer. Über die Havel in Richtung Pfaueninsel, zum Schlosspark Klein-Glienicke und zur Glienicker Brücke – die Blickachse reicht von Ost nach West über die ehemalige Grenze, die durch den Fluss verlief. Es ist ein aus der Zeit gefallener Ort, dessen idyllische Abgeschiedenheit in krassem Gegensatz zu seiner Vergangenheit steht. Der Uferweg, der zur Kirche führt, verläuft über die Trasse des ehemaligen Todesstreifens. Der Park und der angrenzende Wald wurden zu DDR-Zeiten abgeholzt oder verwilderten.

Auch Fontane war begeistert

Nach Westen führt die Fahrt ans Ufer des Schlänitzsees, wo sich das von einem Park mit Badebuchten umgebene Schloss Marquardt versteckt, und weiter nach Pa-retz. Der Ort war von Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise als Sommerfrische entdeckt worden. Um 1800 ließ der König rund um sein Schloss ein landwirtschaftliches Musterdorf anlegen. Heute spaziert man über Kopfsteinpflaster durch das unter Denkmalschutz stehende Dorf zum Havelstrand. Oder man legt auf der Terrasse des Gotischen Hauses, der ehemaligen königlichen Schmiede, eine Pause ein.

Vom nahen Ketzin geht es mit der Fähre über die Havel in Richtung Petzow. Theodor Fontane ist auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg auch dort vorbeigekommen. Nachdem er den Turm der kleinen, von Karl Friedrich Schinkel erbauten Kirche auf einer Anhöhe erklommen hatte, notierte er überwältigt: „Das Ganze ein Landschaftsbild im großen Stil – nicht von relativer Schönheit, sondern absolut.“ Der Blick über den hügeligen Park und seinen Weiher, den eine schmale Landzunge vom Schwielowsee trennt, eröffnet heute noch ein beeindruckend harmonisches Ensemble. Dass der Lenné’sche Park erst im Jahr 1999 wiederhergestellt werden konnte, darf unter Wende-Erfolge verbucht werden.

Wer am Petzower Schloss vorbei zum Fähranleger am Schwielowsee spaziert, kann schon mal rüberwinken zur letzten Etappe auf der Umrundung Potsdams. Auch Caputh, das durch Albert Einsteins Sommerhaus ungleich bekannter geworden ist als durch sein Schloss, stößt gleich an mehrere Seen. Und natürlich liegt auch dieses Schloss (mit Museum) in einem Park des Gartenbaumeisters Lenné.

Von Ulrich Traub

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