Historische Ferienstraße verbindet schönste Berglandschaften im Südosten der USA

Auf Achse durch die Appalachen

Ruhe und Weite: Die Landschaft entlang des Parkways vermittelt ländliche Idylle.

Nicht schneller als mit Tempo 72 rollen Autos, Bikes und Caravans über die für den Berufsverkehr gesperrte, werbungsfreie Trasse. Vorbei an waldbedeckten Bergen, saftig grünen Almen, Wanderwegen, Kletterfelsen, Seen und Flüssen mit jeder Menge Platz zum Ausruhen, Angeln, Reiten oder Paddeln.

Zwei Stunden nördlich von Charlotte, der größten Stadt im US-Bundesstaat North Carolina, sind die Blue Ridge Mountains fern genug, dass sie tatsächlich blau erscheinen. Dennoch reicht die Nähe, das idyllische Anwesen von Daughton Hall bei Laurel Springs wie eine Filmkulisse zu umrahmen. Dachs und Waschbär sagen sich hier „Gute Nacht“. Es ist ein Ort für Liebespaare und Fans von ländlicher Gemütlichkeit. Am Abend, wenn die Grillen zirpen, wähnt man sich in einer Episode von „Die Waltons“. Die wenig aufregende TV-Familienserie wurde in den 1970-ern in dieser Gegend gedreht. Ein beliebtes Urlaubsziel war sie schon damals, nicht zuletzt wegen des Blue Ridge Parkway.

Montane Szenerie

„Genau hier wurde 1935 mit dem Bau der Straße begonnen“, erklärt Bob Bamberg, der das Besucherzentrum im nahen Sparta leitet. „Der Parkway sollte Touristen nach North Carolina locken, und er tut es bis heute“, sagt Bamberg und schwärmt von der montanen Szenerie, von kulturellen Highlights wie dem Biltmore Estate in Asheville, von dem historischen Fahrzeugmuseum Wheels Through Time in Maggie Valley, von Restaurants wie dem Switzerland Inn, wo man die besten Froschschenkel der Südstaaten bekommt.

Es geht los. Der Parkway ist eine Bummelstrecke – Wellness auf Rädern. Einsam knattert eine Harley vorbei. Die Berge kommen näher. In Boone ist Wochenmarkt, ein buntes Treiben auf dem Parkplatz mit Ziegenkäse, Häkeldeckchen und gut gelaunten Farmersleuten. Alle haben Zeit und viel zu erzählen.

Ein Berg wie ein alter Mann

Doch Boone bietet mehr Abwechslung – etwa beim Felsen- oder Höhlenklettern oder weiter oben in Hawksnest. Dort lässt sich die waldige Bergwelt bei einer Zipline-Tour erkunden. 3,2 Kilometer misst das Netz aus bis zu 45 Meter hoch hängenden Seilen, das in 13 Abschnitten per Sitzgurt an der Rolle „abgefahren“ wird. Das Gebiet gehört zur „Town of Seven Devils“.

Hinter der Kirche liegt „Grandfather“, ein Berg, dessen Profil dem eines alten Mannes ähnelt. Zwischen Oberlippe und Nase befinden sich ein Museum und ein sehr schöner Tierpark, in dem Bären, Otter und Pumas leben.

Ganz oben, auf der 1818 Meter hohen Stirn des Berges, staunt man über Amerikas höchste Hängebrücke Mile High Swinging Bridge. Bis auf 2037 Meter hinauf geht es beim Mount Mitchell. Kein Gipfel der Appalachen überragt ihn an Höhe. Nur an Mystik übertrumpfen ihn die Great Smoky Mountains. Die oft von Nebelschleiern eingehüllten Berge spielen in der Mythologie der Cherokee-Indianer eine große Rolle. Viel Wissenswertes über das alte amerikanische Volk vermittelt das Museum in Cherokee sowie das Oconaluftee Indian Village im Reservat Qualla Boundary am südlichen Ende des Blue Ridge Parkway.

Von Carsten Heinke

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