Engel auf Reisen

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Abheben mit dem Gelben Engel: 15 200 Rücktransporte aus den Urlaubsgebieten wickelte der ADAC im vergangenen Jahr ab, viele davon mit dem Ambulanzflugzeug.

Nicht immer verläuft der Urlaub nach Plan. Ein Unfall, ein Missgeschick, eine Krankheit – und schon ist man froh, wenn es auch im Ausland die richtigen Ansprechpartner und Organisatoren für Hilfe gibt. Unsere Autorin Nina Daebel hat die ADAC-Notrufstation in Barcelona besucht.

Den Rückflug aus ihrem letzten Spanien-Urlaub wird Iris S. aus Augsburg so schnell nicht vergessen: Angegurtet auf einer Liege, mit einem Arzt an ihrer Seite und angeschlossen an zig medizinische Geräte ging es für die 46-Jährige in einem Ambulanzflugzeug des ADAC zurück in die bayerische Heimat. Ein Herzinfarkt hatte ihren Urlaub im vergangenen November abrupt beendet. Statt am Strand lag sie im Klinikbett.

Dass sie vor rund 20 Jahren in den ADAC eingetreten ist und sich dort ihren Auslands-Krankenschutz sicherte, dafür ist Iris S. rückblickend sehr dankbar. So war sie nach diesem Unglück finanziell auf der sicheren Seite. Denn die nach dem Herzinfarkt notwendige neuntägige Behandlung in einem Krankenhaus auf Gran Canaria sowie der Rücktransport mit dem Ambulanzflugzeug nach München verursachten Kosten in Höhe von rund 30 000 Euro. Von der gesetzlichen Krankenkasse hätte sie kaum Hilfe erwarten können. Rücktransporte werden dort generell nicht gezahlt und Behandlungen im europäischen Ausland meist nur zu einem Bruchteil übernommen.

Mindestens so wichtig wie die medizinische Versorgung sei aber die persönliche Betreuung durch die ADAC-Mitarbeiter in Spanien gewesen, sagt Iris S. Ihr Mann Manfred hatte regelmäßig Kontakt zur Notrufstation in Barcelona, von wo aus die Hilfe organisiert wurde. „Man war dort jederzeit über meinen Gesundheitszustand informiert. Die haben sich wirklich gut gekümmert.“

Der Münchner Christian Vogel (38) ist einer dieser „Kümmerer“ aus der Station in Barcelona. Ein 65-köpfiges Team, das aus elf Nationalitäten besteht, betreut hier rund um die Uhr Urlauber in Spanien und Portugal. Im vergangenen Jahr gingen allein in Barcelona über 80 000 Hilferufe ein. Wer hier arbeitet, muss Einfühlungsvermögen haben. Und Sprachkenntnisse. Christian Vogel, studierter Bauingenieur, beherrscht Englisch, Französisch, Spanisch und „ein bisschen Arabisch“.

Der Helfer: Der Münchner Christian Vogel gehört zu dem 65-köpfigen team in der ADAC-Notrufzentrale in Barcelona. Über 80 000 hilferufe gingen allein hier im vergangenen Jahr ein.

Bei akuten medizinischen Notfällen wird immer auch einer der vor Ort tätigen Ärzte des ADAC eingeschaltet. Dr. Nati Campus ist eine von ihnen. Die Internistin mit eigener Praxis hat in Heidelberg studiert, war anschließend 16 Jahre lang in einem Krankenhaus in Deutschland angestellt und ist nun seit rund zehn Jahren in der Auslands- Notrufstation des ADAC in Barcelona tätig. Sobald ein ADAC-Versicherter zu einem stationären Aufenthalt in ein Krankenhaus eingewiesen wird, nimmt Campus Kontakt zu den behandelnden Ärzten auf. „Ich kontrolliere, ob die Patienten ausreichend versorgt und ähnlich gut behandelt werden wie in Deutschland“, sagt sie. Aber auch, wenn der Patient nur noch des Geldes wegen im Krankenhaus behalten wird, greift sie ein.

Eine weitere Aufgabe der Medizinerin ist es, die Krankenrücktransporte mit den ADAC-Ambulanzflugzeugen zu organisieren und zu begleiten. Während der Sommermonate hat sie es eher mit unproblematischeren Fällen zu tun. Die älteren Patienten und komplizierten Fälle wie Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und Herzinfarkte hingegen beschäftigen die Medizinerin verstärkt im Winter – wenn Rentner ihre Domizile in Spanien aufsuchen, um dem deutschen Winter zu entfliehen.

ZAHLEN & FAKTEN

Seit 1975 gibt es die Auslands-Notrufstationen des ADAC. Inzwischen sind rund 250 Mitarbeiter auf die insgesamt 16 Stationen in Europa und den USA verteilt, sie sind 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr erreichbar.

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Notrufe um knapp 2,5 Prozent auf rund 603 000. Das sind 1652 täglich. Weltweit versorgte der Ambulanzdienst des Clubs 47 200 Reisende.

Die meisten Patienten mussten in Spanien und der Türkei betreut werden (je 5600). Es folgen Österreich (4800), Italien (3300) und Frankreich (1600). Außerhalb von Europa liegt die Frequenz der Leistungen in den USA mit 1000 Patienten vorne. Für fast jeden Dritten all dieser Urlauber – also für rund 15 200 – endete die Reise mit einem Rücktransport in ein Krankenhaus in der Heimat.

Ein Krankenrücktransport ist sowohl über die ADAC-Plus- Mitgliedschaft (79,50 Euro pro Jahr) als auch über die ADAC Auslandskrankenschutzversicherung (ab 13,90 Euro pro Jahr) abgedeckt. Nicht-Mitglieder können die Leistungen nicht in Anspruch nehmen.

Weitere Informationen zu den Leistungen des ADAC gibt es unter Tel. 018 05/10 11 12 (14 Cent/Min.) oder im Internet unter www.adac.de.

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