Zeugnisse der Berliner Teilung sind 50 Jahre nach dem Mauerbau zur Touristenattraktion geworden

Alle wollen die Mauer sehen

Der bunteste Teil der Mauer: Die East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain ist ein beliebter Touristenstopp. Foto: dpa

Die Mauer ist weg – aber alle wollen sie sehen. Mehr als 20 Jahre nach der Friedlichen Revolution, die sie zu Fall gebracht hat, und 50 Jahre, nachdem sie am 13. August 1961 gebaut wurde, ist von ihr fast nichts mehr übrig.

An den wenigen Resten drängeln sich die Touristen. Die Mauer, die Berlin 28 Jahre lang auf einer Länge von 160 Kilometern abgeriegelt hat, ist zur Sehenswürdigkeit geworden. Der „Mauerweg“ folgt ihren Spuren.

Ein guter Startpunkt ist die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße 111. Hier waren die Folgen des Mauerbaus besonders drastisch. Die Mauer trennte Nachbarn und Familien, die nur wenige Häuserblöcke voneinander entfernt wohnten. Heute ist in dem Dokumentationszentrum unter anderem eine Ausstellung mit historischen Fotos zu sehen. Sie zeigen, wie das Brandenburger Tor im August 1961 mit Stacheldraht verschlossen wurde, wie Berliner gegen den Mauerbau protestierten oder wie sich Bekannte verzweifelt über die Absperrungen hinweg die Hand reichten.

Dass die Grenzanlagen schon bald viel mehr als nur eine Mauer waren, lässt sich eindrucksvoll beim Blick von der Aussichtsplattform über das Außengelände erkennen.

In Friedrichshain ist die Mauer bunt: Nicht weit entfernt vom Ostbahnhof steht entlang der Spree das mit 1,3 Kilometern längste erhaltene Mauerstück. East Side Gallery heißt es, weil hier die östliche Seite der Mauer von 118 Künstlern aus 21 Ländern bemalt wurde. Vom Februar bis September 1990 durften sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Viele Besucher lassen sich davor fotografieren.

Die Mauer hat hier ihren Schrecken verloren, weil sie zum Kunstwerk geworden ist. Die Motive spiegeln die Euphorie und Aufbruchstimmung der Zeit wieder, als die Mauer gefallen und der Kalte Krieg zu Ende war: Ein Bild zeigt Stacheldraht, über dem die Sonne aufgeht, ein anderes die Friedenstaube, die die Kette eines Häftlings hält. Manche Bilder sind weltberühmt geworden – wie der Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker des russischen Künstlers Dmitri Wladimirowitsch Wrubel mit dem Titel „Mein Gott, hilf mir diese tödliche Liebe zu überleben“.

Der Mauerweg führt auch am Reichstag vorbei: In der Ebertstraße, Ecke Scheidemannstraße, ist eine Reihe von weißen Kreuzen zu sehen, die an die Opfer der menschenverachtenden Grenze in Berlin erinnern. Noch immer stehen brennende Kerzen und Blumen vor den Kreuzen.

Touristischer Hotspot für Mauertouristen ist der Checkpoint Charlie in Kreuzberg, der ehemalige Kontrollpunkt von West- nach Ostberlin. Hier standen sich Ende Oktober 1961 russische und amerikanische Panzer direkt gegenüber – 16 Stunden hatte die Welt Angst vor einem neuen Krieg.

Vor dem 1962 gegründeten Mauermuseum, 100 Meter weiter, ist ein kleinen Stück Original-Mauer ausgestellt – und auch ein Original-Grenzpfahl. Das weiße Häuschen des Kontrollpunktes auf der westlichen Seite ist wieder aufgebaut worden. Davor schwenken Junge Männer in US-Uniform dekorativ die amerikanische Flagge. (tmn)

Von Andreas Heimann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.