Spreewald: Aquamediale zeigt Installationen rund ums Wasser

Alles fließt an der Spree

Spiegelungen im Wasser: Das Kunstwerk „Alles fließt“ von Jolanta Wagner. Die polnische Künstlerin lebt und arbeitet in Lodz und ist Professorin an der dortigen Kunstakademie. Foto: Schlichtholz

Jedes Jahr zur warmen Jahreszeit ist der Spreewald in Brandenburgs Süden ein beliebtes Ausflugsziel. Schon Theodor Fontane pries in seinen „Literarischen Wanderungen“ die bizarre Landschaft aus Kanälen und Fließen als Venedig des Nordens.

Bereits seit dem Jahr 1908 staken hier Kahnfährmänner Ausflügler durch die einzigartige Naturidylle. Bis heute hat die 75 Kilometer lange und etwa 15 Kilometer breite Flusslandschaft – Jahrhunderte auch Heimat der Sorben – nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Traditionell um die Osterzeit erfolgt die Rudelübergabe, bei der die Fährmänner, verbunden mit den besten Wünschen für ein segensreiches Jahr, ihr „Stakgerät“ zurückerhalten.

„Bitte alle einsteigen“, ruft Burkhard Herzke, bevor er sein hölzernes Rudel ins Wasser steckt. In den nächsten drei Monaten ist er nicht nur Fährmann, sondern auch Kunstführer. Denn in Lübben läuft seit Juni die Aquamediale, ein internationales Wasser-Kunstfest. Acht Künstler aus fünf Ländern zeigen bis zum 11. September unter dem Motto „Panta Rhei“ – „Alles fließt“ ihre künstlerischen Wasserlandschaften.

Badewannen speien Wasser

Etwa zwei Stunden lang werden die Spreewaldbesucher an den im Grünen versteckten oder im Wasser schwimmenden Werken vorbeigestakt. Wie den drei Badewannen, die mitten auf der Spree aus ihren Abflüssen Fontänen in die Höhe speien. Ping Qiu, die in China geborene Künstlerin, will damit zur Sparsamkeit im Umgang mit Wasser anregen.

Nicht weit entfernt, von Schilf verdeckt, trifft man leuchtende Wassergeister, etwas später schwebt leicht schaukelnd ein riesiger Badewannenstöpsel fest in den Bäumen verankert über die Köpfe der Kahnbesatzung. Und schließlich die bizarrsteSzene: sechs im Fluss versinkende Häuser als Fotoinstallation des Parchimer Fotografen Gregor Krampitz, der so auf den stetig steigenden Meeresspiegel aufmerksam macht.

Speziell für die Aquamediale legt jeden Freitag um 18.30 Uhr von Lübbener Hafen ein „Kunstkahn“ ab. „Aber unsere Highlights sind die Nachtfahrten“, schwärmt Kurator, Herbert Schirmer. „Nach einem festlichen Menü um 20.30 Uhr im Lübbener Schlossrestaurant geht es bei Scheinwerferlicht mit dem Kahn durch die Nacht.

Wer will, kann sich noch weiter bis nach Lehde staken lassen, die Lagunenstadt im Taschenformat wie sie einst Theodor Fontane nannte. An dem romantischen Bild von damals hat sich bis heute kaum etwas verändert. In einem großem Freilandmuseum wird hier vom Alltag der Flussbewohner aus längst vergangener Zeit erzählt. Dort sind historische Gehöfte und Trachten zu sehen.

Von Hans-Joachim Schlichtholz

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