Die neue Kärnten-Therme in Villach fasziniert – auch die europäischen Nachbarn

Alpen-Adria-Kultur im Dreiländereck

Den Bergen nachempfunden: Ausgesprochen futuristisch präsentiert sich die neue KärntenTherme inmitten des traditionellen Kurortes Warmbad Villach. Foto: Raupach

Es sollte ein Jahrhundertprojekt werden: Nachdem Napoleon die wohltuende Wirkung der Quellen im österreichischen Warmbad Villach entdeckt hatte, plante er, die Ansammlung von Badehütten zu einem Weltbad auszubauen. Das klappte nicht; er musste kurzfristig nach Elba.

Dass 200 Jahre später sein Traum wahr und zudem ein architektonisches Wunder entstehen würde, hätte sich wohl weder der Franzosenkaiser noch so mancher Villacher von heute träumen lassen. Seit dem Sommer 2012 prägt ein Ufo mit Ecken und Kanten das Gesicht des Ortes: Die hochmoderne Kärnten-Therme „landete“ direkt neben dem beschaulichen Bahnhöfchen. Innerhalb der Angebote des Ortes rund um die warmen Quellen ist sie quasi das i-Tüpfelchen – wäre diese Bezeichnung nicht lächerlich angesichts der Dimensionen: elftausend Quadratmeter, vier Ebenen, Platz für tausend Gäste auf einen Streich.

Schwimmen kann man hier – aber auch kreischend durch abenteuerliche Konstruktionen rutschen, in Dampfbad, Sauna oder beim Spinning schwitzen, sich wohlig dehnen unter der Seifenbürstenmassage im Hamam, Energie tanken bei Fünf-Sinne-Therapien. Vor allem aber kann man staunen. Über schräge Wände, spitze Winkel, riesige Fenster, höhlenartige oder freischwebende Räume. Die Konstruktion soll die umliegenden Berge abbilden, ist ein Wunder der Statik und ganz sicher ein Jahrhundertprojekt.

„Wir sind das Schlechtwetter-Programm, auf das die Hoteliers hier schon lange warten“, bringt Susanna Mayerhofer die Lobgesänge auf einen bescheidenen Nenner. Sie und ihr Bruder Georg Lukeschitsch sind die siebte Generation einer Familie, die seit Napoleons Zeiten die Hotel- und Thermalszene von Warmbad Villach bestimmt.

Über ein „Gutwetter“-Programm braucht man sich angesichts der Nähe zu Ossiacher-, Faaker- und Wörthersee, Dobratsch-Massiv und Karawanken keine Sorgen zu machen. Seinen größten Charme aber bezieht dieser südlichste Kärnten-Zipfel aus der Nähe zu Italien und Slowenien. Lieber einen „kleinen Braunen“ im Hotel Warmbaderhof oder einen Espresso macchiato auf der Piazza San Giacomo in Udine? Dazwischen liegt nur eine gute Stunde. Nach einer weiteren sitzt man beim Gelato in Grado – also am Meer! Oder man fährt zum Markt nach Ljubljana und zum Shoppen nach Triest.

Morgens Berge, abends Meer

Auch Brigitte Zamó schätzt die breite Auswahl der Freizeitgestaltung zwischen Bergen und Meer: „Morgens Schwammerln (Pilze) suchen, abends baden gehen.“ Brigitte Zamó wohnt nicht in Villach, sondern im italienischen Friaul, bei der Abtei Rosazzo, in der Nähe des Städtchens Manzano. „Zuerst“, lacht die gebürtige Österreicherin, „habe ich den Wein probiert. Dann habe ich mich auf die Suche nach dem Winzer gemacht.“ Heute ist sie mit ihm verheiratet, managt das kleine Weingut und schwärmt: „Wenn es überall hagelt – hier niemals. Wir sind in Gottes Händen.“ Sieht so aus, als ob dieser ganze europäische Musterlandstrich das von sich sagen könnte. Mehr EU jedenfalls ist sicher nirgendwo.

Von Cornelia Raupach

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