Mallorca: Die Straßenbahn im Soller feiert ihren 100. Geburtstag – und lässt Männerherzen höher schlagen

Die alte Dame hat viele Fans

Gehört zum Stadtbild von Soller: Die Straßenbahn fährt seit 1913 mitten über die Plaça de sa Constitució, den Hauptplatz von Sóller bis hinunter nach Port de Soller. Foto: Tausch/nh

Eine Fahrt mit den nostalgischen Wagen gehört zum Pflichtprogramm eines Mallorca-Urlaubs“, schwärmen viele Reiseführer – denn die holzvertäfelte „Tranvia“ fährt mit ihren schlanken Waggons nicht nur durch die ruhigen, platanengesäumten Straßen der Kleinstadt Soller. Sie durchquert auch einen großen Talkessel mit vielen Orangen-, Mandel- und Zitronengärten, um wenig später die türkisblau schimmernde Hafenbucht des Küstenortes Port de Soller zu erreichen.

Knappe 30 Minuten braucht die „alte Dame“ für die Bewältigung ihres 4868 Meter langen Schienenwegs am Fuße des Tramuntana-Gebirges: Denn sie ist oft mit nur zehn Stundenkilometern unterwegs.

„Die Strecke wurde bereits am vierten Oktober 1913 offiziell eröffnet“, erzählt ein Schaffner, während er einigen Urlaubern die Fahrkarten in der Straßenbahn verkauft. Ihre nostalgischen Waggons sind echte Hingucker – mit Holzbänken, Schiebefenstern und einer edlen Wandverkleidung aus Eschen- und Mahagoniholz. Für die Sommermonate gibt es sogar offene Wagen, die ohne Außenwände bis zur weit geschwungenen Hafenpromenade von Port de Soller zuckeln. Sechs Haltestellen laden dort zum Flanieren ein: Es geht vorbei an Eisdielen, Cafés, Hotels und Restaurants. Und mancher Spaziergang endet erst nach einer Stunde am weißen Leuchtturm des Kap Gros – einem 120 Meter hohen Aussichtsfelsen an der Hafeneinfahrt.

Vor 100 Jahren brachte die Straßenbahn noch Händler, Seeleute und Tagelöhner zum Meer. Für Zitrusfrüchte und Kohle gab es offene Anhänger. Doch die Zeiten sind längst vorbei. Heute kommen Aktivurlauber nach Port de Soller, um Ausflüge ins nahe Tramuntana-Gebirge zu machen. Ein ganzes Netz markierter Wege führt durch das bis zu

1445 Meter hohe Bergmassiv im Nordwesten Mallorcas.

Wanderer können dort nicht nur Zitrusgärten, Olivenplantagen und Pinienwälder erkunden, sondern auch bizarre Felsschluchten und einsam gelegene Dörfer – und viele Touren lassen sich mit einer Straßenbahnfahrt verbinden.

Von Palma fährt der Rote Blitz

Seit 2007 zählt die Betreiberfirma Tren de Sollermehr als eine Million Fahrgäste im Jahr. Für den Erfolg ihrer Tramlinie ist unter anderem der „Rote Blitz“ verantwortlich – eine historische Eisenbahn, die fünfmal täglich mit Urlaubern aus der rund 25 Kilometer entfernten Inselhauptstadt Palma de Mallorca kommt. Der beliebte Zug überwindet das nahezu 100 Kilometer lange Tramuntana-Gebirge mit Hilfe von dreizehn Tunneln und einem fünfbogigen Viadukt, bevor er in einer Serpentine bis nach Soller rollt. Und dort wartet eine weitere Attraktion – die Straßenbahnfahrt zum Meer.

Von Martin Seger

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