Royal Tunbridge Wells wurde im 17. Jahrhundert ein beliebter Kurort in Kent

Der alte Glanz des Hochadels

Das ließ sich Prinzessin Anne, spätere Königin von England, nicht gefallen: Als sie im damals angesagten Kurort Tunbridge Wells zu Gast war, stolperte ihr Sohn und fiel. Außerdem musste sie im Zelt wohnen, weil es keine angemessenen Unterkünfte gab.

Die Prinzessin ordnete an, dass die unbefestigten Wege gepflastert werden sollten. Das, so geht die Geschichte, dauerte zwar mehrere Jahre, doch schließlich war es soweit. Seit 1690 gibt es die „Pantiles“, heute eine Fußgängerzone mit hübschen kleinen Geschäften und Cafés.

Quelle sprudelt heute noch

Angezogen wurden die Menschen in vergangenen Jahrhunderten von der Chalybeate Spring, der Heilquelle, die Dudley Lord North 1606 entdeckt hatte. Noch heute sprudelt die Quelle, jedenfalls meistens, mitten in der Altstadt. In historischen Kostümen stehen Damen im Sommer bereit, um das Heilwasser mit Schöpfkellen auszuschenken: die Dippers.

Für die Aristokratie wurde der kleine Ort, nicht weit von London entfernt, schnell zu ihrem Spielplatz, wie es Stadtführerin Martha Alice-Hill formuliert. Hinter der malerischen Kulisse wurde viel Alkohol getrunken und auch außereheliche Affären waren keine Seltenheit.

Medizinisch war der Aufenthalt in Tunbridge Wells, das im 20. Jahrhundert den königlichen Beinamen „Royal“ bekam, kein Zuckerschlecken. Bereits am frühen Morgen sollte das Wasser getrunken werden, und zwar satte acht Liter. So empfahlen es jedenfalls die Ärzte.

Doch danach begann das schöne Leben in den Geschäften und Kaffeehäusern. Angeblich entstand in diesen übrigens das englische Wort für Trinkgeld: Tip. Wer in das Kaffeehaus kam, warf gleich am Eingang eine Münze in einen bereitstehenden Kasten mit der Aufschrift: To insure promptness (Um Schnelligkeit zu garantieren), abgekürzt Tip.

Die Pfade, die durch Royal Tunbridge Wells führen, wurden so angelegt, dass sie genug Platz für eine Sänfte boten. So mussten die hohen Herren und Damen bei ihren Freizeitvergnügungen nicht auch noch selbst laufen.

Den Puritanern war das Treiben ein Dorn im Auge. Sie versuchten, ihren Einfluss geltend zu machen, bis heute ist das an Straßennamen wie Mount Zion und Mount Ephraim sichtbar.

Verändert hat das allerdings wenig. Erst als König George IV empfahl, doch lieber im Seewasser zu baden statt die Quelle zu nutzen, begann der Niedergang von Tunbridge Wells.

Doch Spuren des alten Glanzes sind bis heute erhalten. So ist Harry Collins als Juwelier für die Kronjuwelen der Königin zuständig. Vor seinem Geschäft in der Stadt steht auffällig-unauffällig ein Türsteher,die Engländer nennen ihn „bouncer“.

Im Museum von Tunbridge Wells sind die Zeugnisse der Holzkunst (Tunbridge Ware) des Ortes zu sehen. Besonders skurril ist ein Holzschrein aus dem Jahr 1883. Er beherbergt den Terrier Minnie, den seine Halter in ihrer Trauer dort konservieren ließen.

Von Olaf Dellit

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