Abseits der Küste: Acht Orte in Sachsen-Anhalt haben sich zum Altmärkischen Hansebund zusammengeschlossen

Auf alten Hansepfaden durch die Altmark

Wer das Wort Hansestadt hört, der denkt an Hamburg, Bremen und Lübeck. Vielleicht noch an Wismar, Rostock, Stralsund oder Greifswald. Immerhin tragen diese sieben Städte, das „H“ für Hanse auch im Autokennzeichen.

„ Hansestädte gibt es nicht nur an der Küste“, erklärt Hansekaufmann Hagen von Allemann, während er sein Kanu besteigt, um damit eine Paddeltour um die vier Inseln der Hansestadt Havelberg zu machen: „1980 wurde im holländischen Zwolle die „neue“ Hanse oder der Städtebund „Die Hanse“ gegründet. Alle ehemaligen Hansestädte des Mittelalters können Mitglied werden. „1998 schlossen sich die Prignitzstadt Havelberg und die sieben Kleinstädte Gardelegen, Osterburg, Salzwedel, Seehausen, Stendal, Tangermünde und Werben im Norden Sachsen-Anhalts zum Altmärkischen Hansebund zusammen“, berichtet von Allemann, während er seinen Kanadier zwischen Altstadt- und Spülinsel gegen den Wind manövriert.

Wohlstand durch Getreide, Holz und Schiffbau

Die Blütezeit der Hanse erstreckte sich vom 13. bis zum 16. Jahrhundert. Die organisierten Städte beherrschten einen Großteil des nordeuropäischen Fernhandels, was ihnen Reichtum und Ansehen brachte. „Havelbergs Wohlstand beruhte besonders auf Getreide- und Holzhandel, Schiffbau und Fischerei“, erzählt der Hansekaufmann – im wirklichen Leben Stadtführer namens Detlef Tusk.

Neben der Elbe führten acht Haupthandelswege durch die Altmark, die die einzelnen Orte miteinander verbanden. Wo früher die Fuhrwerke zuckelten, können heute Rad- und Autofahrer die historischen Pfade erkunden.

Über Seehausen und Osterburg führt der Vier-Flüsse-Weg Richtung Stendal, mit 35 000 Einwohnern die größte der acht Altmarkstädte. Tuchmacher- und Gewandschneider brachten einst den Wohlstand in die heutige Kreisstadt.

Auf dem Tuchweg erreicht man nach wenigen Kilometern Tangermünde. Kaiser Karl IV. regierte im 14. Jahrhundert große Teile Europas von Prag aus. Er ließ die Tangermünder Burg zu seiner Nebenresidenz ausbauen. 1617 fielen 486 Wohnhäuser und 52 Scheunen einer Brandstiftung zum Opfer. Das Schicksal der zündelnden Tangermünderin Grete Minde nahm Theodor Fontane als Vorlage für seine 1879 erschienene gleichnamige Novelle.

Am Hopfenweg liegt Gardelegen. Bier war das Gold der Stadt zur Hansezeit. Vor dem 30-jährigen Krieg gab es 260 Brauereien im Ort.

Die letzte Station ist Salzwedel. Der Name weist darauf hin, dass Salz über eine Furt („Saltwidele“) befördert wurde. Gotische Backsteinkirchen, wie St. Marien und St. Katharinen, Reste von Befestigungsanlagen, zwei Stadttore, Speicherhäuser sind auch hier Zeugnisse der Hansezeit. Erst 290 Jahre nachdem Salzwedel „verhanst“, also aus der Hanse ausgeschlossen wurde, erfand Bäckermeister Johann Schernikow 1808 ein Produkt, das nicht mit Salz, sondern mit Zucker zu tun hat: den Baumkuchen. In der Ersten Salzwedeler Baumkuchenfabrik zeigt Konditor Maik Suske wie ein Kuchen mit acht bis zehn Jahresringen entsteht. Somit gibt es auch zur Zeit der „neuen“ Hanse ein Handelsgut, das Hagen von Allemann sicherlich sehr gern verkauft hätte.

Von Dagmar Krappe

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