Stilvoll, aber unaufdringlich chauffiert der Al Andalus Reisende durch die südlichste Region Spaniens

Andalusischer Schienenzauber

Luxuriös von Stadt zu Stadt: Der Al Andalus fährt seine Gäste zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Andalusiens und verwöhnt sie an Bord mit gediegenem Luxus.

Acht Uhr am Morgen. Alejandro Serrano greift zur Glocke und macht sich auf den Weg durch die schmalen Gänge der sieben Schlafwagen des Al Andalus. Eigentlich ist er Bord-Mechaniker. Doch von montags bis freitags übernimmt er auch den Weckdienst für die maximal 64 Passagiere des Touristenzuges, der auf seiner 800 Kilometer langen Rundreise durch Andalusien neun Städte ansteuert.

Sevilla, Bahnhof Santa Justa. Unspektakulär rollen die neu renovierten beige-weinroten Waggons, die von zwei Diesellokomotiven gezogen werden, auf Gleis 12 ein. Kein roter Teppich, keine Sonderansage. Den Hauch von Luxus und Nostalgie spüren die Gäste erst im Innern des Zuges. Außer zum Frühstück wird nur vier Mal im Zug gespeist. Ansonsten gibt es landestypische Mehrgängemenüs in ausgewählten Restaurants. Denn bei dieser Reise durch Andalusien geht es nicht nur um Landschaft, Kultur und Flamenco. Sie ist auch ein kulinarisches Fest.

Gediegen aber nicht plüschig

Der Al Andalus wirkt gediegen, aber nicht plüschig. Die Wände sind mit unterschiedlichen Hölzern – Kirsche, Platane, Zeder – getäfelt, die beiden Restaurantwagen und die Bar in dunkelroten Farben möbliert, der Teesalon ist in Blautönen gehalten. „Die vier Waggons stammen aus den Jahren 1928 und 1930“, erzählt Zugchef Marcelino Cortés Martínez: „Eine private Gesellschaft betrieb den Al Andalus schon einmal von 1985 bis 2006. Dann standen die Räder einige Jahre still. Seit 2011 ist er im Besitz des staatlichen Unternehmens FEVE.“

Córdoba ist nach Sevilla und Malaga die drittgrößte Stadt Andalusiens. Die Brücke Puente Romano führt mit 16 Bögen über den Fluss Guadalquivir ins Stadtviertel Judería (Judenviertel) und zur „Moschee-Kathedrale“ Mezquita. „Die maurischen Kalifen entwickelten Andalusien ab dem achten Jahrhundert zu einem Zentrum der muslimischen Welt. Ein Zeugnis dieser Zeit ist die Mezquita“, erläutert Reiseleiterin Mercedes.

Am nächsten Tag durchquert der Zug die Provinz Jaén. Olivenbäume erstrecken sich links und rechts der Bahngleise bis zur Bergkette am Horizont. Die Region gilt als weltgrößter Olivenölproduzent. Im Museo da la Cultura del Olivo dreht sich alles um die ovale Frucht. „Eine schöne Sitte zu Allerheiligen am ersten November ist es, eine große Schale mit Olivenöl zu befüllen und darin Schwimmkerzen anzuzünden, um so der Toten zu gedenken“, berichtet Mercedes.

Flamencotanz im Barwagen

Hinter Ronda ändert sich die Landschaft. Olivenbäume lassen Gersten- und Weizenfeldern den Vortritt. Cadíz am Atlantik ist erreicht. Jetzt an Bord des Zuges zu bleiben, wäre ein Fehler, denn das Fischmenü aus frittierten Shrimps und Dorade in Weißweinsoße im El Faro mundet vorzüglich. Köstliche Garnelen gibt es am folgenden Tag am Ufer des Guadalquivir in Sanlúcar de Barrameda im Casa Bigote. Am Abend folgt die letzte Gelegenheit im Barwagen die im Laufe der Reise angefutterten Kalorien zu Flamencoklängen abzutanzen. Also ist die Nacht wieder kurz wie fast jede Nacht im Al Andalus. Doch Alejandro kennt kein Erbarmen. Pünktlich um acht Uhr am nächsten Morgen lässt er ein letztes Mal die Glocke bimmeln. Zwei Stunden später rollt der beige-rote Lindwurm wieder in Sevilla ein. Ganz unspektakulär auf Gleis 12.

Von Dagmar Krappe

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