Im Cajun-Country westlich von New Orleans leben die Nachkommen französischsprachiger Siedler

Arkadien in den Sümpfen

Samstagmorgen in Breaux Bridge. Im Café des Amis, gleich neben der stählernen Hebebrücke über das Flüsschen Bayou Teche, presst Jeff Broussard Töne mit Wumms aus seinem Akkordeon. Zusammen mit einem Gitarristen, Schlagzeuger, Waschbrett-Spieler und Bass hämmert der schwarze Musiker Tanzlieder mit französischen Texten auf die Tanzfläche.

Kurz nach neun Uhr drehen sich die ersten Paare im zackigen Drei-Takt-Beat des Zydeco, der Musik einer besonderen Ethnie im tiefen Süden der USA. Broussards Vorfahren waren Sklaven der ehemaligen französischen Kolonie, die sich teilweise mit französischsprachigen weißen Vertriebenen Kolonisten aus Kanada in den Sümpfen von Louisiana mischten. Acadiens nannten sie sich, Bewohner des Paradieses, die lange Französisch sprachen, bis es die US-Regierung Anfang des letzten Jahrhunderts verbot.

Einer der Tänzer ist Gerd Wüstemann, Direktor des Acadian Centers of the Arts im nahen Lafayette (siehe Kasten). „Diese Musik ist ein Elexier“, schwärmt der in Eschwege geborene Musiker, „sie hält jung, fit und macht Spaß“. Die Mischung der Paare im Café des Amis ist ungewöhnlich: Alte, Junge, Farbige, Weiße, sogar Asisaten. Allen gemeinsam ist die Lust auf den heißen Sound des Zydeco. Nach drei Liedern läuft Kondenswasser die großen Scheiben herunter.

Unterwegs im Plantagen-Land

Neben der lauten Musik und der majestätischen Ruhe und Größe der alten Zypressensümpfe lebt das Cajun-Country touristisch von den Attraktionen der ehrwürdigen Plantation-Houses. Rund fünfhundert Plantagen, größtenteils Zuckerrohr-Plantagen, lagen einst dicht an dicht am Mississippi, rund drei Dutzend davon sind heute als Historical Landmarks erhalten. Zu den bekanntesten zählt Oak Alley mit einer Allee von 28 jahrhundertealten amerikanischen Eichen, direkt am Mississippi gelegen. Gekleidet wie vor 150 Jahren berichten Fremdenführer vom Leben auf der Plantage bis zum Ende des amerikanischen Bürgerkriegs. Man besichtigt Räume, die aussehen als würden gleich Red Butler und Scarlett O’Hara hereinkommen. Oak Alley bietet in gemütlichen, historisch eingerichteteten Gästehäusern Übernachtungsmöglichkeiten.

Köstliche Cajun-Küche

Zwanzig Meilen weiter nördlich Richtung Baton Rouge liegt am Ostufer des Mississippi das stilvolle Houmas House. Sehenswert sind die einzigartige, dreistöckige, gedrehte Holztreppe und die historischen Balustraden. Ein historischen Kleinod ist eine Karte aus dem Jahr 1847mit allen Plantagen Louisianas und den genauen Zahlen der Sklaven. Außerhalb des Haupthauses ließ der neue Besitzer zwei historische Junggesellenhäuser restaurieren und legte eine zauberhafte Garten- und Parklandschaft an.

Mehrere kleine Räume wurden in Restaurants umgewandelt. Kulinarische Akzente setzt der junge Chef Jeremy Langlois mit modern interpretierter Cajun-Küche, indem er aus dem Fleisch der Blaukrabben fluffige Frikadellen formt, sie brät und mit einer leicht scharfen Mango-Soße verziert. Wenn er Zeit hat, kommt Gerd Wüstemann auf ein himmlisch gutes Steak mit Hummer und Papaya vorbei.

Von Franz Michael Rohm

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