Zum Aschegucken nach Island

+
Ein spektakuläres Fotomotiv: Der speiende Vulkan an der isländischen Südküste ist eine schaurig-schöne Touristenattraktion.

„Please report, that we are allright!“ Die Chefin der Design-Boutique in Reykjaviks ältestem Haus schaut die deutschen Journalisten besorgt an. „Bitte berichtet, dass es uns gut geht“, heißt der Wunsch. Auch Touristik-Chefin Dora Magnúsdóttir hat Sorgen: „Viele glauben, sie würden auf Island von glühenden Lavaströmen bedroht, aber das ist alles Unsinn.“

Tatsächlich hat die weltgrößte Vulkaninsel im Nordatlantik ein Image-Problem, seit die Aschewolken des Gletschervulkans Eyjafjallajökull immer wieder den europäischen Luftverkehr lahmlegen. Zahlreiche Island-Urlauber haben ihren Besuch storniert, mal tatsächlich aus Angst vor dem Vulkan, mal weil sie fürchten, die Insel wegen Flugausfällen nicht wieder verlassen zu können.

Der zweite Fall könnte eintreten, aber Angst vor dem Vulkan muss niemand haben. Tatsächlich ist es eher ein faszinierender, denn ein Furcht einflößender Anblick, wie dicke Wolken grauer Asche in den am Dienstag vergangener Woche makellos blauen Himmel quellen.

Wasserdampf aus brodelnden Geysiren

Bis auf etwa zehn Kilometer führt die Ringstraße, die Island auf 1340 Kilometern umrundet, an den Vulkankrater heran. Von hier aus gesehen scheint der Eyjafjallajökull nicht mehr als eine weitere Attraktion im Reigen der spektakulären Naturschönheiten zu sein, die Island zu bieten hat.

Kaum eine Busstunde vom speienden Vulkan entfernt schickt im Geysirgebiet der Strukkur alle paar Minuten eine Säule aus kochend heißem Wasserdampf über 20 Meter in die Höhe. Überall zischt und dampft und brodelt es und würziger Schwefelgeruch schmeichelt der Nase.

Nur zehn Kilometer daneben stürzt der Gullfoss in zwei Stufen unter donnerndem Tosen gewaltige Wassermassen 32 Meter in die Tiefe. Feiner Nebel steigt auf und durchnässt binnen Minuten Besucher, die sich zu nahe an den Wasserfall wagen. Im nahen Restaurant trocknet die Kleidung schnell wieder, während der Island-Reisende sich eine köstlich-heiße Lammsuppe einverleibt. Ganz anderes gibt es im eine Autostunde entferntem Thingvellir zu bestaunen, am so genannten Parlamentsplatz, wo im Jahr 930 die isländische Geschichte ihren Anfang nahm. Dort stoßen die amerikanischen und eurasischen tektonischen Erdplatten aufeinander.

Island wächst weiter

Die wuchtige Basaltlandschaft ist zerrissen in Schluchten und Spalten, obligatorisch das Foto, auf dem der eine Fuß des Besuchers in Amerika, der andere in Europa steht. Jedes Jahr wächst Island hier bis heute um acht Millimeter. Geysir, Gullfoss und Thingvellir bilden den Goldenen Zirkel, Attraktionen, die zum Pflichtprogramm jedes Island-Besuchers gehören.

Von denen könnte es wieder mehr geben, denn der Vulkan-Ausbruch hat die 103 000 Quadratkilometer große Insel aus Feuer und Eis ja auch ins Bewusstsein der Welt gerückt. Sogar ihren Ruf als eines der teuersten Reiseziele hat die Insel relativiert: Seit die Finanzkrise Island besonders hart getroffen hat, sind die Preise um rund dreißig Prozent gesunken und bewegen sich jetzt fast auf EU-Festlandsniveau.

Ach ja, das Wetter: Die Isländer kümmern sich in der Regel genauso wenig um Regen und Wind wie um Vulkanausbrüche. Alles gehört einfach zu Leben dazu – und außerdem hat beispielsweise Reykjavik weniger Niederschläge im Jahr zu verzeichnen als München. Ulrich Pirsch, aus Berlin nach Island ausgewanderter Reiseleiter, hat eine einfache Weisheit parat: „Wenn Dir das Wetter nicht gefällt, warte eine halbe Stunde. Dann ist es anders.“

Reisetipps

Mit 103 000 km2 Fläche ist Island die größte Vulkaninsel der Welt. Von den 320 000 Einwohnern – Nachfahren norwegischer Wikinger – leben 180 000 im Raum der Hauptstadt Reykjavik. Das am dünnsten besiedelte Land Europas (drei Menschen/m2), bietet spektakuläre Landschaften aus riesigen Gletschern, Vulkanen, Geysiren und heißen Quellen

Anreise: Mit Iceland Air in dreieinhalb Stunden ab Frankfurt ab 366 Euro.

Geld: 170 Kronen entsprechen etwa einem Euro. Wegen großer Währungsschwankungen werden selbst Kleinstbeträge mit Kreditkarten (Visa, Mastercard) bezahlt. Reisebeispiele: Island-Spezialist TUI Wolters Reisen bietet eine achttägige Busreise zu den bekanntesten Naturschönheiten für 1297 Euro inkl. Flug und HP ab Düsseldorf an. Individualisten können eine elftägige Autoreise für 1218 Euro/p.P. buchen.

Infos: Im Internet: www.visiticeland.com, Tel.: 030 / 50 50 42 00

Reiseführer: sehr informativ, ausführlich und gut gegliedert: Michael-Müller-Verlag „Island“, 22,90 Euro, kurz und knapp: Polyglott on tour „Island“, 9,95 Euro. (tom)

Von Thomas Stier

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.