Aufbruchstimmung am Olymp

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Frisches Obst und Gemüse: Auf dem Wochenmarkt in Grevena kaufen Touristen wie Einheimische gerne ein.

Die Götter hatten Geschmack. Als ihren Herrschaftssitz wählten sie den Olymp, ein stattliches Anwesen in bester Lage, das ihnen einen optimalen Überblick gewährte.

Bei wahrlich göttlicher Perspektive konnten sie von hier aus genüsslich ihren Blick schweifen lassen über die bezaubernde Inselwelt des Ägäischen Meeres sowie die zerfurchte Bergwelt Nordgriechenlands. Drunten hingegen war das tägliche Leben viel beschwerlicher. Nicht zuletzt, wenn es darum ging, die Distanzen in dem malerischen aber unwegsamen Gelände zu überwinden. Damit hat es nun ein Ende. Denn eine neue Autobahn, getragen von 1500 Brücken und eingebettet in 90 Tunnels, verbindet neuerdings Ost und West, Igoumenitsa mit Thessaloniki.

Beeindruckend: Die Meteora-Klöster

Eine der größten Kostbarkeiten entlang des fünfhundert Kilometer langen Asphaltbandes sind zweifellos die Meteora-Klöster. Ihre Attraktivität verdanken sie mächtigen Formationen aus Sedimentgestein, die sich wie überdimensionale Säulen in den blauen Himmel recken. An ihrer Spitze sprießen wie verspielte korinthische Kapitelle die christlichen Klosteranlagen hervor.

In früheren Zeiten musste man Menschen wie Gebrauchsgüter in Netzen oder Drahtkörben an langen Seilen hinauf winden. Doch längst hat die Technik auch im Klosterleben Einzug gehalten. So weiß es Novizin Tanja zu berichten, die sich im fünfhundert Jahre alten Nonnenkloster „Russano“ auf ihre Weihe vorbereitet. Computer und Mobiltelefon beherrscht sie aus dem Effeff. Doch ist es wie in alten Zeiten das „spirituell erfüllte Leben in der Klostereinsamkeit“, das sie und ihre zehn Mitschwestern hier oben hält.

Ein weiterer Besuchshöhepunkt für sich ist das idyllisch gelegene Städtchen Kastoria im Nordwesten des Landes. Schmucke Herrenhäuser, erbaut im makedonischen Stil, säumen das Ufer des Kastoria-Sees und verweisen mit ihrem großzügigen Äußeren auf den Wohlstand, der noch heute mit der Pelzverarbeitung an diesem Ort erwirtschaftet wird. Davon zeugen nicht zuletzt die schmucken kleinen Kirchen im Basilika-Stil, mit denen die Stadt geradezu übersät ist. Wunderschön zum Beispiel die etwas abseits am See gelegene Klosterkirche von Mavriotissa, in der der knorrig wirkende Pater Gabriel die alten Wandmalereien ausführlich erklärt.

Weltkulturerbe: Die Makedonischen Königsgräber

Das Museum aller Museen in der Region jedoch sind die makedonischen Königsgräber in Vergina. Erst vor gut drei Jahrzehnten zufällig unter einem künstlich aufgeschütteten Grabhügel entdeckt, schafften sie bereits den Sprung hinein in die erlesene Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Da niemand die wahre Begräbnisstelle Alexanders des Großen kennt, richtet sich das Hauptaugenmerk wie von selbst auf das Grab seines Vaters Philipps II. Allein der zart gearbeitete goldene Eichenkranz mit 313 Blättern und 68 Eicheln gilt in seiner überwältigenden Pracht als eines der wertvollsten Fundstücke der Antike.

Griechische Leckereien in Thessaloniki

Zurück in Thessaloniki, wartet die Stadt auf mit einladenden Cafés und Restaurants, wie beispielsweise der „Kitchenbar“ im alten Hafenbereich mit ihrer deftigen griechischen Küche. Wie zufällig gleitet von hier aus der Blick vorbei an der langgezogenen Uferpromenade und fällt schließlich auf den „Weißen Turm“, das Wahrzeichen der Stadt. Dahinter jedoch bleibt er haften am Reiterstandbild Alexanders des Großen, das in rassiger Pose an dessen Heldentaten in Asien erinnert, die ihn – zumindest in der Erinnerung – unsterblich machten.

Noch vieles mehr gibt es zu entdecken in der historischen und zugleich jung gebliebenen Stadt zwischen Akropolis und Aristotelesplatz, zwischen Demetrius-Kirche und Galerius-Bogen. Ein ideales Eingangstor zu den neuen Pfaden in Nordgriechenland am Fuße des Olymps.

Von Dr. Bernd Kregel

PDF der Sonderseite "ReiseInfo - Nordgriechenland"

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