Im Weserbergland liebt man deftige Hausmannskost, aber auch die Kultur kommt nicht zu kurz

Ausflug ins Pumpernickel-Land

Gegen jedes Zipperlen kennt sie ein Kraut: Die Naturführerin und Phytotherapeutin Verena Arendes nimmt Interessierte auf ihre Exkursionen mit, bei denen sie viele Informationen über die Verwendung und Wirkungsweise der heimischen Kräuter vermittelt. Foto: Dagmar Krappe

Ansgar Westerwelle kann ausschlafen. Jeden Morgen. Obwohl er Bäcker ist. Sein Arbeitstag beginnt erst um acht. Die Zeiten, als er wie seine Kollegen mitten in der Nacht aufstehen musste, sind lange vorbei. Seit fünf Jahren knetet er Brotlaibe und Kuchenteige, formt Schnecken und Keksgebäck für die Besucher des Westfälischen Brotmuseums in Nieheim.

Der Tag beginnt mit dem Anheizen des Steinbackofens auf 380 Grad. „Die Schamottsteine geben die Wärme an den Teig ab“, erklärt Westerwelle: „Durch die kurze Backzeit bei hoher Temperatur bleiben die Brote schön saftig.“ Nur Pumpernickel, das traditionelle schwarze Roggenschrotbrot der Westfalen, kann er nicht herstellen. „Dieser Teig gart 16 bis 24 Stunden in 110 Grad heißen Dampfkammern oder geschlossenen Kästen. So lange kann ein Steinbackofen die Wärme nicht halten.“

Brot, Käse, Schinken, Bier

Das Brotmuseum ist eines von vier Museen des Westfalen Culinariums. Es widmet sich den westfälischen Delikatessen: Brot, Käse, Schinken und Bier.

Der Landkreis Höxter gehört zum Weserbergland. Er ist eingerahmt vom Teutoburger Wald, Eggegebirge, Vogler und Solling. Vom neu errichteten Weser-Skywalk auf den Hannoverschen Klippen kann man bestens beobachten, wie sich die Weser zwischen den nur 300 bis 500 Meter hohen Bergrücken hindurchwindet. Vorbei an herausgeputzten Fachwerkstädtchen und -dörfern, umgeben von schmalen Feldern und Wiesen.

Über diese hügelige Landschaft zieht Verena Arendes bei ihren Kräuterwanderungen. Die Naturführerin und Phytotherapeutin weiß bestens Bescheid, gegen welches Zipperlein welches Kraut gewachsen ist. „Löwenzahnblüten eignen sich nicht unbedingt für Salat. Sie werden schnell zu Pusteblumen. Legt man hingegen die Knospen in Essig ein, werden daraus Kapern“, meint die muntere Sächsin, die vor Jahren der Liebe wegen ins Weserbergland kam, und lässt ein Glas Selbsteingemachtes kreisen.

Zwar hat der Kreis Höxter viel Natur zu bieten, aber er nennt sich auch Kulturland, denn er kann mit 80 Burgen und 25 Klöstern aufwarten. Eines davon ist das Kloster Corvey direkt an der Weser gelegen. Im Jahr 822 stellte Kaiser Ludwig der Fromme sein Land Mönchen des Benediktinerordens zur Verfügung. Aus dieser Zeit stammt das karolingische Westwerk mit den beiden Sandstein-Türmen. Alle anderen Klosterteile wurden im 30-jährigen Krieg zerstört und erst 1667 als barocke schlossartige Anlage wieder errichtet. Nachdem er 1841 auf Helgoland das „Lied der Deutschen“ verfasst hatte, verschlug es August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1860 als Schlossbibliothekar nach Corvey. In 15 Sälen der Fürstlichen Bibliothek sind sein ehemaliges Arbeitszimmer und 75 000 Bücher hinter Glas zu bewundern.

Bei so viel geballter Kultur- und Hausmannskost darf es zum Abschluss noch etwas zum Entschlacken sein? Kein Problem. Im Gräflichen Park von Bad Driburg, dem einzigen Privatheilbad Deutschlands, setzt man schon seit 1782 auf die Kraft des Wassers. Im Jahr 1796 verbrachte der Dichter Friedrich Hölderlin dort sechs Wochen: „Ich trank das köstliche, stärkende und reinigende Mineralwasser und befinde mich ungewöhnlich gut davon“, notierte Hölderlin damals. So gesund ist Westfalen!

Ausflugstipps im Kulturland Kreis Höxter

• Westfalen Culinarium, Lange Str. 12, 33039 Nieheim T 0 52 74 / 9 52 92 41 www.westfalen-culinarium.de

• Kräuterhof Arendes, Keggenriede 10, 34434 Borgentreich, T 0 56 43 / 9 44 77 Kräuterwanderungen und -Seminare auf Anfrage. www.kuerbiszauber.de

• Gräflicher Park, Brunnenallee 1, 33014 Bad Driburg, T 0 52 53 / 9 52 30 www.graeflicher-park.de

• Weser-Skywalk und Hannoversche Klippen mit „Erlesene Natur“-Pfad, 37688 Würgassen, T 0 52 71 / 9 65 42 16 www.weser-skywalk.de

• Kloster Corvey, 37671 Höxter, T 0 52 71 / 69 40 10 www.schloss-corvey.de

Allgemeine Informationen:

• Kulturland Kreis Höxter, Corveyer Allee 21, 37671 Höxter T 0 52 71 / 97 43 23 www.kulturland.org

• Tourist-Information Höxter, Historisches Rathaus, 37671 Höxter, T 0 52 71 / 1 94 33 www.hoexter.de

Von Dagmar Krappe

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