19 000 Kilometer bis Marburg

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Ein Abenteuer: Mit dem eigenen Motorrad quer durch Australien. Kai Sypniewski aus Helsa-Wickenrode hat es erlebt.

Kai Sypniewski aus Helsa-Wickenrode fuhr mit seinem eigenen Motorrad durch Australien - sein Erfahrungsbericht.

Schon beim Landeanflug wird das Besondere sichtbar. Majestätisch erhebt sich Sydneys Oper hinter der Harbour Bridge. Sanft setzt der Flieger auf die in das Meer hineingebaute Landebahn auf. Endlich angekommen!

Wir tauchen in die Stadt ein, lassen uns bewundernd mitreißen. Auf uns warten die verschifften Motorräder im Hafen und wollen abgeholt werden. Endlich können wir wieder den Lenker in der Hand spüren, der Fahrtwind rauscht vorbei, und die beeindruckende Stadt wird im Rückspiegel schnell kleiner. Das Freiheitsgefühl wächst mit jedem Kilometer nordwärts. Mit der Piste einer Achterbahn empfängt uns Queensland, auf der wir ins australische Marburg einrollen. Kaum dass die Seitenständer den Boden berührt haben, begrüßt uns Peter mit einem üblichen Fragekatalog. Er lädt uns in den Pub ein. Zur Mittagsstunde, was für eine ungewöhnliche Zeit! Hier treffen wir Curlie, ein augenscheinlich waschechter "Aussi", mit deutschen Vorfahren. Paul Buchholz erscheint im Pub und wird als letzter echter Deutscher vorgestellt. 1952 betrat er, von Arbeitslosigkeit getrieben, erstmals australischen Boden, blieb, baute Häuser und lebt glücklich verheiratet in Marburg. Jeden Tag besucht er zur Mittagszeit den Pub, um seinen Portwein zu genießen. Fasziniert und mächtig beeindruckt lauschen wir eine ganze Zeit den Geschichten des alten Mannes. Seine Frau holt ihn immer ab, wenn er zu lange fern bleibt. Liebe und Portwein halten jung.

Eintönig surren die Räder am Rand des Outback entlang, um nach ewig langer, einsamer Fahrt in Broken Hill einzurollen. Wir erkunden den Ort der fliegenden Ärzte und Mad Max II. Nach kurzer Erholung lockt das rote Herz. Der berühmt, berüchtigte Stuart Highway und die karge rote Landschaft fliegen vorbei. Endlich sind am Horizont die ersten Erdhügel der Opalschürfer zu sehen. Coober Pedy nimmt uns mit seinem Opalfieber gefangen. Die Hoffnung nach dem großen Fund steckt an. Wir entziehen uns jedoch dem Rausch, der großen Hitze und steuern die Berge der Flinders Ranges an. Hier frühstücken wir mit den Känguruhs und brausen zu den Kultstätten der Aborigines. Ihre Felsmalereien ziehen uns in den Bann. Mit wehenden Staubfahnen wird das fantastische Gebiet erkundet.

Der Ruf des Abenteuers lässt uns weiter ziehen. Eine der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt will unter die Räder genommen werden. Der erste Blick auf die Klippen fesselt das Auge. Mit aller Kraft brechen sich die mächtigen Wellen an den Felsen. Eine riesige Wassergischt hüllt die Zwölf Apostel in einen unendlichen Nebelteppich, dicht über der Wasseroberfläche, ein. Die Sonne versinkt tiefrot im Meer, und die Pinguine suchen ihr Nachtquartier auf.

Vom Kurvenrausch gefesselt fahren wir den Great Alpine Way entlang und erkunden in luftiger Höhe die australischen Alpen. Im Kurventanz wird stetig an Höhe verloren, um unvermittelt vor einem mächtigen Berg zu stehen. Ein schwarzes Loch führt mitten hinein. Wir kurven mit den Motorrädern durch eine Tropfsteinhöhle. Jenolan Caves, was für ein fantastisches Erlebnis! Ein letztes Ziel auf unserer Downunder-Tour will erkundet werden: Die Blue Mountains! Sie empfangen uns mit ihrem blauen Dunstschleier. Eukalyptusduft schmeichelt die Nase. Noch ein paar Schritte bis zur Aussichtsplattform. Unter uns öffnet sich ein riesiger Canyon mit seiner berühmten Felsformation, den Three Sisters. Hinter dem blauen Schleier versinkt die Sonne hinter den Bergen. Uns wird bewusst, dass unsere Traumzeit vorüber ist.

Von Kai Sypniewski

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