Bahnhof Rotenburg: Solider Durchschnitt

Blick in die Zukunft: So soll es bald auf dem Bahnhofsvorplatz Rotenburg aussehen, wie diese Ansicht von Architekt Thomas Rabe zeigt. Im Hintergrund das Bürger- und Tourismuszentrum.

Rotenburg. Wenn Bahnhöfe ein Tor zur Welt sind, dann fängt das Durchschreiten dieses Tores in Rotenburg derzeit nicht besonders gut an. Der Haupteingang ist mit Holzbrettern vernagelt. „Bitte benutzen Sie den gegenüberliegenden Eingang.“

Dieser Zustand soll sich immerhin mit dem Einbau einer neuen Glastür wieder ändern, verspricht die Stadt.

Ab 4.34 Uhr nach Kassel

Der Bahnhof liegt nördlich der Fulda in der Neustadt und damit ein Stück vom Stadtkern entfernt. Die Ausschilderung ist, zumindest von der Altstadt, sehr spärlich. Der Bahnhof hat zwei Bahnsteige sowie Gleise, die in Ost-West-Richtung verlaufen. Am Bahnhof halten Züge der Firma Cantus – die Deutsche Bahn ist nicht mehr an Bord. Morgens fährt der erste Cantus um 4.34 Uhr in Richtung Kassel ab. Bis zum Hauptbahnhof dauert es eine knappe Stunde. Außerdem verkehren Züge nach Bad Hersfeld und weiter nach Fulda. Abends fährt der letzte Zug werktags um 0.17 Uhr bis Bebra und um 23.13 nach Kassel.

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Vom Bahnhof in die neue Heimat

Auffällig ist, dass die Straße am Bahnhof Zum Güterbahnhof heißt. Das mag zwar historische Gründe haben – es beschreibt aber gleichzeitig sehr gut die Tatsache, dass hier pro Stunde wesentlich mehr Güter- als Passagierzüge über die Gleise rattern.

Die Passagiere können Nahverkehrs-Tickets nur noch am Schalter kaufen. Der Schalter ist täglich von 7 bis 18 Uhr besetzt, in den Ferien erst ab neun Uhr. In den Cantus-Zügen selbst können Fahrgäste ebenfalls Fahrscheine kaufen. Durchsagen gibt es nur bei Zugverspätungen.

Behinderte

Fahrradfreundlich: Am Rotenburger Bahnhof können Radler ihr Gefährt komfortabel abstellen. Außerdem stehen acht abschließbare Fahrradboxen zur Verfügung.

Schwierig sieht es auch für Behinderte und Blinde aus: Einen Aufzug sucht man in Rotenburg vergeblich. Es ist für Menschen im Rollstuhl sehr schwer, durch die Unterführung zum anderen Gleis zu kommen. Die Treppen haben zwar zwei eingelassene Fahrrampen, sind jedoch steil. Schlecht läuft es auch für blinde Menschen. Sie sind auf spezielle Markierungsstreifen samt Erhebungen auf dem Bahnsteig angewiesen. Doch die gibt es nur an Bahnsteig 1. Außerdem verwittern die normalen Markierungen ebenfalls und die Bahnsteigplatten sind an vielen Stellen marode.

Ein Plus sind die sanitären Einrichtungen am Bahnhof. In der Mitte des Wendekreisels für Busse befindet sich ein modernes Toilettenhäuschen. Die Toiletten sehen gut aus, sind weitestgehend sauber und kostenlos nutzbar.

Ordentlich ist auch die Anbindung an andere Verkehrsträger. Es gibt einen Taxistand und eine Bushaltestelle. Von dort fahren Busse etwa in die Innenstadt.

Überquellende Mülleimer

Zahlen, Daten und Fakten Baujahr: 1847/49
Gleise: 2
Züge/Tag: 53
Toiletten: 3
Automaten: 0
Aufzüge: 0

Gut sind die Angebote für Radfahrer: Zahlreiche Fahrradständer stehen kostenlos zur Verfügung. Außerdem sind hier acht Fahrradboxen installiert – hier können Fahrgäste ihre Drahtesel sicher und trocken abstellen. Die Bahnsteige sind beleuchtet, das Gebäude ist kein Sanierungsfall und die Aushänge sind informativ.

In den kleinen Wartehäuschen sitzen die Fahrgäste von Wind und Wetter geschützt – von dort aus hat man allerdings gleichzeitig einen Blick auf die häufig völlig überfüllten Mülleimer.

Kurze Geschichte des Bahnhofs

Bau und Gebäude: Der Rotenburger Bahnhof wurde im Zeitraum zwischen 1847 und 1849 im klassizistischen Stil erbaut, so haben es Recherchen des Stadtarchivs ergeben. Die Aussenarchitektur hat romanische und gotische Formen. Wer den Rotenburger Bahnhof entworfen hat, konnte zumindest das Stadtarchiv nicht mehr ermitteln.

Der Bahnhof gehört seit einem Jahr der Stadt, die Bahnsteige blieben bei der Bahn.

Wichtige Ereignisse: Am 22. September 1849 wurde die Station Rotenburg an der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn eröffnet, Bahnstrecke Kassel bis Eisenach. Sie brachte für viele Rotenburger einen sicheren Broterwerb. Im Jahr 1936 wurde der Bahnhof rückgebaut und gleichzeitig umgebaut: Ab sofort gab es eine Wartehalle und eine Gaststätte. 1950/1959 wurden der Warteraum aus- und die Diensträume umgebaut. Im Jahr 1970 wurde die Empfangshalle, das Erdgeschoss und das Obergeschoss umgebaut.

Regionale Bedeutung: Die Bahnstation war neben der Fulda-Schifffahrt, die zum Erliegen kam, und dem Postkutschenverkehr ein Jahrhundert lang die wichtigste Anknüpfung. Im Jahr 1877 fuhren täglich vier Züge auf der Strecke.

Der Bahnhof auf einen Blick

Sicherheit und Sauberkeit: Die Bahnsteige sind beleuchtet, Wachdienste sind nicht zu sehen. Die Mülleimer quellen über. Die Toiletten sind in einem sehr guten Zustand und können kostenlos genutzt werden.

Erreichbarkeit und Verkehrsangebot: Über die Neustadt ist der Bahnhof über die Straße Am Güterbahnhof zu erreichen, im Süden über die Poststraße. Es verkehren täglich 53 Personenzüge nach Kassel sowie nach Fulda über Bad Hersfeld.

Infrastruktur und Umfeld: Es stehen keine Essens-Angebote zur Verfügung, weder in Läden noch in Automaten. Taxistand, Briefkasten und Telefonzelle sind in der Nähe. Es gibt Fahrradständer und normale sowie Park-and-Ride-Parkplätze.

Information und Personal: Fahrpläne hängen aus, Informationen gibt es im Wartesaal. Lautsprecheransagen gibt es nur bei Abweichungen vom Fahrplan. Das Personal besteht aus einem Fahrkartenverkäufer, Automaten gibt es nicht.

Ärgernisse: Defekte Uhren und Türen

Bahnkunden hatten in letzter Zeit reichlich Grund zum Ärgern am Rotenburger Bahnhof. So waren über mehrere Wochen fast alle Bahnhofsuhren ausgefallen und zeigten durchgängig zwölf Uhr an. Mittlerweile steht die Zeit am Bahnhof nicht mehr still, wie Roland Schwarz von der Stadt Rotenburg erläutert. „Bisher waren die Uhren per Funk mit der Deutschen Bahn verbunden“, sagte er auf HNA-Anfrage. Doch jetzt gehöre der Bahnhof zur Stadt, deswegen hätten die Datenleitungen nicht mehr funktioniert.

In der vergangenen Woche habe ein Elektriker ein neues Empfängermodul eingebaut, jetzt sei alles wieder in Ordnung. Das zweite Ärgernis: Der Eingangsbereich, der mit Holz verbarrikadiert ist. Dazu ein schnöder Hinweiszettel. „In der kommenden Woche kommt hier eine neue Glastür mit verbessertem Isolier- und Wärmeschutz hinein“, sagt Roland Schwarz. Der Einbau sei nach mehreren Einbrüchen in diesem Jahr notwendig geworden.

Bewertung

Kreuzen Sie die Ihrer Meinung jeweils zutreffende Note an. Senden Sie den ausgefüllten Coupon bis zum 1. September an: HNA – Rotenburg, Breitenstraße 41, 36199 Rotenburg.

Am Ende unserer Aktion werden für alle Stationen Durchschnittsnoten ermittelt. Daraus ergibt sich dann die Rangfolge der besten Bahnhöfe.

Von Philipp David Pries

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