Ihre Sprache ist uralt, ihre Heimat Aquitanien bildschön: die französischen Basken

Basken wissen zu leben

Traumbucht am Atlantik: Schon im 19. Jahrhundert machten die Franzosen Urlaub im mondänen Seebad Biarritz. Fotos:  Raupach

Joseph ist launisch. Eigentlich kann er sich das nicht leisten, denn er will Schafs- käse verkaufen. Aber er ist Baske, und die verstellen sich nicht gern. Dann grinst er doch: „Mich gibt’s gratis dazu!“ Auf dem Markt in Bidart ist wie jeden Samstag viel los: Schüsseln voller Oliven, Kisten mit bunten Naturseifen, dampfende Calamares in Riesenpfannen. Ab und zu hallt ein Urschrei aus dem Restaurant „Elissaldia“ über den Platz: Samstag ist dort „Pelota-Tag“. Traditionell – und superschnell – wird der Ball mit der Chistera, einem Korbhandschuh, an die „Frontón“-Mauer geschlagen.

Die traditionellen baskischen Eigenschaften Kraft, Mut und Geschicklichkeit waren auch beim Walfang nützlich, der hier jahrhundertelang betrieben wurde. Und bei der „course landaise“, dem Stierkampf – keine Lizenz zum Töten, sondern ein Spiel, das die Wendigkeit des Toreros herausfordert. Das Tier selbst wird nicht angerührt. Ihren Sport, Tanz und ihre Musik pflegen die Basken nicht zur Gaudi der Touristen, sondern zum eigenen Spaß. Ihre Sprache, uralt und geheimnisvoll, ist so kompliziert, dass, so sagt man, der Tod sich das Leben nehmen wollte – weil er’s einfach nicht kapiert hat. In diesem Sinne „ongi etorri“ in „Euskal Herria“, willkommen im Pays Basque.

Schmucke weiße Häuser mit rotem Fachwerk erinnern an zu Hause. Wären da nicht der nahe Atlantik und die mit Chilischoten bedeckten Fassaden – ein Markenzeichen der Region. Lange als Souvenir belächelt, habe der „Piment d’Espelette“ sich zum Schlüssel zur baskischen Küche und – neben luftgetrocknetem Schinken – wichtigsten Exportartikel entwickelt.

„Du weißt genug – wenn du nur zu leben weißt“.

Baskische Redensart

Das Städtchen Saint-Jean-de-Luz trägt das gleißende Licht der Region schon im Namen. Kein Wunder, dass der Sonnenkönig hier heiraten wollte. Der nach ihm benannte Platz ist zentraler Treffpunkt, wie auch der malerische Hafen, wo Maria-Theresia, die Braut Ludwigs, bis zur Hochzeitsnacht am 9. Juni 1660 wohnte. Dorthin kehrten auch die Korsaren von ihren Touren zurück. Sie waren Freibeuter im Auftrag des Staates. Die Thunfischboote, die heute dort auslaufen, sind da eher harmlos.

Ein Surfbrett und eine „crampotte“ (Fischerhütte): So könnte der kleine Traum von Biarritz aussehen. Ein Golfturnier und eine Suite im „Hotel du Palais“ wäre die Luxusvariante. Wir liegen im guten Mittelfeld. Mit einem Kir in der Hand, dem Blick auf Prachtvillen, Promenade, Strand, Surfer und anbrandende Wellen preisen wir die baskische Devise: „Du weißt genug – wenn du nur zu leben weißt“.

Lebenslust hin oder her: Josephs Angebot haben wir widerstanden. Nicht aber dem Schafskäse, baskisch verfeinert mit Schwarzkirschmarmelade.

Von Cornelia Raupach

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