Das reinste Kinderspiel

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Menschen, Tiere, Sensationen: Im Nationalpark Bayerischer Wald erfahren Kinder spielerisch die Natur und können sogar in einen Baum horchen.

Zurück zur Natur heißt der Trend im Urlaub. Statt sich an exotischen Stränden zu tummeln, besucht man heuer die Heimat und zeigt den Kindern den Wald. In Deutschlands ältestem Nationalpark...

...der in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert, kann man so einiges erleben, wie Reiseredakteur Volker Pfau feststellte. Die Natur war das reinste Kinderspiel.

Und jetzt piepst auch noch der Rauchmelder! Ich will doch nur ein Feuer im Ofen machen, aber der Kamin zieht einfach nicht und Qualm füllt langsam die Hütte. Bis der Alarm losgeht. Natur ist gar nicht so einfach. Auch nicht in der Wasserhütte im Wildniscamp am Falkenstein, in der wir uns heute Nacht zum Feuerprasseln in den wohlig-warmen Schlafsack kuscheln wollen.

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Natur pur heißt hier: kein Strom, also auch kein Licht, keine Heizung (außer besagtem Holzofen) und kein fließendes Wasser – das Klohäusl ist 50 Meter entfernt, der verlockend schöne, moderne Waschraum mit Duschen noch ein paar Schritte mehr. Und Wasserhütte heißt unsere Hütte, weil sie auf Stelzen gebaut über einem kleinen Bach liegt. Das sanfte Murmeln des Wassers, das ich jetzt wegen des lautstarken Alarms überhaupt nicht hören kann, soll uns heute Nacht ein schönes Schlaflied singen.

Was tun, wenn ich einem Wolf begegne?

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich einem Wolf begegne? Je mehr sich die Tiere in Deutschland ausbreiten, umso wichtiger wird es, das richtige Verhalten in so einem Fall zu kennen. © dpa-tz
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschft betont auf ihrer Homepage: "Mit dem Auftauchen von Wolf und Bär in Bayern muss jederzeit gerechnet werden. Dies gilt umso mehr, weil die Zahl der Wölfe in den Südalpen und Ostdeutschland stetig steigt (...)."  © dpa/dpaweb
Ratschläge für den richtigen Umgang mit einem Wolf gibt etwa die Wolfsregion Lausitz auf ihrer Homepage (http://www.wolfsregion-lausitz.de/faq). © dpa
Eine zufällige Begegnung von Mensch und Wolf, etwa beim Pilzesuchen im Wolfsgebiet, ist sehr selten, da Wölfe den Menschen meist zuerst bemerken und sich dann nicht zeigen. © dpa-mzv
Dennoch ist sie, beispielsweise bei ungünstigen Windverhältnissen, nicht gänzlich auszuschließen. © dpa
Deutlich wahrscheinlicher ist im Wolfsgebiet aber eine zufällige Beobachtung vom Auto aus, wenn ein Wolf nachts eine Straße überquert. © dpa
Grundsätzlich gilt: Wenn Sie einen Wolf sehen, verhalten Sie sich bitte ruhig. © dpa
Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand. © picture-alliance/ dpa
Sprechen Sie das Tier ruhig an, falls es noch nicht auf Sie aufmerksam geworden ist. © dpa
Bevor es (vermutlich rasch) verschwindet, versuchen Sie sich sein Aussehen gut einzuprägen und melden Sie die Sichtung. © picture-alliance/ dpa
Von einem gesunden wildlebenden Wolf geht in der Regel keine Gefahr aus, denn der Mensch zählt nicht zu seiner natürlichen Beute. © dpa
Wölfe meiden normalerweise Begegnungen mit Menschen. © picture alliance / dpa
Sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und in der Regel nicht aggressiv. © dpa
Berichte über Angriffe aus früheren Jahrhunderten, lassen sich zum größten Teil auf tollwütige Wölfe zurückführen. © dpa
Die instinktive Vorsicht, die gesunde Wölfe vor Menschen haben, kann verloren gehen, wenn die Tiere zum Beispiel über lange Zeit gezielt angefüttert werden. © dpa
Eine daraus resultierende Gewöhnung kann zu problematischen Verhalten führen. © picture alliance / dpa
Weiter heißt es auch: Wölfe können nicht zwischen wildlebenden und domestizierten Huftieren unterscheiden. © picture alliance / dpa
Treffen sie bei ihren Streifzügen auf unzureichend geschützte Nutztiere, zum Beispiel eine Schafherde, ergreifen sie meist ihre Chance auf diese ungewöhnlich leicht zu überwältigende Beute. © picture alliance / dpa
Waldsielgelände Spiegelau - Natur mit allen Sinnen erleben: Blind Bäume ertasten.

Und ich werde bestimmt träumen von der Natur, die hier doch ein Kinderspiel sein soll. Von dem Waldspielgelände in Spiegelau, wo wir unter Anleitung der Rangerin Christine erlebten, dass man Natur nicht mit allen Sinnen erleben muss: Mit verbundenen Augen führte einen der Partner ein Stück durch den Wald zu einem Baum, den man abtasten sollte und dann, nach Rückkehr zum Ausgangspunkt und ohne verbundene Augen, wiederfinden musste. Klingt im Prinzip recht einfach, aber wenn der siebenjährige Sohn meint, dass er den Papa ruhig über ein paar Stolperfallenbewehrte Umwege zum Ziel führen kann („Achtung, da wird es nass, aber du schaffst das schon!“), dann ist die Natur ganz und gar kein Kinderspiel.

Die kleine Buche, die Maximilian für mich ausgesucht hatte, habe ich aber schließlich unfallfrei erreicht und konnte sie auch ohne Augenbinde wieder entdecken. Zumindest der Orientierungssinn funktioniert noch. Das erfüllte den Vater mit Stolz, der Sohn fand’s saukomisch: „Das war so witzig, wie du da rumgetapst bist.“ Für Kinder kann Natur ganz schön lustig sein.

Der Saft rauscht im Baum

Wirklich kinderleicht – weil problemlos kinderwagentauglich – war dann der Gang auf dem Baumwipfelpfad in Neuschönau. Dort lernen wir in bis zu 25 Metern über dem Waldboden auf soliden und stabilen Holzbohlen, dass man selbst eine stattliche Fichte nur mit dem Druck eines Fingers ins Schwingen bringen kann, und dass hinter der Baumrinde die Säfte so kräftig schießen, dass sie über ein Stethoskop deutlich zu hören sind. Das beeindruckt die Kinder, und jeder will mal lauschen.

Im eiförmigen Baumturm am Ende des 1300 Meter langen Pfades geht’s in Spiralen noch einmal knapp 20 Meter höher. Der Ausblick auf den Bayerischen Wald und die kleinen Ortschaften, der an besonders klaren Tagen bis zu den Alpen reichen soll, interessiert den Nachwuchs weniger. Viel interessanter ist es, im Innern des Eis rauf- und runterzurennen und Fangen zu spielen. So richtig müde wird dabei anscheinend keines der Kinder.

Luchs im Freigehege im Nationalparkzentrum Falkenstein

Sollte der eine oder die andere dann am Nachmittag schwächeln – im Freilichtmuseum Finsterau schafft es Julia Herzig, die Kleinen noch einmal zu motivieren. Auf einer speziellen Kinderführung zeigt sie das Sachl, ein fast 250 Jahre altes kleines Bauernhaus, in dem zuletzt die alte Karolina Graf gelebt hat, bis sie 1978 ins Altersheim umzog und das Gebäude hier aufgestellt wurde. Die Kinder staunen über die kleinen Räume, die enge Küche, die einfache Einrichtung, die wenigen, heute primitiv wirkenden Spielsachen. Aber so hätte mancher von ihnen damals auch gelebt. Das gibt den Spielekonsole gewohnten jungen Menschen zu denken.

Wildpferde im Freigehege im Nationalparkzentrum Falkenstein

Ein Suchspiel wartet am nächsten Vormittag auf uns beim Tiergehege im Nationalparkzentrum Falkenstein. Hier gibt’s Wölfe, Luchse, Urrinder und Wildpferde zu sehen, und natürlich fangen wir mit den Wölfen an. Die sind aber nicht einmal vom Aussichtsturm zu erspähen, obwohl von hier laut Ranger immer ein Wolf zu sehen sein soll. Aber Canis lupus und sein Rudel geruhen eben um diese Tageszeit zu schlafen. Die Adleraugen der Kinder entdecken dann aber an anderer Stelle doch einige der Wölfe, die im Unterholz vor sich hindösen, und weil im nächsten Gehege ein prächtiger Luchs nur wenige Meter hinter dem Zaun huldvoll zu uns blickt, bis wirklich jeder sein Foto gemacht hat, sind die Tierbeobachter wieder versöhnt.

Inzwischen brennt das Feuer im Ofen und der Rauchmelder verstummt, weil die Luft wieder rein ist im Bayerischen Wald. Es ist so angenehm still, und ich kann endlich wieder das Rauschen des Bächleins hören. War doch ein Kinderspiel, das Einheizen.

REISE-INFOS ZUM BAYERISCHEN WALD

REISEZIEL Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde am 7. Oktober 1970 als erster Nationalpark Deutschlands eröffnet. Nach einer Erweiterung im Jahr 1997 hat er eine Fläche von rund 240 Quadratkilometern und bildet zusammen mit Tschechiens Nationalpark Šumava eines der größten Schutzgebiete Europas.

ANREISE Mit dem Auto von München über die A92 bis Deggendorf, auf der A3 weiter bis Ausfahrt Henggersberg und auf der B533 Richtung Freyung/Grafenau, dann auf der B 85 Richtung Regen, bei Eppenschlag rechts Richtung Spiegelau. Entfernung von München: rund 200 Kilometer. Mit der Bahn erreicht man Spiegelau von München Hbf aus mit zweimaligem Umsteigen in rund 3 Stunden.

FREIE FAHRT Mit dem Gäste-Umweltticket (GUTi) können Urlauber, die in den teilnehmenden Gemeinden Bayerisch-Eisenstein, Frauenau, Grafenau, Hohenau, Neuschönau, Schönberg, Spiegelau und St. Oswald-Riedhütte übernachten, mit ihrer Gästekarte mit dem GUTi-Logo kostenlos Busse und Bahnen im Tarifgebiet des Bayerwald-Tickets nutzen. Informationen dazu im Internet unter www.bayerwald-ticket.com.

UNTERKUNFT Wer mit der Bahn anreist, bekommt im Landhotel Tannenhof in Spiegelau bis zu 40 Prozent Ermäßigung auf die Zugfahrkarte. Ü/F kosten ab 45 Euro pro Person (im DZ), bei der „Sommerfrische-Pauschale“ (bis 5. September) kosten 7 Ü/HP ab 349 Euro pro Person; Landhotel Tannenhof, Auf der List 27, 94518 Spiegelau, Tel. 085 53/97 30, www.landhotel-tannenhof.de.

Ideale Ausgangsbasis für sportliche Betätigungen im Sommer und Winter (Mountain­biken, Skilanglauf) ist das Hotel und Wald­gasthof Scharnagl. Ü/F ab 35 Euro pro Person; Hotel und Waldgasthof Scharnagl, Zwieslerwaldhaus 2, 94227 Lindberg, Tel. 099 25/262, www.hotel-scharnagl.eu.

Ein Schnupperwochenende im Wildniscamp am Falkenstein findet vom 10. bis 12. September statt. Dabei wird in einer der Themenhütten übernachtet. Preis: 80 Euro mit Vollverpflegung; Info: Waldzeit e.V., Reutecker Str. 21b, 94518 Spiegelau, Tel. 085 53/92 06 52, www.waldzeit.de.

KINDER

WALDSPIELGELÄNDE in Spiegelau: Parkplätze Nähe Bahnhof, Führungen unter Tel. 07 00/00 77 66 55, www.nationalpark-bayerischer-wald.de.

BAUMWIPFELPFAD in Neuschönau, geöffnet täglich ab 9.30 Uhr, Eintritt 8 Euro, Kinder (6 bis 17 Jahre) 6 Euro. Tel. 085 58/97 40 74, www.baumwipfelpfad.by.

FREILICHTMUSEUM in Finsterau: geöffnet Mai bis Sept. täglich 9 bis 18 Uhr, Oktober bis 17 Uhr, Eintritt: 4 Euro, Kinder 2 Euro. Gruppenführungen (auch speziell für Kinder) nach Anmeldung, Preis: 32 Euro (plus Eintritt). Angeboten werden auch Kurse, z.B. „Backen für Kinder“ für Gruppen ab 14 Kindern (ab 4 Jahre), Preis: 3,50 Euro pro Person; Tel. 085 57/ 960 60, www.freilichtmuseum.de.

FALKENSTEIN Zum Nationalparkzentrum gehören die Steinzeithöhle, das Tierfreigelände (mit Wölfen, Luchsen, Wildpferden und Wildrindern) und das Haus zur Wildnis (mit Info-Ausstellung und 3D-Kino); geöffnet täglich ab 9.30 Uhr, Eintritt frei, Parkgebühr fürs Auto. Tel. 099 22/500 20, www.nationalpark-bayerischer-wald.de.

REISETYP Zurück zur Natur, das erdet jeden Großstadtmenschen. Kinder sind begeistert über Tiere, die sie sonst nur aus Büchern kennen, und über Nächte im Schlafsack. Das Leben kann so einfach schön sein.

AUSKUNFT Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Freyunger Str. 2, 94481 Grafenau, Tel. 085 52/960 00, Internet: www.nationalpark-bayerischer-wald.de.

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