NVV-Geschäftsführer Dippel über den Zustand von Bahnhöfen 

Wolfgang Dippel.

Kassel. Die Aktion Bahnhofstest unserer Zeitung fördert in diesen Tagen einen teilweise beklagenswerten Zustand von Haltepunkten und Bahnhöfen in Nordhessen zutage.

Wolfgang Dippel ist seit 2007 Geschäftsführer des NVV. Zuvor war der 61-Jährige unter anderem sechs Jahre lang Bürgermeister der Stadt Bebra (Kreis Hersfeld-Rotenburg). Das NVV-Streckennetz ist 7113 Kilometer lang und es gibt etwa 4840 Bahnhöfe, Haltepunkte und Bushaltestellen.

Während die Bahnstrecken im Auftrag des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) befahren werden, hat er fast keine Möglichkeit, die Situation an den Stationen zu verbessern. Darüber sprachen wir mit NVV-Geschäftsführer Wolfgang Dippel. Viele Bahnhöfe im NVV-Gebiet sind neu gestaltet worden, andere befinden sich in einem erbärmlichen Zustand. Woran liegt das?

Wolfgang Dippel: Es liegt vor allem an den Eigentumsverhältnissen. Ein kleinerer Teil der Bahnhöfe gehört noch der DB-Tochter Station&Service, die meisten jedoch der Immobiliengesellschaft Pat-ron Elke S.a.r.l. in Luxemburg. Ein weiterer Teil gehört Kommunen oder privaten, ortsansässigen Investoren. Sie haben die Bahnhöfe gekauft.

Gibt es dennoch Chancen für den NVV einzugreifen?

Dippel: Bei letzteren kann der NVV beratend aktiv werden, die Planung für die Modernisierung unterstützen und Konzepte für die Nutzung entwickeln, die den Fahrgästen zu Gute kommen. Alle anderen Bahnhöfe liegen in der Verantwortung der privaten Immobiliengesellschaft oder von DB Station&Service, die leider in der bekannten Weise damit umgehen.

Gibt es positive Beispiel?

Dippel: Ja. So geschehen unter anderem in Bad Wildungen, Bad Arolsen, Grebenstein oder Ahnatal-Weimar.

Welchen Einfluss hat der NVV überhaupt auf die Gestaltung von Zug-Stationen?

Dippel: Wir können dann aktiv werden, wenn Geld von Dritten zur Verbesserung der Station bzw. der Anlagen fließt. Das sind einmal die Gelder, die von den schon benannten Kommunen und/oder privaten Investoren fließen, um die Gebäude zu kaufen und zum anderen die Finanzmittel vom Land, die für die Sanierung und Attraktivierung der Station ergänzend bereitgestellt werden. Weder DB Station&Service noch Patron Elke S.a.r.l. investieren in nennenswertem Umfang in die Gebäude.

Wo können NVV-Kunden in überschaubarem Zeitraum mit Verbesserungen an Stationen rechnen?

Dippel: Wir planen zurzeit die Modernisierung des Bahnhofes Bebra. Dort sollen 2013 die Fahrgäste von deutlichen Verbesserungen profitieren. In Volkmarsen ist die Kommune auch sehr aktiv, sodass wir 2011 mehr anbieten können und in Melsungen wird es 2012 so weit sein, dass der Bahnhof alles bietet, was ein Reisender benötigt.

Und das war es dann auch schon?

Dippel: Das muss nicht das Ende sein. Wir stehen auch anderen Städten und Gemeinden mit unserem Wissen zur Verfügung, die an ihrer Bahnhofssituation etwas ändern wollen und sich mit dem Gedanken tragen, die Gebäude zu kaufen.

Gab es auch Geld für die Modernisierung von Strecken in Nordhessen?

Dippel: Landesmittel flossen beispielsweise in die Modernisierung von Strecken Richtung Wolfhagen und Korbach, den Streckenneubau zwischen Eschwege und Eschwege-West oder aber für mobilitätsgerechten Zugang von Stationen, die eine bestimmte Fahrgastzahl erreichen.

Von Jürgen Umbach

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