Die Kykladeninsel Milos wurde vom Massentourismus verschont und präsentiert sich sehr entspannt

Im besten Sinne griechisch

Blaue Stunde: Die Sonnenuntergänge auf den Kykladen sind berühmt – auf Milos kann man sie im Gegensatz zu Mykonos oder Santorin allein und in aller Ruhe genießen. Foto: Kiehl

Der kleine Mietwagen steht am Kai bereit, mit einem Namensschild im Fenster. Den Schlüssel hat die Autovermietung gleich im Schloss stecken lassen. So ist schon bei der Ankunft am Hafen von Milos zu spüren: Hier funktionieren manche Dinge etwas anders. Vier Fährstunden von Athen entfernt und von den Reiseveranstaltern weitgehend ignoriert, hat das Leben auf dieser Kykladeninsel einen eigenen Rhythmus. Langsamer, entspannter, überschaubarer. Und ja, im besten Sinne: griechisch.

Milos ist die am besten versteckte Schönheit der Kykladen. Durch einen Vulkanausbruch vor zwei bis drei Millionen Jahren entstanden, ist die Insel von schroffen Felsen geprägt, zwischen denen sich winzige Strände verstecken. Kleine Häfen und die Inselhauptstadt Plaka, die sich wie ein blendend weißes Band um einen Berg schlängelt, machen die Insel zu einer Entdeckung für Urlauber, die die Kykladen jenseits der klassischen Routen erfahren wollen.

Der Tourismus ist nicht die Haupteinnahmequelle

Milos ist dank der reich vorhandenen Bodenschätze eine organisch gewachsene, sich weitgehend selbst versorgende Insel. Der Tourismus ist für die meisten Inselbewohner nur ein Nebenerwerb. Und das tut der Atmosphäre gut: Milos erfrischend entspannt.

Andreas Mallis, Fischer und Zimmervermieter, bietet Tagestouren auf seinem umgebauten Kutter an, denn die schönsten Seiten von Milos sind nur vom Wasser aus zu sehen: Die steil ins Meer abfallenden Gesteinsformationen in vielen Farben, die Höhlen mit türkis-blauem Wasser, die versteckten Badebuchten. Dort wird dann zur Mittagszeit Pause gemacht.

Die Zutaten für ein Picknick am feinen Sandstrand hat Andreas’ Frau Brigitte eingekauft. Zubereitet wird das Essen vom Kapitän und den Ausflüglern selbst. Über mehrere Sprachgrenzen hinweg wird Gemüse für den Salat geschnippelt, Fleisch gegrillt, Saucen gerührt - und schließlich gemeinsam genossen.

Wer am Abend noch nicht allzu müde ist, fährt nach Plaka und macht eine kurze Wanderung zum Kástro-Hügel oberhalb der Altstadt. Der Platz vor der weißen Gipfel-Kapelle bietet einen konkurrenzlos schönen Blick auf den Sonnenuntergang. Im Gegensatz zu den großen Kykladeninseln, wo Sonnenuntergänge ein Massenspektakel sind, sitzt man hier stets in der ersten Reihe. Zwischen ein paar Pärchen und Hobby-Fotografen ist viel Raum, Zeit und Stille für den fantastischen Ausblick.

Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt der Abstieg nach Plaka. In den Tavernen der verwinkelten Gassen des traditionellen Dorfes sitzt man auf den wackligen Holzstühlen und isst gemeinsam mit jungen Paaren, Großfamilien aus dem Dorf und ein paar Touristen, was die Insel hergibt. Kaninchen in Zitronensauce oder Lamm mit Milos-Käse, zum Beispiel. Hier zeigt sich die griechische Küche wie auch Milos selbst von der besten Seite: ohne Schnickschnack, doch gerade in dieser Einfachheit sehr wohltuend.

Von Annette Kiehl

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