Tasmanischen Teufel in freier Wildbahn erleben – Paradies für Naturfreunde und Wissenschaftler

Besuch bei einem kleinen Teufel

Tasmanischer Teufel: Mit den langen Barthaaren erspürt er Beute in der nahen Umgebung und seine Konkurrenten beim Kampf um Aas. Außerdem kann er gut hören und riechen. Fotos: Hippe

In einer kleinen Fischerhütte warten die Urlauber auf den Teufel. Plötzlich knurrt es aus dem Babyphone im Regal. Auf Zehenspitzen schleicht Teufelforscher Geoff zum Fenster und winkt den Besuchern – sie sollen ihm folgen. Draußen steht ein welpengroßes Raubtier vor dem Kanguru-Kadaver. Sein Fell ist pechschwarz. Nur am Hals trägt er ein weißes Lätzchen. Die Barthaare zittern vor Erregung. Er wittert zur Sicherheit noch mal nach links und nach rechts. Dann gräbt er seine Schnauze unter das Fell und reißt blutige Brocken Fleisch heraus.

Vor einigen Jahren ließ Geoff King seinen Landbesitz im Nordwesten Tasmaniens auf ewig als geschütztes Reservat eintragen. Denn das Gebiet ist ein Paradies für zahlreiche Beuteltiere und Vogelarten. Außerdem interessiert sich jeder Archäologe für den Landzipfel, denn vor 35 000 Jahren besiedelten die ersten Menschen die Küste Tasmaniens – die Aborigines ritzten Figuren in die Felsen.

Einsamer Naturstrand

Die 335 Hektar große Landzunge liegt am Rande der Welt – 18 Kilometer von der westlichsten Siedlung Tasmaniens entfernt. Am Strand hat die Natur Felsbrocken hingewürfelt, die jetzt den Peitschenhieben der tobsüchtigen Wellen trotzen.

Die alte Fischerhütte von Geoff steht einen Kängurusprung vom Wasser entfernt zwischen Felsen versteckt. Um dahin zu gelangen, rumpelt der Jeep über eine Sandpiste. Danach geht es nur noch querfeldein.

Zwischen kniehohen Grasbüscheln lugen Pademelons und Wallabies hervor. Sie schauen schüchtern herüber, spitzen die Ohren, um dann elastisch wie Flummibälle davon zu hüpfen.

Geoffs Besuchertour über das Gelände dauert vier bis fünf Stunden inklusive Vogel- und Teufelbeobachtung. „Eigentlich nehme ich den Hungrigen nur ein wenig Arbeit ab“, sagt Geoff, der mittlerweile Präsident der Umweltschutzorganisation Conservation Trust ist. „Die Aasfresser würden sich sonst ihr Futter selbst von der Straße holen. Dabei riskieren sie natürlich, überfahren zu werden.“

Früher hatten die Einheimischen auf Tasmanien große Angst vor dem Beutelteufel, vielleicht weil er im Kampf um Nahrung sogar seine Artgenossen beißt. Heute aber ist der Teufel nun der Stolz der Insel und hat auch Maskottchen-Rang erworben.

Von Monika Hippe

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