Peru: Der Sonnentempel von Ollantaytambo ist weniger überlaufen als die Ruinen von Machu Picchu

Zu Besuch im Heiligen Tal

Sie liebt das Allgäu und mag deutsche Männer. Doch als Peruanerin liebt sie auch das Hochland der Anden und kennt sich aus mit der Kultur der Inkas. Luz Maria Lazo besuchte in Lima eine deutsche Ordensschule und spricht perfekt Deutsch. Luz ist eine Grenzgängerin zwischen den Kulturen. Hier das Peru der Gegenwart und seine reiche kulturelle Vorgeschichte, dort ihr Wissen um die deutsche Kultur aus ihrer Ehe mit einem deutschen Fotografen.

Jeder, der mit ihr reist, begibt sich auf einen Lehrpfad durch die Jahrhunderte. Wie jetzt auf der Fahrt durch das Valle Sagrado de los Incas, das Heilige Tal.

Coca-Tee gegen die Höhenkrankheit

In 3360 Metern Höhe scheint die Sonne intensiv und die Luft wird dünner. „Eine Tasse Coca-Tee hilft sofort“, preist Luz dringend das Wundergetränk gegen die Höhenkrankheit an. Und tatsächlich: Die Atmung stabilisiert sich, neue Energien werden frei. Der Kleinbus schlängelt sich am Rio Urubamba entlang. Am Straßenrand laufen Frauen mit ihren typischen Zylinderhüten und tragen ihre Säuglinge auf dem Rücken. Ihre Zöpfe sind zusammengebunden, ihre Kleider schillern in allen erdenklichen Farben.

In der Ferne liegen majestätisch die Gletscher des Chicon auf 5200 Metern und des Wakay Willka auf 5780 Metern Höhe. Die Straße führt vorbei an kleinen Gebirgsdörfern. Die Häuser mit Lehmziegeln bedeckt, die Fenster winzig. „So dringt die Kälte nicht ins Innere“, erklärt Luz.

In der Ortschaft Pisac ist Markt. Die meisten Stände stehen unter einem riesigen Korallenbaum. Schmuck, Textilwaren aller Art, Panflöten und Schachspiele. An der Ecke liegt Ulrikes Café. Eine Deutsche, die den besten Käsekuchen weit und breit herstellt, weiß Luz genau. Gut 300 Meter oberhalb der Ortschaft thront das Pisac der Inkas mit dem Heiligtum Intiwatana, der Sonnenwarte. „Die Indiobevölkerung hat wie die Inkas ein reziprokes Verhältnis zur Natur“, informiert Luz. Wenn sie ihr etwas geben, erhalten sie von ihr auch etwas zurück, so der weit verbreitete Glaube. Und diesen zelebrieren sie in ihren Tempeln.

Religiöses Zentrum der Inkas

Von Pisac sind es noch gut hundert Kilometer bis Ollantaytambo. „Das einzige Dorf aus der Präinka-Zeit, das noch bewohnt ist“, erzählt Luz. Es heißt, die ersten Inka-Könige hätten diesen Ort als religiöses Zentrum ausgewählt, fährt die quirlige Peruanerin fort. Vom Marktplatz aus verteilen sich Gruppen von Besuchern auf das terrassenförmig angelegte Areal, dahinter runden die Spitzen des Massivs von El Dedo das Panorama ab. Millimetergenau aufeinander getürmte Steinquader bilden die Überreste der Tempelanlage. „Tausende von Arbeitern haben das bis zu 200 Tonnen schwere Pucar Pucar Gestein aus dem kilometerweit entfernten Steinbruch her transportiert und jahrelang bearbeitet“, erklärt Luz ein weiteres Detail. Eine leichte Brise weht vom Fluss hinauf. Deutschland-Liebhaberin Luz steht angelehnt an einem Tordurchgang und blickt auf Ollantaytambo, den einzigen Ort, an dem sich die Inkas gegen die Spanier erfolgreich behaupten konnten. Ob sie jetzt auch ans Allgäu denkt?

Von Markus Howest

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