Folgefonna, Halingskarvet und Hardangervidda: Unterwegs in drei südnorwegischen Nationalparks

Wo der blaue Gletscher lockt

Schön friedlich: Ein Elch im Bärenpark bei Fla hat keine Berührungsängste. Foto: Stier

Stürmischer Wind peitscht den Regen waagrecht über das blaue Eis des Folgefonna-Gletschers im südlichen Norwegen. Ans Seil gebunden stapfen acht Eiswanderer hinter dem 25-jährigen Cleng Eikje her, rammen die Steigeisen in das Eis und stützen sich auf ihre Eispickel. Wasser schießt gurgelnd durch Löcher und Spalten talwärts über die ungeheuere Eismasse, die sich auf 30 mal 16 Kilometer bis zu 1400 Meter hoch über dem Hardangerfjord ausbreitet.

Normalerweise dauert der Marsch über den drittgrößten und südlichsten Gletscher Norwegens bis zu vier Stunden. Bei dem kalten Schauer an diesem Hochsommertag ist diesmal aber schon nach einer Stunde Schluss, die Gruppe flieht ins Tal, um sich im Besucherzentrum von Jondal in die einzigartige Welt des knapp 5000 Jahre alten Folgefonnas entführen zu lassen. In Jondal scheint schon wieder die Sonne, bei angenehmen 23 Grad trocknen die Klamotten.

Die Outdoor-verrückten Norweger weigern sich, ihr Streben in die schöne Natur vom Wetter abhängig zu machen. Wer zu Besuch kommt, sollte es den Einheimischen einfach gleich tun.

Holzhäuser und Stabkirchen

Die gut 450 Auto-Kilometer zwischen der Hauptstadt Oslo und der Fjord-Metropole Bergen sind ein ideales Reiserevier, um die zahllosen Facetten des 385 000 Quadratkilometer großen Landes zu erkunden. Drei der 42 Nationalparks liegen hier so eng und gut erreichbar beieinander wie sonst nirgends in den skandinavischen Weiten.

Die Fahrt durch das liebliche Hallingdal bietet eine gelungene Ouvertüre: Rote Holzhäuser liegen wie hingetupft im satten Grün, breite Flüsse, hohe, bis in den Sommeranfang hinein schneebedeckte Berge und anmutige Stabkirchen scheinen dem Reisenden nur einen Rat geben zu wollen: Bitte keinen Stress.

Beim Wintersportort Geilo wartet schon der Nationalpark Hallingskarvet auf fußläufige Erkundung. 1933 Meter hoch ragt der Folasekardnuten in den Himmel. Die Fahrt durch den Hardangervidda Nationalpark bietet ein starkes Kontrastprogramm. 7500 Quadratkilometer misst Europas größte Hochebene, eine von Gletscher glattgehobelte, faszinierende Steinlandschaft mit 1000 Seen.

Am Ende der Hardangervidda wartet ein echtes Spektakel: Der Vøringsfossen-Wasserfall stürzt sich von zwei Seiten über 180 Meter in die enge Schlucht. Darüber steht oft ein bildhübscher Regenbogen. Das alles macht den Vøringsfossen zum meistbesuchten Naturschauspiel Norwegens.

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Hardangerfjord, der die Nordsee weit ins Landesinnere lässt und als der Obstgarten Norwegens gilt. 650 000 Kirsch-, Apfel- und Pflaumenbäume liefern hier köstliche Früchte, vielfach geschützt von ausgedehnten Dächern aus Plastikplanen.

Breite Wasserfälle

Breite Wasserfälle stürzen sich die steilen Felsenflanken hinab in den Fjord. Sie werden aus den bis zu 30 Meter dicken Eiskappen gespeist, die die Gipfel der westlichen Fjordberge bedecken. Da ist er wieder, der Folgefonna-Gletscher. Und diesmal wird er sogar von einer freundlichen August-Sonne beschienen. Na bitte, in Südnorwegen sind erfreulich-wärmende Anblicke eben nur eine Frage der Geduld.

Von Thomas Stier

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