Cap d´Antibes: Unterwegs auf den exklusivsten vier Quadratkilometern Land an der Côte d´Azur

Bonjour, Monsieur Milliardär

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Strand La Garoupe auf dem Cap d´Antibes: Hier ging Picasso gerne schwimmen – und malte mit dem Finger vergängliche Zeichnungen in den feuchten Sand. Fotos: Sobik

Abends grüßen sie einander, abends sind sie unter sich – auch wenn sie einander nicht kennen. Kurz vor Sonnenuntergang, wenn die Hitze des Tages weicht und regelmäßig leichter Sommerwind aufkommt, joggen sie mit Meerblick entlang der Küstenstraße dieser exklusivsten Landzunge der Welt.

Fotogalerie: Cap d´Antibes

Die meisten Schaulustigen sind dann verschwunden, zurück in ihren Hotels anderswo an der Côte d´Azur oder in ihren Ferienhäusern im südfranzösischen Hinterland. Wer jetzt noch hier flaniert und nicht gerade einen großen Fotoapparat vorm Bauch hängen hat, muss einfach irgendwie dazu gehören. Wie die, die nun an den schmalen Buchten ins Wasser steigen und noch eine Runde schwimmen wollen. Wie jene, die auf den Stegen kleiner Sportboothäfen hocken und den milden Abend genießen. Plötzlich grüßt jeder jeden, ruft „Bonsoir“, deutet ein Winken an. Und selbst die Verschlossensten nicken wenigsten mit dem Kopf einen hingelächelten kurzen Gruß herüber.

Abends gehört man dazu

Er kennt sie alle: Seit Mitte der 1970er-Jahre ist Michel Babin de Lignac als Concierge im Hotel du Cap Eden Roc und dafür da, seinen Gästen selbst die ausgefallensten Wünsche zu erfüllen.

Abends ist auf dem Cap d´Antibes nur noch unterwegs, wer hier in einer der gewaltigen Villen wohnt – ob als Besitzer, als dessen Mieter, ob als Gärtner oder Hausmeister. Der Status ist plötzlich egal. Und so lange der Porsche, der Rolls Royce oder der Maserati in der Garage bleibt, ist an Gesicht oder gar Sporthose sowieso nicht mehr zu erkennen, wer hier Geld hat und wer davon bekommt. Es ist die Uhrzeit, wenn das Cap d´Antibes zum Dorf wird.

Tagsüber tummeln sich hier die Schaulustigen, drehen mit dem Leihwagen ihre Runden über das nur 3,5 Quadratkilometer große Kap und hoffen, durchs halb heruntergekurbelte Fenster einen Blick auf Madonna zu erhaschen. Sie hat dort erst kürzlich für kolportiere 30 000 Euro am Tag eine 800 Quadratmeter große Villa als Ferienhaus gemietet. Oder auf Sting, der gegen Tagesgage auf ein Privatkonzert in einem dieser Paläste einflog. Oder auf die vielen Hollywood-Größen wie etwa George Clooney und Leonardo di Caprio, die im exklusiven Hotel du Cap Eden Roc absteigen. Unzählige Stars taten es vor ihm, und ein Foto von Marlene Dietrich im Liegestuhl ziert heute die Bar-Karte dort.

Was aber macht dieses Cap-Lebensgefühl aus? Was begründet diese Sehnsucht, einen kurzen Urlaub lang dazu- zugehören oder gar – mit dem nötigen Multi-Millionenvermögen ausgestattet – hier in eine Villa zu investieren wie die Bierbrauer-Familie Heineken oder der russische Oligarch Roman Abramowitsch?

Mehr noch als der Klang der Adresse ist es dieses Licht, diese Luft. Es ist das Sirren der Zikaden, dieses kitschige Rosa über dem Wasser bei Sonnenuntergang, dieser salzige Geschmack auf den Lippen. Es ist die relative Ruhe der Halbinsel und zugleich die Nähe zu den Hot Spots Cannes und Nizza. Und vor allem ist es die Geschichte.

Picassos vergängliche Kunstwerke

F. Scott Fitzgerald schrieb hier im Hotel „Belle Rives“, das es noch immer gibt, seinen Weltbestseller „Zärtlich ist die Nacht“. Ella Fitzgerald, Josefine Baker und Miles Davies machten hier Urlaub. Und noch einer kam fast ein halbes Jahrhundert lang immer wieder, weil die Gegend es ihm so angetan hatte: Pablo Picasso. Die Kreidezeichnungen sind weg, die er aus einer Laune heraus auf die Steine der Uferbefestigung nah am Strand skizziert hatte. Genauso wie die Figuren, die er mit den Fingern im feuchten Sand von La Garoupe auf dem Cap d´Antibes gemalt hatte. Schon die übernächste Welle nahm sie mit. Die Umstehenden waren jedes Mal entsetzt. Geblieben ist die Erinnerung – auch bei Daniela Bensimon, die heute das Strandrestaurant „César“ auf dem Cap d´Antibes betreibt, in das der Jahrhundertkünstler so gerne kam. Sie hat Zeitschriftenberichte von damals gesammelt hat, als Picasso hier ein und aus ging.

Hintergrund: Küstenweg

Immer an der Rückseite der größten Milliardärs-Anwesen entlang: Der in die Klippen geschalgene Küstenwanderweg „Chemin de Littoral“ auf dem Cap d´Antibes misst 2,7 Kilometer.

Milliardärs-Watching Wer mag, kommt den Millionären, Milliardären, Wirtschaftsbossen und Berühmtweiten näher als je zuvor, seit die Gemeinde Antibes einen 2,7 Kilometer langen Pfad in die Klippen vom Garoupe-Strand bis zur Villa Eilenroc schlagen und mit Geländern versehen ließ: Ein Teilstück des Chemin Littoral, eines für jederman offenen Weges in vorderster Küstenlinie. Die millionenschweren Anlieger, bisher exklusiv mit Meereszugang von ihren Villenterrassen aus gesegnet, mussten das hinnehmen, denn das französische Recht erklärt die Küste grundsätzlich zu öffentlichem Grund – Klippen hin oder her. Sie rüsteten Zäune, Mauern und Überwachungskameras nach. Und manchmal, zur besten Picasso-Zeit am frühen Morgen, kommt nun der eine oder andere von ihnen durchs Gartentor marschiert, um eine Runde im Mittelmeer zu schwimmen. Was er sagt? „Bonjour“ und „Wie geht´s?“ zum Beispiel, denn wer früh da ist, muss einer von hier sein und irgendwie dazu gehören. Wie die Abendspaziergänger und Sonnenuntergangs-Jogger.

Reisetipps: Bei den Schönen und Reichen an der Côte

• Anreise: Flug mit Lufthansa ab Düsseldorf, Frankfurt und München realistisch ab rd. 150 Euro nach Nizza, ab Hamburg und Köln mit Germanwings ab rd. 100 Euro. www.lufthansa.com www.germanwings.com

• Ünterkunft: Übernachtung im luxuriösen „Hotel du Cap Eden Roc“ ab rd. 510 Euro, im Zwei-Sterne-Hotel „La Jabotte“ ab 81Euro/DZ. www.hotel-du-cap-eden-roc.com www.jabotte.com

• Mobil vor Ort: Leihwagen z.B. bei Sunny Cars ab 167 Euro / Woche. www.sunnycars.de

• Literatur: Vom Autor dieses Beitrags ist der Band „Picasso an der Riviera“ (Feymedia, im Buchhandel für 49 Euro) erschienen.

• Weitere Infos: Französische Zentrale für Tourismus, Postfach 100128 in 60001 Frankfurt/M., www.rendezvousenfrance.com und www.antibes- juanlespins.de

Von Helge Sobik

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