Auftanken und Durchatmen: Mit dem E-Bike durch das Oldenburger Münsterland

Boxenstopp in der Speisekammer

Der erste Stopp heißt Dümmer See. Aber bis dahin sind es noch zwölf Kilometer und der Nordostwind bläst kräftig von vorne. Roggen- und Weizenähren biegen sich im Wind. Also den Elektromotor einschalten und entspannt die nächste Steigung nehmen. E-Bike nennt sich das Zauber-Mobil, das Rückenwind aus der Steckdose verspricht.

Auch wenn die Dammer Berge nur Hügel sind, verblüfft die Leichtigkeit des Fahrgefühls. Ein lautloser, unauffällig integrierter Motor lässt sich am Lenkrad ein- und ausschalten und sorgt bei Steigungen für den nötigen Schub. Denn wirklich platt ist hier nur die Sprache. Plattdeutsch wird immer noch viel gesprochen im Oldenburger Münsterland, dem westlichsten Zipfel Niedersachsens.

Damit man während der Radtour Ziele vor Augen hat, wurde 2005 die Boxenstopp-route ins Leben gerufen. 115 Stationen vom Hofladen, über Hofcafés, Museen, Ferienhöfe, Gasthäuser und Hotels beteiligen sich daran. Erkennbar sind sie an den grüngelben „Boxenstopp“-Schildern. 325 Kilometer schlängelt sich die Tour durch unterschiedliche Wald-, Wasser- und Moor-Landschaften. Natürlich lässt sie sich auch mit einem herkömmlichen Fahrrad erkunden, aber wer sein Stück Schwarzbrottorte im Hofcafé auf dem Bussjans Hof in Dinklage nicht keuchend und verschwitzt genießen möchte, der ist mit einem Pedelec (Pedal Electric Cycle) gut bedient.

Ein musealer Boxenstopp ist das Museumsdorf Cloppenburg. „1934 wurde es als erstes Freilichtmuseum Deutschlands gegründet, um ländliche niedersächsische Baudenkmäler zu bewahren“, erklärt Gästeführerin Rosemarie Kneilmann. Hier erfahren die Besucher auch, wie das Oldenburger Münsterland überhaupt zu seinem Namen kam. „Schon 600 Jahre währt die Beziehung der bis heute stark katholisch geprägten Region zum Bistum Münster“, so die Gästeführerin: „Vor 200 Jahren wurden die kirchlichen Güter verstaatlicht und die heutigen Kreise Cloppenburg und Vechta unter die Herrschaft des protestantischen Großherzogs von Oldenburg gestellt. Geistliches Oberhaupt aber ist nach wie vor der Bischof von Münster.“

„Moin, Moin“

Schmale Pfade entlang der Soeste und breite Sandwege durch Mischwald und Heideflächen schlängeln sich durchs Erholungsgebiet Thülsfelder Talsperre. Torfmoos und Wollgras bedecken die weite Moorlandschaft. Das nächste Ziel ist das Moor- und Fehnmuseum am Elisabethfeenkanal in der Region Barßel-Saterland. „Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war das Saterland eine Insel im scheinbar endlosen Moor, die von außen kaum erreichbar war“, erzählt Museumsführer Egon Bass: „So entwickelte sich eine eigenständige Sprache, das Saterfriesisch.“ Heute ist das Saterland eine der kleinsten Sprachinseln Deutschlands. Doch Besucher können ganz beruhigt weiterradeln, „Moin, Moin“ wird auch im Saterland verstanden.

Von Dagmar Krappe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.