Thailand: Eine Fahrt in die Geschichte der Todeseisenbahn – spektakuläre Momente inklusive

Brücke am Kwai ohne Drehbuch

Im Schritttempo rattert die schwere Diesellokomotive gemächlich über das in die Jahre gekommene Balkenviadukt. Menschen beugen sich kühn aus den Waggonfenstern, um diesen spannenden Moment, vorbei an schroffen Felswänden, mit der Kamera festzuhalten.

Die gut zweistündige Zugfahrt von Kanchanaburi nach Nam Tok erlebt ihren zweiten Höhepunkt. Den ersten gab es bereits zu Beginn: Eine eher unspektakulär anmutende Brückenkonstruktion aus Eisen und Beton, die aber einen weltbekanntem Namen trägt, die Brücke am Kwai. Das jetzige Bauwerk hat wahrlich nichts mehr mit der einstigen Holzkonstruktion zu tun, was der allgemeinen Begeisterung der Fahrgäste aber keinen Abbruch tut. Alles drängt sich um die offenen Fenster und pausenlos klicken Fotoapparate.

Spätestens seit dem gleichnamigen Filmklassiker ist die Brücke ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt geworden. Die Geschichte, die sich hinter der ehemaligen Verbindungstrasse zwischen Thailand und Birma verbirgt ist düster, weshalb sie auch schlicht als „Todeseisenbahn“ bezeichnet wird. Tausende Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verloren beim Bau im Zweiten Weltkrieg ihr Leben. Gedenktafeln und zwei Fliegerbomben vor der Brücke erinnern an die Schrecken des Kriegsschauplatzes, vielmehr stellt aber die Bahnlinie für sich ein Mahnmal dar.

Kurz vor der heutigen Endstation Nam Tok, etwa siebzig Kilometer nordwestlich von Kanchanaburi, bietet sich den Fahrgästen der landschaftlich schönste Abschnitt der noch verbliebenen Strecke und es wird noch einmal hektisch. Während sich der Zug an einer markanten Felswand vorbei windet, wiederholt sich im Innern das Phänomen mit dem hastigen Zücken der Fotoapparate. Linker Hand liegt das Tal in dem sich der Fluss Kwae Noi seinen Lauf geschnitten hat. Auf der rechten Seite befinden sich kleine Höhlen, in denen Kriegsgefangene früher hausen mussten und wo heute bemalte Buddhastatuen wachen.

Am Endpunkt lohnt es sich, per Bus oder Motorradtaxi zum Hellfire Pass, zu Deutsch „Höllenfeuer-Pass“ weiterzufahren. Dort wurde von den Kriegsgefangenen eine Schneise in den Berg geschlagen, um die Fortführung des Schienenweges zu ermöglichen. Die Baugeschichte ist im Hellfire Pass Gedenkmuseum dokumentiert.

Von Manuel Rhode

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