Bulgarien: Sonne und "Sauf-Tourismus"

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Sonne, Strand und Alkohol - und das zu Minipreisen: Bulgariens Urlaubsregion am Schwarzen Meer boomt.

Sonne, Strand und Alkohol - und das zu Minipreisen: Bulgariens Urlaubsregion am Schwarzen Meer boomt. Doch die ausufernden Trinkgelage von Touristen sind schlecht für das Image.

Die Branche schwankt zwischen Profitdenken und Sorge um das Ansehen des Landes. Es sind immer die gleichen Szenen im bulgarischen Slantschew Brjag, dem international bekannten “Sonnenstrand“ am Schwarzen Meer. “Sex on the Beach!“, grölen junge Urlauber bei nächtlichen Saufgelagen. “Billige Girls, billige Drinks“, freuen sich Teenager. Ein Glas Whisky von fragwürdiger Qualität für nur einen Euro. Oft kommt dazu ein Tabletten- und Drogenmix, ebenfalls zu Niedrigpreisen. Am nächsten Morgen liegt immer mal wieder ein ausländischer Tourist in der Klinik.

Der acht Kilometer lange “Sonnenstrand“ ist zum Ort des Sauf- Tourismus geworden. Die Hotelburgen sind auch in diesem Sommer proppevoll. Die betrunkenen Ausländer werden vom Personal zähneknirschend geduldet. Es sind schließlich zahlungskräftige Kunden. Ausgebucht waren im August praktisch alle großen Badeorte wie Slatni Pjassazi oder Albena weiter im Norden. “Auch im romantischen Sosopol platzten Hotels, Cafés und Gaststätten aus allen Nähten“, sagt ein einheimischer Gast.

“Die Preise fallen!“, lautete das Motto zu Saisonbeginn. Ein Urlauber kann im Drei-Sterne-Hotel schon für 15 Euro übernachten und frühstücken. Das Bier im 0,3-Liter-Glas kostet weniger als einen Euro. Die Zwischenbilanz: Mit wahrscheinlich fünf Millionen ausländischen Urlaubern wird 2010 ein Rekordjahr. Das wären zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Buchungen aus Deutschland stiegen sogar um ein Fünftel. Traditionell stellen die Deutschen etwa die Hälfte aller Urlauber aus der EU.

Sex-Knigge für Urlauber

Mädchen Po Strand
Strand, Sonne und viel nackte Haut... Doch so prickelnd die Idee auch sein mag, Sex am Strand und sogar Schmusen sind in vielen Urlaubsländern ein absolutes Tabu.  © dpa
Recht Strafe Folgen Sex Sitten Knigge
Deutschland: Freiluft-Sex fällt in Deutschland unter "Erregung öffentlichen Ärgernisses". Die Erregung wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bestraft. Dagegen gehören Schmusen und "oben ohne" Sonnen zum Strand-Alltag. In anderen Reiseländern sollten Sie sich lieber zurückhalten.  © dpa
Ägypten Strand
Ägypten ist im Hinblick auf Moralvorstellungen und Verhaltensregeln ein vergleichsweise liberales Land. Dennoch, schon knappe Bikinis gelten als unmoralisch. Sex am Strand ist strengstens verboten. © dpa
Dänemark: Hier darf fast nur die Meerjungfrau die Hüllen fallen lassen, bei Sex unter freiem Himmel drohen Haftstrafen bis zu vier Jahren. © dpa
Dubai: Schmusen, Umarmen und Streicheln - sind in der Öffentlichkeit illegal, besonders zwischen unverheirateten Partnern. © dpa
Florida: Schon zu viel nackte Haut ist in Florida verboten. 80 Prozent von Po und Busen müssen bedeckt sein. © dpa
Griechenland: Kontrollverlust durch zu viel Ouzo sollten Liebespärchen vorbeugen. Geldstrafen für Sex am Strand gibt es keine, dafür zwei Jahre Haft. © dpa
Italien: Dolce vita kennt seine Grenzen - Sex am Lido kostet 300 Euro Geldstrafe und es drohen bis zu zwei Jahren Haft.   © dpa
Auch das Tragen von Bikinis und Badehosen in Italien auf öffentlichen Plätzen ist untersagt. Bußgeld ab 200 Euro. © dpa
Japan: Allein das Knutschen auf einer Parkbank erregt im fernen Osten schon die Gemüter. Küssen darf man sich dort erst nach der Verlobung. © dpa
Kroatien: Geldstrafe von 150 Euro und bis zu 30 Tagen Haft. © dpa
Malaysia: Das malaysische Strafgesetzbuch ahndet Sex in der Öffentlichkeit mit 20 Jahren Haft und der Prügelstrafe. © dpa
Österreich: Leidenschaft im Freien kann auch hier teuer werden. 360 Tagessätze und bis zu sechs Monate Haft drohen. © dpa
Spanien: Hier kostet ein Liebesspiel am Strand bis zu 75.000 Euro... © dpa
Südafrika: Kunst am Strand von Durban sind kein Hinweis auf liberale Gesetze in Südafrika. Nacktbaden und Sex am Strand sind strafbar. © dpa
Thailand: Wer in Thailand "oben ohne" sonnt oder nackt badet, erhält ein Einreiseverbot. 500 Euro sind als Strafe für Sex am Strand vorgesehen. © dpa
Türkei: 200 Euro kostet der Spaß am Strand und bis zu zwei Monate Gefängnis. © dpa
USA: Hier sollten sich Urlauber ein Vorbild an der Freiheitsstatue nehmen und sich gut verhüllen. Denn, wer beim Sonnen auf sein Oberteil verzichtet, wird sofort eingesperrt. © dpa
Kanada: Hier droht maximal eine Verwarnung, Geldbußen sind keine festgesetzt. Mehr Reiseinfos zum Thema Sicherheit finden Sie im Internet www. auswaertiges-amt.de  © dpa
Bulgarien: Wer in Bulgarien seiner Leidenschaft nachgibt, droht maximal eine Verwarnung.  © dpa

Der Zustrom von Touristen erfreut zu Krisenzeiten auch die Regierung in Sofia. Die Branche steuert immerhin mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei. Dieser Sommer werde Einnahmen über rund 3,5 Milliarden Euro bringen, fünf Prozent mehr als im Vorjahr, erläutert Zwetan Tontschew, der die bulgarische Tourismus-Kammer leitet.

Tausende Russen dehnten im August ihren Bulgarien-Urlaub wegen der Waldbrände zu Hause aus. Auch die Nahost-Krise hilft. Nach dem türkisch-israelischen Streit um die Gaza-Flotte meiden viele Urlauber aus Israel die Türkei. Sie reisen jetzt lieber nach Bulgarien.

Doch das Balkanland könne langfristig nicht auf den Massenurlaub im Beton-Dschungel und allerlei Krisen setzen, warnen Experten. Billige Drinks, Drogen und Sex dürften das Image der Urlaubsregion nicht länger prägen.

“Mit vielen Heilquellen und antiken Kulturstätten bietet Bulgarien auch Wellness oder Bildungsurlaub“, betont Iwo Marinow, als Vize-Wirtschaftsminister in der Regierung für den Fremdenverkehr zuständig. Ein aktueller Fund von Reliquien Johannes des Täufers könnte nun auch Pilger anziehen und das antike Sosopol zum “neuen Jerusalem“ machen, schwärmen Tourismus-Strategen.

Elena Lalowa, dpa

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