Der Frankenweg verbindet auf mehr als 520 Kilometern den Frankenwald mit der Schwäbischen Alb

Burgen, Berge, Brauereinen

Nicht nur bei Wanderern ein beliebtes Ziel: Die Basilika Vierzehnheiligen ist auch ein Wallfahrtsort. Foto: tmn

Franken ist nicht gleich Franken: Die Landschaften, durch die sich der Weg schlängelt, könnten von Profil und Landschaft her kaum unterschiedlicher sein. Überwiegen im Frankenwald Kalkboden, schattige Fichtenwälder und sprudelnde Bäche, so locken in der Fränkischen Schweiz Felsformationen, Höhlen und eine enorme Dichte an Burgen und Ruinen. Auf der Fränkischen Alb zieht sich der Weg durch trockenes Gelände, auf den Felsplateaus gibt es meist keine Bäche.

Die Flora ist entsprechend karg, und nach den engen Tälern der Fränkischen Schweiz erwarten den Wanderer auf der Alb weite Ausblicke. An die Wasserlandschaft des Fränkischen Seenlandes schließt sich die Juralandschaft des Naturparks Altmühltal mit der geschichtsträchtigen Universitätsstadt Eichstätt an, bevor der Weg in Harburg am Rande der Schwäbischen Alb zum Abschluss kommt.

Auf dem Dach des Frankenwaldes

Seinen Anlauf nimmt der Frankenweg in Untereichenstein am Ufer der Selbitz, die Bayern und Thüringen trennt. Und schon am ersten Tag öffnet sich die fränkische Wander-Wundertüte: Nach dem wildromantischen Höllental, dem Wiedeturm und Aussichtsfelsen „König David“ gelangt man zum Döbraberg, dem Dach des Frankenwaldes. In der südlicher gelegenen Region trieben die Flößer einst das Holz die Wilde Rodach hinab, heute erinnern nur noch Informationstafeln und ein Museum an diesen Beruf.

Es folgen in den Tagen darauf die Lucas-Cranach-Stadt Kronach und ihre nie bezwungene Festung Rosenberg sowie die historische Frankenstadt Kulmbach. Die Tradition der heimlichen Hauptstadt des Bieres wird im Bayerischen Brauereimuseum dokumentiert. Im oberen Maintal mit der barocken Basilika Vierzehnheiligen wird ein Wanderer nach den langen Tagen der Stille jäh mit der Masse konfrontiert: Denn das gewaltige Gotteshaus aus goldgelbem Eisensandstein ist ein beliebter Wallfahrtsort.

Etliche Reisegruppen verbinden das Gebet mit einem Spaziergang zum nahen Staffelfelsen, einem Felsenkranz aus Weißem Jura. Die Aussicht über das Maintal ist großartig, der Felsen ein Kletterparadies. In Sichtweite thront die ehemalige Benediktinerabtei Kloster Banz. Entspannung bietet Bad Staffelstein mit der wärmsten und stärksten Thermalsole Bayerns.

Bizarre Welt unter der Erde

In der Fränkischen Schweiz erwarten den Wanderer bizarre Dolomitfelsen, das Wiesenttal und mehr als 1000 Tropfsteinhöhlen – darunter die Teufelshöhle und die Oswaldhöhle, durch die der Frankenweg hindurch geht. Geschichtsträchtig wird es im Übergang zur Fränkischen Alb: Burgen und Ruinen reihen sich hier aneinander wie Perlen einer Kette, darunter Burg Hohenstein und das Wasserschloss in Pilsach.

In Berching mit seiner fast vollständig erhaltenen Stadtmauer scheint die Zeit still zu stehen, während gleich nebenan der Main-Donau-Kanal den alten Ludwig-Main-Donau-Kanal abgelöst hat. In der Gegend um Thalmässing im Fränkischen Jura finden sich Spuren der Kelten, die ehemalige Reichsstadt Weißenburg mit ihren Thermen und dem Kastell Biriciana erinnert an die Römer. In Treuchtlingen kreuzen sich der Franken- und der Panoramaweg durch das beschaulichere Altmühltal.

Oberpfälzischer Patriotismus

Das Qualitätssiegel „Wanderbares Deutschland“ zeichnet die Strecke für ihre hohe Qualität bei der Streckenführung, dem Profil und Wegbelag sowie der Beschilderung aus. Doch es gibt Unterschiede: Während die Ausschilderung des Frankenwegs in der ersten Hälfte lückenlos ist, lässt sie vor allem auf der Frankenalb immer wieder zu wünschen übrig. Jäh steht ein Wanderer ohne gute Karte an der einen oder anderen Kreuzung buchstäblich im Wald, weil die lange vertrauten Schilder mit dem roten Querbalken auf weißem Grund fehlen, zugewachsen oder verblichen sind. „Das ist oberpfälzischer Patriotismus“, unkt die Besitzerin eines Gasthofs im mittelbayerischen Reinwarzhofen. „Einigen Leuten dort passt es nicht, dass der Weg Frankenweg heißt, obwohl er ja auch durch die Oberpfalz geht.“ (tmn)

Von Martin Oversoh

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