In der Fränkischen Schweiz halten zahlreiche Burgen die Erinnerung an das Mittelalter lebendig

Burgen, Gaukler, Zinnsoldaten

Viel fahrendes Volk hat vor der Burg halt gemacht: Krämer, die allerhand Gewänder, Kopfbedeckungen und Ledertaschen feilbieten, Zinngießer, Drechsler, Korbflechter, Puppenspieler und Feuerschlucker. Auch Jongleur Bald Anders, der sein Publikum mit einer Messer-Nummer unterhält, ist unter den 400 Akteuren. Es ist wieder Mittelaltermarkt auf Burg Rabenstein in der Fränkischen Schweiz.

„Seit zehn Jahren schlüpfe ich in die Rolle der Sagengestalt aus dem 16. Jahrhundert“, sagt Sönke Jädicke. Im wirklichen Leben ist er Heimerzieher und Zirkuspädagoge, aber zweimal im Jahr lagert er vor den Jahrhunderte alten Gemäuern.

Burg Rabenstein ist eine von über 90 Burg- und Schlossanlagen entlang der Burgenstraße, die sich auf fast 1200 Kilometern Länge zwischen Mannheim und Prag erstreckt. Vor knapp 60 Jahren wurde die Route ins Leben gerufen. Ungefähr auf halber Strecke befindet sich die Fränkische Schweiz. Steile, weiße Jurakalkfelsen, Tropfsteinhöhlen und Obstwiesen prägen die Landschaft.

Im Mittelalter entstanden Burgen als Wohn- und Wehrbauten. Doch die Zeiten der Belagerungen und Verteidigungen sind längst Geschichte. Heute sind die alten Gemäuer Kulturdenkmäler. Sie dienen als Museen, Verwaltungseinrichtungen, Jugendherbergen oder geben Feierlichkeiten den passenden Rahmen. Manche – wie Burg Pottenstein – werden auch ganz privat genutzt. Seit 1918 nennt Familie von Wintzingerode aus dem thüringischen Eichsfeld diese Burg ihr Zuhause. „So ein Besitz ist Lust und Last zugleich“, meint Burgherr Thilo Freiherr von Wintzingerode.

Zwei Kleinstädte, über denen wuchtige Festungen wachen, sind Kronach und Kulmbach nördlich von Bayreuth. „Als das Schießpulver erfunden wurde, hielten herkömmliche Burgmauern nicht mehr Stand“, erklärt Museologe Alexander Süß: „Sie wurden zu Festungen mit mächtigen Wehranlagen ausgebaut. Auf der Festung Rosenberg in Kronach gibt es bis zu 14 Meter dicke Mauern.“ Während des Ersten Weltkriegs diente Rosenberg als Gefangenenlager. Der berühmteste Insasse war Charles de Gaulle. Längst sind fröhlichere Zeiten hinter den stabilen Mauern eingekehrt. Es werden Hochzeiten gefeiert, Messen, Märkte und Konzerte organisiert oder Ausstellungen gezeigt.

Zum Spielen und für die Schlachtplanung

Das Deutsche Zinnfigurenmuseum hätte keinen passenderen Ort als die Hohenzollernfestung Plassenburg in der Bierstadt Kulmbach wählen können. Denn auch wenn es Tier-, Märchen- und Schachfiguren, Häuser, Schiffe und Alltagsszenen aus der silberfarbenen Legierung gibt, so ist der Zinnsoldat, der in den Kampf zieht, doch die Hauptgestalt. Die Renaissance-Burg beherbergt die größte Zinnfigurensammlung der Welt. „300 000 Einzelfiguren in traditioneller flacher Form oder als Vollplastiken sowie 150 Dioramen (szenische Darstellungen) können wir zeigen“, sagt Museumsleiterin Astrid Fick: „Zinnfiguren dienten Kindern als Spielzeug und Herrschern zur Schlachtenplanung.“ Seit Anfang des 20. Jahrhunderts sind sie begehrte Sammlerobjekte. Alle zwei Jahre findet in Kulmbach eine Zinnfigurenbörse statt. Die Nächste ist im August 2013. Allerdings nicht auf der Burg, sondern ganz neuzeitlich im Zelt.

Von Dagmar Krappe

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