Slow Skiing oder Spaß und Action am Berg? Die Graubündner Region Davos/Klosters bietet beides

Champagnerluft und Zauberberge

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Süßes, sonniges Nichtstun: Auch wer kerngesund ist, genießt die bequemen Balkonliegen im ehemaligen Sanatorium Schatzalp.

Slow Skiing oder Spaß und Action am Berg? Die Graubündner Region Davos/Klosters bietet beides.

Ringsum glitzerndes Weiß, in Himmelblau getaucht. Einmal tief Luft geholt und man ist betrunken. Dem Zauber der Bergwelt verfallen. In Klosters gibt es reichlich Zauberberge. Zum Beispiel Vereina und Silvretta. Der Sage nach sind sie zu Eis erstarrte Feen. Klosters hütet seine Legenden – und Geheimnisse. Prinz Charles ist wieder da? Jeder weiß es. Und behält es für sich. „Klosters ist dörflich“, sagt Tourismusfrau Aurelia Schmid, „ohne Champagnerklima!“ Das schätzen viele Prominente und genießen ihren Urlaub ungestört.

In Davos ist das anders. „Ich liege hier und zahle den vollen Preis. Ich will auch etwas haben von dem, was geboten wird“, forderte schon Hans Castorp, Protagonist des „Zauberbergs“. Den Blick auf Jakobs- und Rinerhorn hatte er gratis, egal, ob vom heutigen Waldhotel oder der Schatzalp aus – beides ehemalige Sanatorien, die darum wetteifern, für Thomas Manns Roman Modell gestanden zu haben.

Am Jakobshorn ist richtig was los. Freestyler wirbeln über die Halfpipe. War vor 80 Jahren der erste Bügelskilift der Welt die Attraktion, ist es heute der Funpark. In die Anfänge der Davoser Sport-Geschichte führt ein Besuch des Wintersportmuseums. Man schmunzelt und staunt über ellenlange Holzskier oder Damenkostüme des 19. Jahrhunderts.

Damals trainierten die Brüder Branger bei Nacht und Nebel, aus Angst, ganz Davos könnte sich lustig machen über ihre Versuche, Skier nicht nur zu nutzen, um von A nach B zu kommen, sondern um – komplett sinnfrei – Abhänge hinunter zu fahren. Das war um 1890. Da boomte Davos schon, allerdings kamen weniger Winterurlauber als vielmehr Tuberkulose-Patienten, die sich von der Höhenluft Heilung versprachen. Welche Therapien vor der Erfindung des Penicillins angewandt wurden, erschließt sich schaurig im Medizinmuseum.

Nachdem Johann und Tobias Branger ganz offiziell die – damals siebenstündige – Tour von Davos nach Arosa bewältigt hatten, kam der Tourismus in Schwung. Denn der Schriftsteller Arthur Conan Doyle hatte Blut – vielmehr – Schnee geleckt. Er begleitete die beiden und machte Davos und Klosters zum Traumziel seiner britischen Leser.

Auch Rodeln ist in Davos Ehrensache, denn von hier kommt der Schlitten gleichen Namens. Vom Hotel Schatzalp sind es 18 Kurven hinunter in den Ort. Und oben, auf über 1800 Metern, gibt es für alle, die überfüllte Pisten meiden, ein kleines, ruhiges Skigebiet mit Naturschnee „und Champagnerluft!“, versichert Hoteldirektor Mark Linder. Was heute Slow Mountain heißt, kannte schon Hans Castorp. Er schätzte in Davos „die Stille, wenn er regungslos stehen blieb, um sich selbst nicht zu hören.“

Von Cornelia Raupach

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