Ein Spaziergang auf den Spuren der Neunten Kunst

Comicfieber in Brüssel

Alte Comics, neue Darstellung: Dieser flotte Page hält im Comicmuseum einen Bildschirm, auf dem unter anderm Comicfilme von Gaston Lagaffe zu sehen sind.

Belgien gilt als Land mit der größten Dichte an Comic-Zeichnern pro Quadratkilometer. Rund 800 von ihnen zählt das Königreich heute. Von ihrer Schaffenskraft zeugen immer neue Alben, aber auch riesige Wandbilder in Brüssel. Da tummeln sich Tim und Struppi, aber auch die Schlümpfe, Spirou oder Lucky Luke. Auch Gaston, Marsupilami sowie Blake und Mortimer haben dort ihren Platz gefunden. An mehr als 50 Hauswänden finden sich Comicszenen in allen Größen, Farben und Formen. Das Gros der überdimensionierten Bilder ist über den Parcours Bande Dessiné, einen sechs Kilometer langen Comic-Rundgang, miteinander verbunden.

„Comics gehören zur belgischen Lebensart wie Pommes und Bier“, sagt Albrecht Paul Sanders, der seit drei Jahrzehnten in Belgien zuhause ist. Der gebürtige Niederländer zeigt seit sechs Jahren als Stadtführer Interessierten die schönsten Ecken von Brüssel.

„Der Rundgang vermittelt zugleich ein Gespür für die Stadt und ihre Menschen“, schwärmt Sanders, der bei seinen Touren auch jene Gegend diesseits des Kanals Brüssel-Charleroi einbezieht, die im Volksmund „Klein-Afrika“ heißt. Jenseits der Wasserstraße muten das ehemalige Hafenviertel und die Chaussee de Gand wie ein Stück lebendiges Afrika mitten in Brüssel an. Hier findet das Leben auf der Straße statt. Männer und Frauen – vornehmlich aus Nordafrika – sitzen auf Bänken, lehnen an Hauswänden, trinken Tee und diskutieren lautstark.

Comics im Kaufhaus

Einen jähen Kontrast dazu bildet die Rue des Sables, die als Mekka der Comic-Liebhaber gilt. Dort befindet sich seit dem Jahr 1989 in einem ehemaligen Kaufhaus das Centre Belge de la Bande Dessinée, das den meisten schlicht als Comicmuseum bekannt ist. Entworfen wurde der Prachtbau von Jugendstil-Meister Victor Horta. Das Comiczentrum nennt rund 8000 Original-Zeichnungen sowie zahllose Entwürfe sein eigen, die im Wechsel gezeigt werden. Zum Comic-Zentrum gehören auch ein Lesesaal sowie die größte Comics-Bibliothek der Welt.

Gegenüber liegt mit dem Marc Sleen Museum ein weiteres Museum über die Neunte Kunst, das 2009 seine Pforten öffnete. Dieses ist ganz dem Leben und Werk des inzwischen 90-jährigen Marc Sleen gewidmet. Und während in wenigen Hundert Metern Luftlinie eine überlebensgroße Figur von Gaston Lagaffe auf die Museen aufmerksam macht, hält das Moof in der Galerie Horta 2500 Comicfiguren, Cover von Alben, Rohzeichnungen von Comic-Helden vor sowie einige Accessoires großer Zeichner wie Goscinny oder Peyo bereit.

Derweil beheimatet das Village de la Bande Dessinée eine der größten Comic-Buchhandlungen Europas. Im angeschlossenen Comiccafé ist Lesen am Tisch nicht unhöflich, sondern fast schon Pflicht. Überall liegen stapelweise Alben herum, während Comicfiguren die Wände zieren. Spätestens beim Genuss eines Obelix- oder Popeye-Burgers erfahren auch Nicht-Comicliebhaber, wie die Neunte Kunst schmeckt. Und wer sich selber mal als Teil eines Comics sehen möchte, kann sich ab 99 Euro in der Image au Carré Art Gallery als Comicfigur zeichnen lassen.

Von Karsten-Thilo Raab

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