Seit einem Jahr kann man ab Düsseldort direkt auf die Insel in der südlichen Karibik fliegen

Curaçao ist mehr als blauer Likör

So stellt man sich die Karibik vor: Südöstlich liegt Klein Curaçao, eine besonders bei Tauchern beliebte unbewohnte Insel, auf der nur ein Leuchtturm steht. Die Urlauber Rafael und Gina machten eine Katamaran-Tour mit der Jonalisa (Hintergrund) zu dem Traumstrand. Fotos:  Pflüger-Scherb

Siebenundneunzig Prozent der Deutschen sollen vor geraumer Zeit noch gedacht haben, Curaçao ist ausschließlich ein blauer Likör. Nur drei Prozent hätten gewusst, dass es sich um eine Insel in der Karibik handelt, erzählt Gathim Kabara.

Daran will der Chef des Tourismusverbands von Curaçao natürlich etwas ändern. Von den 700 000 Touristen, die pro Jahr die Insel besuchten, kämen mittlerweile 10 000 aus Deutschland. Tendenz steigend. Seit einem Jahr gibt es einen Direktflug von Düsseldorf nach Willemstad, der Hauptstadt der Insel.

„Curaçao ist nicht die typische Karibikinsel mit Sand und Meer. Wir sind die Insel der Musik“, schwärmt der Tourismuschef. „Wir werden geboren, und wir tanzen.“ Reggae, Bossanova, Mirenge, Salsa, Rock‘n‘Roll – in so gut wie jeder Bar und jedem Club wird mit Einbruch der Dunkelheit musiziert.

Umweltschützer im Kajak

Ryan De Jongh ist einer, der fast immer unterwegs ist, allerdings auf dem Wasser. Der Extremsportler paddelt mit seinem Kajak in der ganzen Karibik. 22 Tage brauchte er zum Beispiel, um die 1000 Meilen von St. Martin auf dem Meer nach Curaçao zu bewältigen. Mit Ryan De Jongh lernt man die Insel vom Wasser aus kennen. Der 42-Jährige bringt den Menschen bei seinen Touren den Umweltschutz nahe. Er unterstützt zudem eine Stiftung, die die Mangrovenwälder, das sind Bäume, die in Salzwasser leben können, auf der Insel wieder aufforstet.

De Jongh und seine Mitstreiter haben in den vergangenen Jahren Millionen von Bäumen gepflanzt. Warum sind die so wichtig? „60 Prozent der heimischen Fische brüten in den Mangroven ihre Eier aus. Wenn es nicht ausreichend Fische gibt, dann gibt es zu viele Algen. Und die ersticken wiederum die Korallen.“ Der Schutz der Korallen ist nicht nur für das Ökosystem wichtig. „Die meisten Taucher kommen zu uns wegen der Korallenvielfalt“, sagt De Jongh.

In Curaçao gibt es mehr als 60 Tauchplätze. Wer kilometerlange Strände erwartet, wird allerdings enttäuscht. Da die Insel ein Berg und keine Sandbank ist, gibt es an der Südküste viele Buchten und kürzere Strände. Die Nordküste der Insel ist schroff und felsig. Ein Traum - und deshalb die etwa dreistündige Bootstour wert - ist ein Abstecher nach Klein Curaçao. Die unbewohnte Insel, auf der nur ein Leuchtturm und ein paar Hütten stehen, besticht durch einen weißen Strand und kristallklares Wasser. Ein Paradies nicht nur für Taucher im karibischen Meer.

„Der Platz, an dem Du Dich zu Hause fühlst“, lautet die Übersetzung von „Den Paradera“. In der Tat ist der Kräutergarten von Dinah Veeris ein Platz zum Wohlfühlen. Das mag auch an der Ausstrahlung der „Kräuterhexe“ von Curacao liegen. Wer ein Wehwehchen hat, ist bei der 72-Jährigen an der richtigen Adresse. In ihrem botanischen Garten wachsen über 300 heimische Pflanzen. Daraus braut Dinah Veeris Mittel gegen Kopfschmerzen, Blattläuse, Schnupfen, Husten und Haarausfall. Man muss dieser Frau einfach glauben, dass ihre Medizin wirkt.

Bunte Häuser gegen Kopfschmerzen

Weil er angeblich von der Kombination aus grellem Tropenlicht und weiß gestrichenen Kolonialhäusern in Willemstad Migräne bekam, verordnete Gouverneur Albert Kikkert der Hauptstadt im frühen 19. Jahrhundert eine Farbenkur. Später stellte sich heraus, dass der Gouverneur nicht unter Kopfschmerzen litt, sondern nur ein tüchtiger Geschäftsmann war. Er besaß eine Farbenfabrik. Bis heute hält aber der bunte Brauch an, die Häuser zum Jahresende neu zu streichen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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