Namibia hat mehr zu bieten als Sonne, Safari und Sanddünen

Däniken ist willkommen

Hannelise

Namibia hat viele Geschichten zu erzählen. Vom Weltempfänger mitten in der Wüste, vom jungen Namibier, der via Internet nicht mit seiner Freundin telefonieren kann oder von der deutschen Gastarbeiterin, die Kerzen in den Kühlschrank legt. Und von Kornkreis ähnlichen Feenringen, über deren Entstehung niemand etwas Genaues weiß.

Inmitten des Sossusvlei-Naturparks sind sie am besten zu sehen: Kreise mit bis zu drei Metern Durchmesser, auf denen nichts wächst. Im weiten Feld des silberleuchtenden Steppengrases zeichnet sich der rote Sandboden deutlich ab. Für die Ursache dieser „Fairy circles“ gibt es viele Erklärungen, sagt Reiseführerin Hannelise Kendzia. Termiten, so die derzeit gängigste, seien der Grund. Doch Kendzia glaubt nicht daran. Sie vermutet, dass Erdstrahlen oder Meteoritenstaub die geheimnissvollen Kreise verursachen: „Aber genau weiß es keiner.“ Sicher ist nur: Die Kreise ziehen sich wie ein schmales Band tausende von Kilometer durch das Land und sind selbst vom Weltall aus zu sehen. Vielleicht auch deshalb vermuten einige, dass Außerirdische für die Kreise verantwortlich sind. Erich von Däniken wäre deshalb gefragt. „Wenn er kommt, zeige ich ihm gerne unser Land – und natürlich auch die Feenringe“, sagt Kendzia.

Die Fairy Circles sind nur eine von vielen Sehenswürdigkeiten, die pro Jahr über 80 000 deutsche Touristen ins Land locken. Vor allem kommen sie wegen des Sossusvlei, einem Naturpark der die Weite des Landes widerspiegelt. Kilometerweit nichts als roter Wüstensand und Steppengras, eingerahmt von mächtig aufsteigenden Dünen, die im Laufe der Jahrmillionen entstanden. Entlang der einzigen Zufahrtsstraße sorgen Strauße, Oryxe und Springböcke für eine Bilderbuchkulisse.

Apfelkuchen und Neuigkeiten

Das gleiche Bild zeigt sich über 1000 Kilometer weiter nördlich, im 22 000 Quadratkilometer großen Etosha Nationalpark. Elefanten, Zebras, Giraffen – all jene Tierarten, die der Europäer mit Afrika verbindet, hat er zu bieten. Wer Geduld und Zeit hat, wird auch Löwen, Adler oder Geier sehen.

Neues hat auch Moose McGregor zu bieten. Er machte die kleine Tankstelle mit dem Namen Solitaire inmitten der Wüste durch seinen Apfelkuchen bekannt. Daneben bietet er Nachrichten: Im Hintergrund läuft ein Weltempfänger und wenn es Neuigkeiten gibt, schreibt er sie mit Kreide auf eine Schiefertafel vor dem Allerweltsladen, der der Tankstelle angegliedert ist.

Denn nicht jedes Handy funktioniert hier – und auch Internet ist Mangelware. Selbst in den Hotelanlagen funktioniert es nur schleppend. Zum Leidwesen von Michael Fuchs (32). Der Namibier ist Assistent Manager in einer Lodge, die 150 Betten und 60 Angestellte hat. Seine Freundin wohnt im Ruhrgebiet. „Mails verschicken geht“, sagt Fuchs“, „Aber Skype (kostenlose Telefonie via Internet, Anm. d. Red.) funktioniert nicht. Da ist das Signal zu schwach.“

Kerstin Wenzel aus dem nordhessischen Heringen kam vor 22 Jahren nach Namibia. Bereut hat sie es nicht. In der Hotelbranche hat sie sich inzwischen einen Namen gemacht. Und Sehnsucht nach Deutschland hat sie eigentlich nur an Weihnachten. Dann, im Dezember, ist in Namibia Hochsommer und wer Wachskerzen am Christbaum haben möchte, muss sie vorher ins Gefrierfach legen. Doch auch das hilft nicht viel. „Nach ein paar Minuten knicken sie um. Das Wachs wird zu weich“, erzählt sie. Eine der vielen Geschichten, die Namibia zu bieten hat.

Von Michael Rieß

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