Leuchtfeuer entlang der Elbe – Leuchtturmtag am 1. September

Bei der dicken Berta

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Die Untiefen des Lebens umschiffen: Im Turmzimmer der Dicken Berta in Altenbruch kann man sich das Ja-Wort geben. Das Standesamt Cuxhaven traute hier im vergangenen Jahr 128 Paare.

Stolz thronen sie am Elbufer. Bei Wanderern, Rad- und Autofahrern lösen sie Fernweh aus. Kapitänen von Kreuzfahrt- und Containerschiffen dienen sie zur Orientierung. 56 Leuchttürme stehen zwischen der Elbmündung in die Nordsee bei Cuxhaven und dem Hamburger Hafen.

Sie helfen bei der Positionsbestimmung, markieren sicheres Fahrwasser oder warnen vor Untiefen. „Selbst im GPS-Zeitalter gibt ein Leuchtfeuer dem Kapitän im Dunkeln wesentlich mehr Sicherheit“, meint Horst Freese vom Förderverein „Dicke Berta“ in Altenbruch bei Cuxhaven.

Viele Leuchtfeuer entlang der Elbe blinken im Doppelpack. „Es sind Richtfeuer“, erklärt Freese: „Es gibt einen kleinen Turm als Unterfeuer direkt am Elbufer und einen einige hundert Meter entfernt landeinwärts stehenden, das Oberfeuer. Beide haben die gleiche Bemalung und Kennung. Sie blinken im gleichen Takt.“ Vom Schiff aus betrachtet, müssen beide Lichter deckungsgleich sein, also in einer Linie übereinander stehen. Dann stimmt der Kurs.

Sechs Mal 50 Watt strahlen 18 Seemeilen weit

Als jüngster Turm wurde 2010 das neue rot-weiße Unterfeuer Somfletherwisch im Alten Land erbaut. Eine breite Wendeltreppe führt ins Laternenhaus des knapp 19 Meter hohen Stahlturmes. Wer nun einen Raum voller Technik erwartet, der wird enttäuscht. Sechs Halogenlampen mit jeweils nur 50 Watt verbergen sich hinter einer Glasabdeckung. Sie strahlen 18 Seemeilen (rund 33 Kilometer) weit. Das dazugehörige Oberfeuer ist ein 35 Meter hoher, sechseckiger Stahlgitterturm aus dem Jahr 1905.

„Neben Richtfeuern gab es früher auch Quermarkenfeuer, die einen Kurswechsel ankündigten“, erzählt Horst Freese. „Derartige Türme gibt es heute nicht mehr, aber an besonders schwierigen Stellen, Flusszuläufen oder Sperrwerken sind noch Leitfeuer anzutreffen.“ Sie senden weißes, rotes und grünes Licht aus. Sobald ein Schiff sich nicht mehr im weißen Bereich befindet, muss es den Kurs korrigieren.

Der schwarz-weiße Leuchtturm auf dem Deich von Twielenfleth ist so ein Leitfeuer. Sein Vorgänger überlebte den Abriss, da beherzte Bürger sich seiner annahmen. Der tonnenförmige weiße Turm stammt aus dem Jahr 1893. 90 Jahre später erlosch sein Feuer. Heute befindet sich ein kleines maritimes Museum mit winzigen Schiffsmodellen im Untergeschoss.

Gürtellinse und Otterblende

Ein bewegtes Leuchtturmleben hat auch die „Dicke Berta“ in Altenbruch, südlich von Cuxhaven, hinter sich. Sie wurde 1897 in Betrieb genommen und war bis 1968 das Unterfeuer zur „Schlanken Anna“. Ein Förderverein restaurierte und pflegt den pummeligen, genieteten Stahlturm. Seit 2002 dient er dazu, die Untiefen des Lebens zu umschiffen. Er ist Außenstelle des Standesamtes Cuxhaven. „128 Ehen wurden 2012 im Lampenraum geschlossen“, sagt Horst Freese. Sollte sich gerade niemand das Ja-Wort geben, kann man an einer Führung durch den Turm teilnehmen. Im Laternenhaus ist eine 300-Watt-Glühlampe hinter einer Gürtellinse installiert. Davor befinden sich grüne und rote Farbglassektoren. Jeweils daneben hängen Otterblenden – senkrecht stehende, um 90 Grad drehbare Lamellen. Sie erzeugten durch Abschatten und Durchlassen des Lichts Blitzgruppen, die Kennung des Lichtfeuers. Die Dicke Berta bietet im Gegensatz zum nüchternen Halogenscheinwerfer im drei Jahre alten Unterfeuer Somfletherwisch Leuchtturmromantik pur.

Von Dagmar Krappe

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