Stornokosten und Reklamation

Mehr Rechte für Urlauber

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Die EU will die Rechte von Reisenden stärken.

Pünktlich zur Urlaubssaison hat die EU-Kommission ein Paket mit Änderungen zum Reiserecht vorgeschlagen. Bei Naturkatastrophen oder Unruhen im Reiseland sollen Urlauber zum Beispiel künftig eher stornieren können.

Außerdem sollen sie leichter Schadensersatz erhalten. Die Details im Überblick:

Zielgruppe

Von den neuen Regeln profitieren vor allem Verbraucher, die sich ihre Reise im Internet suchen, dabei aber auf einen einzigen Anbieter wie beispielsweise Expedia oder Opodo vertrauen und dort zum Beispiel Flug und Hotel zusammen buchen. Daneben wären Fälle abgedeckt, bei denen mehrere Anbieter ihre Angebote zusammenführen, etwa durch Verlinkung ihrer Internetseiten. Die EU nennt beides „individuelle Pauschalreisen“. Der bisher nur für klassische Pauschalreisen geltende Schutz soll auf die individuellen Pauschalreisen ausgeweitet werden.

Reisepreis

Die EU-Kommission will Preis-Zuschläge nach der Buchung bei zehn Prozent deckeln. In Deutschland gelte zwar bei Pauschalreisen schon jetzt eine Grenze von nur fünf Prozent, so Reiserechtsexpertin Eva Klaar vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Diese niedrigere Grenze würde erhalten bleiben und künftig auch für individuelle Pauschalreisen (s.o.) gelten. Von der neuen Regelung würden Verbraucher profitieren, die bei einem ausländischen Anbieter Reisen buchen. Für diese galten die Preiserhöhungs-Beschränkungen nämlich bisher teilweise nicht. Der Reisepreis soll nach der Buchung aber auch sinken, wenn sich für den Anbieter noch Ersparnisse ergeben, zum Beispiel durch billigeres Flugbenzin. Damit solche Einsparungen bekannt werden und die Unternehmen sie tatsächlich an die Kunden weitergeben, müssten allerdings die nationalen Behörden und die Verbraucherschützer Druck machen, heißt es aus EU-Kreisen.

Reiserücktritt

Es soll in Zukunft leichter für den Kunden werden, von einer Reise zurückzutreten. Künftig soll generell bei Fällen wie Naturkatastrophen oder politischen Unruhen kostenfreie Stornierung möglich sein, etwa bei den aktuellen Ereignissen in Ägypten.

Stornokosten

Die Kommission will, dass der Kunde künftig auf keinen Fall mehr als eine „angemessene Entschädigung“ leisten muss. Im Klartext: Der Veranstalter darf nur seine tatsächlichen Kosten in Rechnung stellen, etwa Ausfallzahlungen an Hoteliers.

Schadenersatz

Schon bislang gibt es das Recht auf Preisminderung beim Fehlen bestimmter Leistungen, sprich Mängeln. Zusätzlich soll es künftig Schadenersatz geben für immaterielle Schäden wie entgangene Urlaubsfreuden. In einigen EU-Ländern gilt dies bereits bei klassischen Pauschalreisen.

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Reklamation

Das Problem bei den individuellen Pauschalreisen ist, dass es mindestens zwei mögliche Ansprechpartner bei Reklamationen gibt, die sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben können. Die EU-Kommission will hier klare Zuständigkeiten schaffen und schlägt vor, dass das Reisebüro oder der Reisevermittler die Beschwerden entgegennehmen müssen.

Nachteile

Möglicherweise können sich Reisen verteuern, wenn die Position der Verbraucher gestärkt wird. Der Deutsche Reiseverband warnte, bestimmte Regeln könnten das finanzielle Risiko der Veranstalter erhöhen. „Das wird zu Mehrkosten bei den Reiseveranstaltern führen und damit die Preise für Pauschalreisen verteuern“, erklärte der Verband.

Inkrafttreten

Über die von der EU-Kommission vorgelegten Pläne müssen nun Europaparlament und Ministerrat beraten.

AFP

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