Die Südtiroler Landeshauptstadt hat weitaus mehr zu bieten als Shopping nur für einen Tag

Dolce Vita auf die Bozener Art

Inmitten von Weinbergen: Bozen. Rechts geht es per Seilbahn über die Weinberge auf das 1200 Meter hoch gelegene Hochplateau des Ritten. Foto: nh

Südtirols Landeshauptstadt Bozen ist mehr wert als einen Tagesabstecher für Einkaufsbummel und obligatorischem Kaffee auf dem Waltherplatz. Bozen, das ist Kultur, Wein, Natur und vor allem das Erleben der verschiedenen Lebensstile von Nord und Süd, die sich hier wie in kaum einer anderen europäischen Stadt zum „Bozener Dolce Vita“ mischen.

Für das Kennenlernen der italienisch-deutschen Großstadt am Eingang der Dolomiten mit seinen 104 000 Einwohnern sollte man sich mehrere Tage Zeit nehmen. Ein Vorschlag:

Tag 1: Mit Lauben und Bildern

Nach dem Einchecken im Stadthotel Fiegl zieht es uns in die Laubengasse. Hier, wo einst Kaufleute ihre Handelshäuser im gotischen Stil bauten und unter den dazugehörigen Lauben ihre Waren ausbreiteten, ist Shopping und Sightseeing angesagt. Und: Die schattigen Lauben bieten Gelegenheit, der Hitze des Bozener Talkessels am Zusammenfluss von Eisack, Etsch und Talfer zu entfliehen.

Vom Waltherplatz mit seinen Straßencafés aus fahren wir am Nachmittag mit dem Gratis-Shuttlebus zum Schloss Runkelstein, der Bilderburg. Auf einem Felsen am Stadteingang zum Sarntal birgt die 600 Jahre alte Burg den größten, erhaltenen, profanen Freskenzyklus Europas. Kurator Dr. Armin Torggler kommt beim Rundgang ins Schwärmen, weiß zu jeder Szene Anekdoten zu erzählen. Wir tauchen ein ins Bilderbuch der mittelalterlichen Mode und des höfischen Lebens im ausgehenden 14. Jahrhundert. Den Rückweg nutzen wir zu einem Spaziergang entlang des Talfer-Ufers, der grünen Lebensader der Stadt.

Tag 2: Mit Ötzi und Bergfahrt

Zum Treffen mit dem „Ötzi“ geht es zu Fuß ins Südtiroler Archäologiemuseum. Zum 20. Jahrestag des Sensationsfundes haben die Bozener das gesamte Museum dem Mann aus der Kupferzeit gewidmet, der in einer Gletschermulde der Ötztaler Alpen 5300 Jahre samt Ausrüstung überdauert hat. Mit einem Museumsführer gehen wir über vier Etagen auf die interaktive und amüsante Reise rund um den Kriminalfall des mit einem Pfeil hinterrücks erschossenen Eismannes.

Hinauf in die kühlere Höhe zieht es uns am Nachmittag mit der 2009 erneuerten Seilbahn vom Zentrum aus auf den 1200 Meter hohen Ritten. Schon vor über 100 Jahren bauten hier auf dem Hochplateau mit atemberaubender Sicht auf die Weinberge sowie den Rosengarten und Schlern die reichen Bozener ihre Sommerfrische-Villen.

Natürlich steigen wir oben um in die alte Schmalspurbahn, die die Orte Oberbozen, Lichtenstein und Klobenstein verbindet. Nach einer halben Stunde Fußmarsch bezaubert der Ausblick auf die Erdpyramiden.

Tag 3: Mit Führer und Wein

Stadtführer Martin Malissa holt uns vom Hotel ab. „Bozen im Schnelldurchgang, aber ein Bozen, das Sie wegen seines Charmes lieben lernen werden“, sagt er. Natürlich dürfen die Lauben-, die Mustergasse, Bozens berühmter Gemüsemarkt und der Dom nicht fehlen, doch Malissa gibt auch faszinierende Einblicke ins Innenleben der Stadt. Die 70 Meter langen Gänge durch die Laubenhäuser und die lichtdurchfluteten Innenhöfe findet man im Alleingang kaum.

Bozen ist Südtirols drittgrößtes Weinanbaugebiet. Grund genug für einen Besuch in einer der über 25 privaten Kellereien oder den Weingütern Runkelstein und Maretsch. Wir entscheiden uns für die Genossenschaftskellerei, die von 200 Winzern beliefert wird. Sommelier Wolfgang Karger empfängt uns am Kellereihaus im von Weinbergen umgebenen Stadtteil Gries. Der Gang durch die Tiefen des Weinkellers mit hunderten Holzfässern lässt erahnen, worin die Kunst des Weinmachens besteht.

„Die Lage macht den Wein“, sagt Karger und deutet bei der Verkostung auf die Panoramafotos an der Wand, die Mitgliedsbetriebe mit ihren steilen Hanglagen zeigen. „Nur zwischen 500 und 600 Metern wachsen beispielsweise die Reben für den Gewürztraminer.“

Wie gut der 2010 gelungen ist, davon lassen wir uns abends beim Essen im Garten des noblen Laurinhotels überzeugen.

Tag 4: Mit Bummel und Kirche

Wenn das Kirchlein St. Johann im Dorfe am letzten Wochenende im Monat geöffnet hat, dann ist der Besuch des romanischen Gotteshauses mit seinen 700 Jahre alten Fresken ein Muss. Der morgendliche Abstecher zum Kirchlein bietet nochmals Gelegenheit, vor der Abreise einen Bummel durch die Altstadtgassen zu machen.

Wer die Zeit hat, sollte noch ein paar Tage mehr dranhängen und das „Bozener Dolce Vita“ genießen.

Info: Verkehrsamt Bozen, Tel. 00 39/ 04 71 30 70 40, www.bolzano-bozen.it

Von Axel Gödecke

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