Hongkong gilt als Geburtsort der Drachenbootrennen – mittlerweile gibt es sie auf der ganzen Welt

Wo die Drachen schwimmen

Wettrennen vor der Skyline von Hongkong: Über 190 Teams aus aller Welt nehmen an den Rennen teil. Foto: Hippe

Dumpfe Trommelschläge schallen durch die Victoria-Bucht. Wasser spritzt auf, wenn die Paddel im Stakkato ins Meer stechen. Vor der Skyline Hongkongs flitzen bunte Drachenboote um die Wette. „Go, Go, Go“, feuern die Männer und Frauen im Heck ihre Mannschaften an. An diesem Tag steht die Luft wie in einem Gewächshaus. Doch das stört niemanden. Die Zuschauer am Ufer winken mit Fahnen und jubeln den Sportlern zu.

Jedes Jahr wird das Drachenbootfest am fünften Tag des fünften Mondmonats – im Juni – gefeiert. Einer Legende nach entstand es vor mehr als 2000 Jahren zur Erinnerung an Qu Yuan, einem tugendhaften Minister aus dem Reich Chu und einem der ersten Dichter Chinas. Dieser ertränkte sich aus Protest gegen Korruption am Königshof in einem See. Die Einheimischen warfen ihm in Bambusblätter gewickelten Klebreis als Opfergaben zu. Heute gehören die Snacks – aufgepeppt mit Dattel-, Krabben- oder Bohnenbrei – zum Drachenbootfestival wie Biergarten und Musik.

Zwischen 150 000 und 250 000 Menschen besuchen jährlich das Fest. Über 190 Teams aus 12 Ländern beteiligen sich an den Bootsrennen. Teilnehmen kann jeder, der Spaß an körperlicher Betätigung hat – und Freunde die mitmachen, denn man kann sich nur als Gruppe anmelden. Es gibt Rennen für Frauen, Kinder, Senioren, Presse und Profis, Wettkämpfe in Badewannen, die aussehen wie Hutschachteln und Karnevalrennen.

Die Fischer sind die Besten

Im Jahr 1976 gab es die ersten professionellen Veranstaltungen. Damals nahmen fast nur einheimische Fischer daran teil. Die Boote waren aus schwerem Teakholz mit geschnitzten Drachenköpfen und boten Platz für bis zu 100 Paddler. Heute sind sie kleiner, wendiger und aus leichtem Fiberglas. „Die besten Sportler sind meist die Fischer oder die Radfahrer“, sagt Mason Hung, der Direktor und Vizepräsident der internationalen Drachenbootvereinigung.

Den wohl besten Überblick des Geschehens hat man im Gebäude des internationalen Handelszentrums auf der Aussichtplattform Sky 100. Von hier schrumpfen Menschen auf die Größe von Mücken, Drachenboote auf Zahnstocherlänge. In den obersten Etagen eröffnete im letzten Jahr das Ritz Carlton. Es gilt mit 425 Metern über dem Meeresspiegel als höchstes Hotel der Welt.

Am Ufer des Fährterminals dringt eine Lautsprecherstimme aus einem Häusertunnel. Sie hat nicht die Hektik eines Wettrennens sondern tönt langsam und ruhig: „Lehne den Oberkörper vor, kreuze deine Hände, gehe einen Schritt vor.“ Tai Chi Lehrer William gibt mittels Headset früh morgens kostenlose Tai-Chi-Stunden. Der drahtige Rentner bewegt sich in seinem Kimono geschmeidig wie eine Katze. Er beugt sich vor und zurück, schwenkt die Arme. Jede seiner Bewegung fließt wie das Meer neben ihm. „Früher habe ich auch an Drachenbootrennen teilgenommen“, sagt der 74-jährige, „das ist gut für die jungen Muskeln. Jetzt mache ich lieber Tai Chi, das stärkt ebenfalls den Körper und beruhigt obendrein den Geist.“

Von Monika Hippe

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